Das kirchliche Leben findet aufgrund der ausserordentlichen Lage auf neuen Wegen statt. An Karfreitag und Ostern übertragen die katholische, reformierte und christkatholische Kirche im Kanton Luzern deshalb gemeinsam ökumenische Fernsehgottesdienste. Diese sind jeweils um 10 Uhr auf Tele 1 zu sehen.

Die Feier am Karfreitag wurde aus der reformierten Kirche Weinbergli in Luzern ausgestrahlt und von folgenden Personen gehalten:

  • Markus Müller, Gemeindeleiter der Pfarrei Nebikon und Synodalrat der römisch-katholischen Landeskirche
  • Verena Sollberger, Pfarrerin der reformierten Kirche Stadt Luzern
  • Adrian Suter, Pfarrer der Christkatholischen Kirchgemeinde Luzern

Der Spot:

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Manchen Gottesdienstbesuchern kann der Pfarrer nicht kurz genug predigen. Sie hätten sich bei den Aufzeichnungen für die Fernseh-Gottesdienste von Karfreitag und Ostern gelangweilt. Dort hätten sie die Worte von der Kanzel sogar zweimal anhören müssen.

Zweimal, damit die Feiern am Ende minutengenau in die halbe Stunde Sendezeit passen. Zweimal also die Passionslesung aus Lukas, zweimal das Vater unser, zweimal das «Gelobt sei Gott im höchsten Thron». Zwei Drehs, aus denen die beiden Gottesdienste geschnitten werden, die am Karfreitag und Ostersonntag um 10 Uhr auf Tele 1 zu sehen sind.

Es verlief alles genau nach Drehbuch am Freitag vor dem ersten Gottesdienst in der reformierten Weinbergli-Kirche und am Dienstag für den Ostergottesdienst in der Jesuitenkirche in Luzern: Jeweils vier bis fünf genau getaktete Stunden, denen dichte Tage der Vorbereitung vorangegangen waren. Die konzentrierte Vorbereitung der Seelsorgerinnen und Seelsorger machte sich bei den Aufzeichnungen bezahlt: Sie hielten die Längenvorgaben auf Anhieb genau ein.

«Eine grosse Herausforderung»

«Eine total spannende Erfahrung», sagt Sylvie von Arx, Lektorin in der Christkatholischen Kirchgemeinde Luzern. Sie gestaltet mit dem katholischen Priester Hansruedi Kleiber und dem reformierten Pfarrer Hans Weber die ökumenische Feier von Ostern. Am Karfreitag stehen Markus Müller, katholischer Pfarreileiter, Verena Sollberger, reformierte Pfarrerin, und Adrian Suter, christkatholischer Pfarrer, vor der Kamera.

Die Vorbereitung für den Gottesdienst war für die Beteiligten freilich nicht anders als sonst. Für die Karwoche beginne er ohnehin immer zwei Wochen zuvor. Neu für ihn sei allerdings die Taktung auf die Minute genau gewesen: «Das war eine grosse Herausforderung. Ich habe meine Teile mit der Stoppuhr mehrmals laut gesprochen, bis die Zeit und vor allem der Inhalt auf die Vorgabe passte.» Hansruedi Kleiber, der Erfahrung als Radioprediger hat, erging es gleich: «Die Vorbereitung für einen Fernseh-Gottesdienst ist aber aufwändiger und nimmt viel mehr Zeit in Anspruch», stellt er fest. Ansonsten teilt er Markus Müllers Hinweis: Er müsse einen Ostergottesdienst ja auch sonst schon in den Tagen zuvor vorbereiten. Ohnehin sei Ostern für Christinnen und Christen ohnehin dauerhaft präsent: «Auch am Karfreitag.»

