Der Theologe Lukas Fries-Schmid lebt mit seiner Frau Sandra Schmid Fries und den Zwillingen Salome und Mirjam (4) in der franziskanisch geprägten Gemeinschaft «Sunnehügel» in Schüpfheim. Er erzählt, inwiefern Glaube im Familienleben Thema ist und wie man als Familie in einer religiösen Gemeinschaft lebt.

Wie leben Sie Ihren Glauben innerhalb der Familie?
Lukas Fries-Schmid: Ich trenne Alltag und Glauben nicht, sondern lebe bestimmte Werte: Geschwisterlichkeit im Umgang mit den Gästen und den anderen Mitgliedern der Kerngemeinschaft, einen achtsamen Umgang mit der Schöpfung. Solche Werte sind Ausdruck meines Glaubens. Die Kinder erleben das mit, wie in jeder anderen Familie, die vielleicht nicht explizit religiös ist.

Ist Glauben dennoch auch explizit Thema?
Ja, wir versuchen, den Glauben auch zur Sprache zu bringen. Wir haben innerhalb der Familie ein Abendritual: Wenn die Kinder im Bett sind, nennt jedes Familienmitglied ein paar Dinge, für die es an diesem Tag danke sagen möchte. Das Ritual ist sozusagen die ignatianische Übung der «liebenden Aufmerksamkeit» im Tagesrückblick, übersetzt in Kindersprache.

Wofür sagen die Kinder danke?
Sie danken dafür, dass sie zum Grossmami spielen gehen durften, dass es Schokolade zum Dessert gegeben hat. Manchmal nennen sie etwas, auf das sie sich freuen. Es ist spannend zu hören, wie sie hier Dinge zur Sprache bringen, die ihnen wichtig sind.
Die Gotte hat erzählt, Jesus sei wiederaufgetaucht.

Wie vermitteln Sie den Kindern Glaubenswissen?
Das muss natürlich altersgerecht sein. Ich finde es nicht leicht, Bilder zu finden, die kindergerecht sind und theologisch stimmen. Ich scheue mich nicht, von Gott zu sprechen. Ich kann aber auch die göttliche Gegenwart in allem zur Sprache bringen, wenn die Kinder einen Käfer bestaunen. Wir erzählen ihnen auch biblische Geschichten oder solche, in denen christliche Werte Thema sind. Kinder müssen ihre Spielsachen teilen, Konflikte lösen, ihre Bedürfnisse abgleichen. Es gibt viele Bilderbücher, die von solchen Themen handeln.

Verstehen die Kinder die biblischen Geschichten?
Bei explizitem Glaubenswissen fällt mir immer wieder auf, wie weit die religiöse Sprache von der Erfahrungswelt der Kinder entfernt ist. Jemand hat unseren Kindern die Ostergeschichte erzählt, Jesus sei auferstanden. Am Tag danach hat meine Tochter zu mir gesagt: «Die Gotte hat erzählt, Jesus sei wiederaufgetaucht.» Das Wort «auferstehen» sagt ihnen nichts, aber sie haben im Grunde verstanden, worum es geht. Sie finden oft ihre eigene Sprache.

Sie leben als Familie in einer modernen klösterlichen Gemeinschaft. Wie geht Familienleben mit einem klösterlichen Rhythmus zusammen?
Der Rhythmus der Gemeinschaft ist ein anderer als jener der Kinder, das ist manchmal wirklich ein Spagat. Aber zwischen neun und vier Uhr ist ein gemeinsamer Rhythmus möglich. Die Kinder essen in der Regel mittags mit der Gemeinschaft, und je nach Situation sind sie auch darüber hinaus dabei. Je älter sie werden, desto eher ist es möglich, dass wir am Morgen in der Gemeinschaft mitarbeiten und die Kinder auch in der Küche oder im Garten sind. Wir sind dann vielleicht etwas weniger effizient, weil wir auch die Kinder im Auge haben müssen.

Nehmen die Kinder an den Gebetszeiten der Gemeinschaft teil?
Das Gemeinschaftsgebet ist nicht auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten. Sie brauchen andere Ausdrucksformen, als eine halbe Stunde stillzusitzen. Daher sind die Kinder in der Regel nicht dabei. Jeweils am Samstagabend singt die Gemeinschaft gemeinsam, da nehmen wir die Kinder ab und zu mit. Am Ostersonntag gab es bei uns morgens um halb sechs eine Auferstehungsfeier, wo die Kinder dabei waren. Sie haben anschliessend ganz viel vom Feuer, von den Kerzen, von den vielen Liedern erzählt. Das hat sie offensichtlich beeindruckt.

Schlägt sich das klösterliche Leben im Alltag der Kinder nieder?
Kürzlich gab es eine witzige Situation: Wir sind soeben in einen neuen Anbau des Klostergebäudes eingezogen. Beim Umzug sind Kopfhörer aufgetaucht, die als Gehörschutz dienen. Salome setzte sich diese auf und sang voller Inbrunst sehr laut in den Gang mit den Arbeitern hinein: «Halleluja! Halleluja!» An solchen Situationen merkt man, dass sie Klosterkinder sind.

Hat Ihr Vater-Sein Ihren Glauben verändert?
Mein Gottesbild hat sich verändert. Wir mussten von der ersten Minute der Schwangerschaft an um die Leben der Zwillinge bangen. Dadurch wurde mir auf einen Schlag bewusst, dass ich als Vater ganz und gar in der Verantwortung bin, jedoch keinerlei Macht darüber habe, was ist und was sein wird. Die Letzte Macht ist bei jemandem anders. Mit dieser Spannung muss ich lernen umzugehen: Ich bin gefordert, als ob alles von mir abhinge, gleichzeitig kann ich gar nichts machen. Genau darum geht es im ganzen Leben.