«…einfach auf einer anderen Ebene»

Jedoch: Den Karfreitag begehen, Ostern feiern – Tage zuvor und vor leeren Bänken, geht das überhaupt? Durchaus, finden die Beteiligten. Sie habe «gleichwohl Ernsthaftigkeit verspürt» sagt Sylvie von Arx. Von einer «speziellen Situation» spricht Hansruedi Kleiber, in die er sich aber als ehemaliger Radioprediger gut habe einfühlen können. «Ich musste einfach an die möglichen Zuschauerinnen und Zuschauer am Bildschirm denken.» 

Die leeren Bänke machen auch Hans Weber keine Mühe. Er finde diese Form von Gottesdienst auch anregend, sagt er. «Man weiss, dass man mit den Menschen in Kontakt ist, einfach auf einer anderen Ebene.» Er habe sich nicht allein gefühlt, Nähe lasse sich auch mittels Technik schaffen.» Markus Müller ging es gleich: Es sei für ihn «stimmungsmässig ein richtiges Feiern» gewesen, erst recht der zweimaligen Aufzeichnung wegen. «Ich hoffe, dass man dies dann auch am Fernsehen spüren kann.»

Dominik Thali

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Anrufen oder auf Facebook schreiben

An Karfreitag und Ostern übertragen die katholische, reformierte und christkatholische Kirche im Kanton Luzern gemeinsam ökumenische Fernsehgottesdienste. Diese sind jeweils um 10 Uhr auf Tele 1 zu sehen. Am Ostersonntag besteht die Möglichkeit, im Anschluss an den Fernsehgottesdienst von 10.30 bis 11.30 Uhr telefonische Gespräche mit Pfarrpersonen und Seelsorgenden der drei Landeskirchen zu führen. Willkommen sind auch Kommentare auf der Facebook-Seite der drei Landeskirchen.

 

In der «Zwitscher-Bar», dem ökumenischen Café für Begegnung und Beratung mitten in Luzern, finden Menschen ein offenes Ohr. Ob sie nun über Lebensthemen oder «nur» das Wetter sprechen wollen. Ein Angebot der Kirchen.

Es wird wieder gezwitschert beim Luzerner Vögeligärtli. Gemeint indes sind nicht die gefiederten Wesen, die aus ihren Winterlagern zurückkehren. Gemeint sind vielmehr die Gäste der «Zwitscher-Bar», eines besonderen Treffpunkts der reformierten Landeskirche Luzern und der katholischen Stadtkirche. Nach etwas mehr als zwei Jahren Gastaufenthalt am Franziskanerplatz ist das «Café für Begegnung und Beratung» zurück im Lukaszentrum. Neu leitet Claudia Jaun das ökumenische Café. Die Theologin war zuvor Seelsorgerin im Betagtenzentrum Eichhof Luzern. Dort wie auch in der «Zwitscher-Bar» sei Seelsorge ein Angebot für ein Gespräch zwischen zwei Menschen auf Augenhöhe. Dabei könnten Lebenskrisen zur Sprache kommen, Konflikte, müssten aber nicht. Manchmal könne auch ein Alltagsthema als Anfang für einen Dialog dienen, etwa das Wetter, so Jaun.

Unverbindliche Gespräche

Etwas ist ihr ganz besonders wichtig: «Seelsorge ist nicht Mission». Sie basiert zwar auf christlicher Tradition und damit auf einer Wertschätzung allen Menschen gegenüber, knüpft diese aber nicht an Vorbedingungen. Die Gespräche in der «Zwitscher-Bar» sind kostenlos. Sie können spontan zustandekommen oder geplant sein; manche Menschen kommen immer wieder zu einem Gespräch, andere nutzen das Angebot nur einmal. Jaun sagt: «Unsere Gespräche sind oft etwas Zusätzliches zu anderen Angeboten.» So ersetzt denn das «Zwitschern» auch keine Psychotherapie.

Claudia Jaun leitet seit Ende des vergangenen Jahres das Begegnungscafé Zwitscher-Bar in Luzern. | © 2019 Thomas Stucki

Schwebender Kaffee

Anfang des 20. Jahrhunderts entstand in Neapel der Brauch des «caffè sospeso» (schwebender Kaffee) – man lässt zum eigenen einen zweiten Kaffee anschreiben, der später von einer bedürftigen Person bezogen werden kann. Sozusagen «Nächstenliebe to go». Den «Schwebenden» gibts auch an der Morgartenstrasse 16, dort, wo neben Kaffee und Kuchen auch Seelsorge auf der Karte steht. Das Angebot zieht übrigens keineswegs nur Menschen in Not an. Jedenfalls ist immer ein «sospeso» angeschrieben, wohl von jemandem, dem ohne Kummer nach Zwitschern zumute war.

Thomas Stucki

Zwitscher-Bar, Morgartenstrasse 16, Luzern, offen von Montag bis Freitag jeweils von 12 bis 18.30 Uhr

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Ökumenisch, kostenlos, niederschwellig

Die Zwitscher-Bar ist eine Initiative der Katholischen Kirche Stadt Luzern und der Reformierten Kirche Luzern und wird finanziell von ihnen getragen. Geführt wird das Non-Profit-Angebot vom ökumenischen Verein niederschwellige Seelsorge Luzern. Die Zwitscher-Bar besteht seit Herbst 2012. «Unser Beratungsangebot ist unverbindlich, kostenlos und niederschwellig. Dadurch erleichtern wir bei Bedarf den Zugang zu einem seelsorgerlichen Gespräch», heisst es im Leitbild. Leiterin der Zwitscher-Bar ist Claudia Jaun.

Wie die Arche Noah auf dem Berg: Das Jubiläumsboot der Landeskirchen legte im März im Entlebucher Wallfahrtsort Heiligkreuz an – als Einladung, auch in unruhigen Zeiten an Bord zu bleiben.

Noah strandete nach 40 Tagen Flut auf dem Berg Ararat, das Boot der Landeskirchen am 15. März vor der Wallfahrtskirche Heiligkreuz. Noah handelte weitsichtig angesichts des ihm angekündigten Unheils, Wallfahrtspriester Kobi Zemp verband das alttestamentliche Geschehen, ohne das Wort «Corona»auszusprechen, mit der Tagesaktualität. «Gott lädt uns ein, in sein Schiff zu steigen, auch wenn dieses in stürmischen Zeiten unterwegs ist.» Die berührende Musik dazu erklang an diesem Sonntag von Hermann Studer (Büchel), Hans Wigger (Trompete) und Marietheres Bieri (Orgel).

Predigen wie Jesus im Boot

Für seine Predigt stieg Zemp selbst in das Boot, mit dem die Landeskirchen zu ihrem 50-jährigen Bestehen durch den Kanton Luzern rudern. Im Evangelium hatte er von Jesus erzählt, der den Sturm auf dem See verschlief und seine verängstigen Jünger ins Vertrauen zurückholen musste, indem er dem Tosen Einhalt gebot. Das Bild der Arche, des Boots, lädt für Kob Zemp dazu ein, «den Schöpfer von Allem nicht zu vergessen». Jeder solle auf seine Weise Boot-Schafterin, Boot-Schafter sein «für das, was Jesus wollte: Im Umgang mit den Mitmenschen, im Umgang mit der Natur». Nichts sei selbstverständlich, das sei doch in der Krise erst recht zu spüren.

Zuflucht seit Jahrhunderten

Mit «Kirche kommt an» ist das Jubiläumsboot beschriftet und lautet das Jubiläumsmotto der Landeskirchen. Im Heiligkreuz, dem Wallfahrtsort ob Hasle und Schüpfheim, trifft dies seit Jahrhunderten zu. Gemäss der Legende reicht der Ursprung der Kreuzverehrung hier ins 4. Jahrhundert zurück. Im 14. Jahrhundert zogen die ersten Mönche vom damaligen Kloster St. Urban auf den Berg. Die heutige Kirche geht auf das späte 15. Jahrhundert zurück. Sie entwickelte sich zum Wallfahrtsort; auch deshalb, weil der Kirchenschatz eine Kreuzreliquie aufweist, der wohl von den kreuzverehrenden Zisterziensern von St. Urban zurückgelassen wurde.