Sylvia Stam / kath.ch

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Zum Ort

Im Sonnenhügel – Haus der Gastfreundschaft in Schüpfheim lebt eine kleine Kerngemeinschaft vor Ort, während weitere Gäste für eine begrenzte Zeit mitleben können. Die Gäste befinden sich oft in einer psychischen, geistlichen oder sozialen Krise. 1993 stellten die Kapuziner ihr Klostergebäude dem Projekt Sunnehügel zur Verfügung. Nach der Pionierzeit und der Konsolidierungsphase lebt heute die dritte Generation der Kerngemeinschaft im Haus. Sie besteht derzeit aus fünf Personen, die verheiratet, alleinstehend oder Ordensmitglied sind. Die Gemeinschaft pflegt einen klösterlichen Lebensrhythmus mit zwei Gebetszeiten täglich. 

Ein Kind taufen heisst: Es in die Gemeinschaft der Pfarrei aufnehmen. In Römerswil kein leeres Wort: Hier lädt der Pfarreirat die Taufkinder des vergangenen Jahres und ihre Familien immer am Palmsonntag zu einem Fest ein. Der Taufbaum, auf dem die Namen der Täuflinge angebracht wurden, fällt, mit dem Holz wird grilliert und eine Woche später die neue Osterkerze entzündet. Ein Kreislauf des Lebens.

Die Taufe, ein Sakrament, ist ein Zeichen der Nähe Gottes, will für das Kind ein Segen sein. «Sie heisst: Du bist angenommen und geliebt; so, wie du bist», sagte Katechetin Rita Amrein-Stocker gestern (25. März 2018) den Familien der 15 Mädchen und Buben, die übers Jahr in der Pfarrei Römerswil getauft worden waren. Die Kinder wachsen in ihre Familien, aber auch die Pfarreigemeinschaft; «das will das Taufbaumfest bewusst machen», erklärte Pfarreiratspräsidentin ad interim Susanna Beck. «Leben entsteht, ist ein Wunder und braucht aber auch Begleitung.»

Zeichen davon ist der Taufbaum aus dem Wald der Kirchgemeinde, den der Pfarreirat jeweils am Karsamstag vor der Kirche aufstellt. Wird ein Kind getauft, schreibt er dessen Namen gross auf eine farbige Holztafel und befestigt diese am Stamm. Die Täuflinge werden also nicht nur ins Taufbuch der Pfarrei eingetragen, sondern auch nach aussen gut sichtbar willkommen geheissen. Am Palmsonntag schliesst sich der Kreis. Dann sind die Familien der Taufkinder zum Taufbaumfest eingeladen. Auch diesen Anlass organisiert der Pfarreirat 1. Man trifft sich um 16 Uhr, gemeinsam wird der Baum gefällt, die Namenstafeln werden abgeschraubt und den Familien mit nach Hause gegeben. Vor der Kirche kommt es zum Stelldichein der Kinderwagen und herrscht ein fröhliches Treiben. Manche der jungen Mütter und Väter lernen sich an diesem Tag erst kennen.

«Getauft – und jetzt?»

In der Kirche In der Kirche laden Rita Amrein und Benjamin Meier Eltern und Kinder in den Kreis um die Osterkerze. «Kinder müssen wir nicht glauben lehren; das Gottvertrauen ist ihnen angelegt», weiss sie aus Erfahrung. Die Kleinkinderfeiern, die in Römerswil Martina von Moos, Andrea Bucher, Michaela Huber und Susannne Achermann gestalten, sollen die Mütter und Väter in der spirituell-religiösen Erziehung ihrer Mädchen und Buben zusätzlich unterstützen. Zum zweiten Mal erhalten die Eltern zudem eine kleine Schatztruhe, auf dem der Name ihres Kindes steht und in dem allerlei Tipps und Hinweise zu diesem Thema enthalten sind. Neu lädt Römerswil kommenden Herbst die jungen Eltern und ihre Kinder zur Reihe «Getauft – und jetzt?»  ein, drei Veranstaltungen für Mütter und Väter, um sich über religiöse Fragen und Themen auszutauschen, um Kirche und Glaube zu erleben, um voneinander und miteinander zu lernen – ein Pilotprojekt, an dem auch der Pastoralraum Baldeggersee, die reformierte Kirche und die Landeskirche beteiligt sind.

Ein solches «– und jetzt?» ist freilich auch schon das Taufbaumfest selbst. Nach der Viertelstunde in der Kirche wechseln Eltern und Kinder in die Kaplanei, wo Reto Bucher und Othmar Feer inzwischen mit einem Teil des gefällten Stammes ein Feuer unterm Grill entzündet haben. Schon bald brutzeln darauf Würste, was mit den Salaten und Kuchen, die viele mitgebracht haben, ein feines  Znacht gibt. An den Tischen hebt ein grosses Plaudern an, Kinder wuseln herum und Kontakte werden geknüpft.

Das restliche Holz des Taufbaums wird derweil beiseite gelegt. Es wird am folgenden Samstag im Osterfeuer verbrannt werden. Daran wird die neue Osterkerze entzündet, und in der Osternacht auch das neue Taufwasser geweiht. Ostern – das Fest des Lebens, das Wunder geht weiter.

Dominik Thali

1 Dem Pfarreirat Römerswil gehören an: Antonia Wicki, Priska Fuchs, Monika Minder, Susanna Beck, Reto Bucher, Claudia Vogel und Benjamin Meier als Vertreter des Seelsorgeteams.

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