Hilfe fürs Leben

«Die Heiligkreuzkirche gefällt, wird gesehen, geschätzt. Sie leuchtet, begeistert, beeinflusst, wirkt auf Menschen ein, wird aufgesucht, trägt Hilfe und Anregungen ins Leben. Eine Kirche, die geliebt wird», heisst es im Geleitwort des Pilgerbüchleins.

Über Jahrhunderte besorgten Kapuzinerbrüder die Seelsorge auf Heiligkreuz. Crispin Rohrer war bis Herbst 2017 deren letzter, der Escholzmatter Kobi Zemp, zuvor Pfarrer in Schüpfheim, wurde sein Nachfolger.

Dominik Thali

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Kirche verbindet und hilft Menschen; mit ihrer Kirchensteuer tragen ihre Mitglieder dazu bei, dass viel Gutes möglich wird – auch im Stillen. Die Pfarrei Zell nahm das Landeskirchen-Jubiläum zum Anlass, darauf hinzuweisen.

Das 50-Jahre-Jubiläum der Landeskirchen war am Wochenende des 15./16. Februar Thema in der Pfarrei Zell. Der Kirchenraum war geschmückt mit dem grossen Boot, das den Spruch «Kirche kommt an» trägt. Dieses Boot war der Ausgangspunkt der Predigt von Gemeindeleiter Paul Berger. Das Schiff sei ein altes, christliches Symbol und wolle aufzeigen, «dass sich die Grundwerte der Kirche auch in die moderne Gesellschaft tragen lassen», wie Berger sagte. Er sieht das Boot als Symbol dafür, «dass das Schiff unserer Kirche und unserer Pfarrei nicht untergeht und tapfer seinen Weg geht, obwohl die Wellen im Christentum und in unserer Kirche hoch gehen und auch Angst machen». Das Landeskirchen-Boot wolle auch zeigen, dass «das Schiff der Kirche» Sicherheit und Zukunft bietet.

Die zwei Seiten der Kirche

Paul Berger verglich die Kirche mit einer Münze, die eine matte und eine glänzende Seite habe: «Die matte Seite mit ihren Skandalen und Missbrauchsfällen und die glänzende Seite mit ihrer grossen Arbeit fürs Zusammenleben und wertvollen und kostbaren Aufgabe in der Gesellschaft.»

Der Gemeindeleiter zählte die weiten Felder der Kantonalkirchen auf. Um dies der 2. Sekundarschule Zell zu veranschaulichen, hatte er im vergangenen November mit 52 Schülerinnen und Schülern die islamische Moschee in Emmenbrücke besucht, das Kapuzinerkloster Wesemlin und die Gassenküche in Luzern als Teil der kirchlichen Gassenarbeit. Daneben zeigte er auf, wie die Kirche Soziales pflege, aber auch Randständige und Hilfe Suchende unterstütze. Schliesslich verdeutlichte er, wie viele Gruppen in der Pfarrei Zell aktiv sind und appelliert an die eigene Mitverantwortung, damit die Kirche auch zukünftig lebendig bleibe. Mit Stolz sprach Paul Berger zum Schluss von der Pfarrei Zell, deren Frauengemeinschaft beispielsweise mehr als 400 Mitglieder zähle, und der grosse Ministrantenschar mit 70 Kindern und Jugendlichen.

Margrit Meier

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Die Organisation Notfallseelsorge/Care Team ist wie ein Rettungsboot. Seine Besatzung kann das Schlimme nicht ungeschehen machen. Aber da sein, zuhören. Gedanken und Gefühle ordnen. Lebenshilfe im oft löchrigen sozialen Netzwerk der Menschen, von den Kirchen mitgetragen.

«Manchmal ist weniger mehr», sagt Care Giverin Alexandra Felder und erzählt von einer Familie, zu der sie nach einem Suizid gerufen wurde. Als jemand den Abschiedsbrief des verstorbenen Mannes verlas, wollten sie und ihre Teamkollegin sich zurückziehen: Das war ihnen zu persönlich. Doch die Frau bat darum, zu bleiben. Als Felder sie einige Zeit später zufällig traf, dankte die Frau ihr – für das Dasein, fürs Zuhören. «Sie sagte mir, sie habe ihre Familie in dem Moment nicht ertragen, sie sei ihr zu nahe gewesen», erzählt Felder.

«Wahrnehmen, was gerade wichtig ist»

Alexandra Felder hat einen medizinischen Beruf erlernt und ist heute als Radioreporterin tätig. Seit sieben Jahren gehört sie der Organisation Notfallseelsorge/Care Team im Kanton Luzern an und rückt aus, wenn Menschen in Not Hilfe brauchen – bei plötzlichen Todesfällen, bei Unfällen oder Naturereignissen, beim Überbringen einer Todesnachricht; 2019 war das 90 Mal der Fall. «Wahrnehmen, was dann gerade wichtig ist, nach dem Bedürfnis fragen, nicht selbst wissen wollen, was gut täte: das ist der Schlüssel», sagt Christoph Beeler. Er leitet die Notfallseelsorge seit gut fünf Jahren, ein Team von derzeit 37 Mitarbeitenden. Beeler, einer der nur sechs Seelsorgenden darunter, leitet beruflich den Pastoralraum Oberseetal. Wichtig auch: «Man darf selbst zwar betroffen sein, sich aber nicht beteiligen lassen», sagt Brigitte Dubacher, pensionierte Polizistin und seit der Gründung im Team. Es brauche Distanz, um handlungsfähig zu bleiben.

Notfallseelsorgende und Care Givers helfen den Betroffenen, ihre Gefühle und Gedanken zu ordnen und zeigen ihnen auf, wo sie weitere Hilfe holen können. Längstens nach vier Stunden sind sie wieder weg. «Wir sind immer nur ein Provisorium und niemals Teil der Schicksalsgemeinschaft», betont Beeler. Er stellt aber zunehmend fest, dass Betroffene kaum ein soziales Netzwerk und niemanden haben, der sie in der Not auffangen könnte. Die Notfallseelsorge erhält auch Aufgebote, die keine eigentlichen Care-Einsätze sind und früher von den ortsansässigen Pfarrämtern übernommen wurden. Die kirchliche Verbundenheit schwindet.

Die Wirklichkeit hilft, zu verstehen

Die Notfallseelsorge füllt deshalb eine wichtige und grösser werdende Lücke. Care Giverin Nicole Blättler stellt das zum Beispiel fest, wenn es darum geht, sich von einer verstorbenen Person zu verabschieden. «Dies ist einerseits ein grosses Bedürfnis, anderseits fürchten sich manche Angehörige vor dem Anblick, wenn etwa jemand verunfallt ist.» Hier gehe es darum herauszuspüren, was zumutbar sei. «Das letzte Bild», wie Blättler sagt, sei wichtig für die Verarbeitung; die Wirklichkeit helfe zu verstehen. Als Pflegefachfrau und Bestatterin hat Blättler viel Erfahrung damit.

Glaube und Religion stünden in der Notfallseelsorge nicht im Vordergrund; «wir leisten notfallpsychologische, nicht spirituelle Hilfe», sagt Christoph Beeler. Die Kirche als Mitträgerin ist für ihn in dieser Aufgabe eine Organisation, die Hilfe leistet in der Gesellschaft, ohne Mission und Zwang. Seelsorgerin, Seelsorger sei im übrigen jeder, der sich der christlichen Botschaft einigermassen nahe fühle. Den barmherzigen Samariter aus der Bibel nennt er als Beispiel dafür.

Dominik Thali

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Kirchen und Staat in gemeinsamer Verantwortung


Die ökumenische Notfallseelsorge besteht seit 2002; 2012 schloss sie sich mit dem Care Team Zentralschweiz zur Organisation Notfallseelsorge/Care Team Luzern zusammen. Sie zählt rund 40 Mitarbeitende, wovon sechs kirchliche Mitarbeitende sind. Notfalleseelsorgende und Care Givers sind über ihre Arbeitgeber entschädigt, die Erwerbsausfall-Entschädigung (EO) erhalten. Geleitet wird die Organisation von Christoph Beeler, Pastoralraumleiter im Oberseetal, und Thomas Seitz (Luzern).
Die Organisation Notfallseelsorge/Careteam wird gemeinsam getragen von den drei Luzerner Landeskirchen und dem Kanton. Im Notfall wird sie vom Rettungsdienst 144, der Polizei oder Feuerwehr aufgeboten.

«Kirche kommt an» – zum Beispiel bei der Luzerner Gassenarbeit. Wie, fasst der Vierminüter zusammen, der erste von mehreren Kurzfilmen, den die Luzerner Landeskirchen in ihrem Jubiläumsjahr produzieren. Darin erzählen Menschen, persönlich und als Mitarbeitende von Einrichtungen, wie sie Kirche in ihrem Alltag erleben; das alte Ruderboot, mit dem die Landeskirchen 2020 unterwegs sind, kommt dabei wiederkehrend ins Bild.

Die Luzerner Filmemacherin Antonia Meile schreibt die Konzepte für die Filme, dreht auch selbst und schneidet. Die Musik stammt von Martin Waespe.

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Kirche bietet handfeste Hilfe. In Luzern unterstützt die kirchliche Gassenarbeit Menschen, die von Sucht und Armut betroffen sind, in allen Lebenlagen. Die Kirche, damals Gründerin des Trägervereins, setze hier ihre urchristliche Haltung in die Tat um, sagt Seelsorger Franz Zemp.

«Uns geht es um die Würde jedes einzelnen Menschen, um Gerechtigkeit und Selbstverantwortung», sagt Zemp. Das heisst zum Beispiel, ganz praktisch: In der Kontakt- und Anlaufstelle gibts Duschen und saubere Kleider. «Damit Frauen und Männer trotz Sucht und Armut einigermassen gepflegt, frisiert und gut angezogen unterwegs sein können», wie die Mitarbeiterin Angelika Wanner sagt. Oder das Paradiesgässli: Es kümmert sich um die Kinder von süchtigen oder armutsbetroffenen Eltern. Hier geht es um Verantwortung und Erziehungskompetenz, um Rechts- und Finanzfragen.

Der Barmherzige Samariter machte es vor

«Dabei entscheiden wir nicht über jemanden, sondern mit ihm», betont Franz Zemp. Der Theologe ist seit August 2015 Seelsorger «uf de Gass» und seither für die Menschen am Rand ein Boot-Schafter in vielerlei Hinsicht: er hört zu, hat Zeit, findet die Worte, wenn sie anderen fehlen. Sich einzusetzen für andere sei «eine urchristliche Aufgabe», sagt Zemp, und beruft sich dabei auf den barmherzigen Samariter aus der Bibel, der für den von Wegelagerern Ausgeraubten zu einer Herberge führt und den Wirt für Obdach und Pflege entlöhnt.

Die katholische Kirche Stadt Luzern hatte die Gassenarbeit 1985 gegründet; sie bildet bis heute mit der reformierten Stadtkirche und den drei Landeskirchen die ökumenische Trägerschaft des Vereins Kirchliche Gassenarbeit. Längst fliessen auch staatliche Gelder in die Gassenarbeit; Kirchen und Staat teilen sich die Aufgabe heute in gegenseitiger Verantwortung.

Viele Anlegestellen

Die kirchliche Gassenarbeit Luzern besteht aus fünf Betrieben: der Gassenküche, der Kontakt- und Anlaufstelle, dem Schalter 20, der aufsuchenden Sozialarbeit und der Seelsorge. Vergangenes Jahr nutzten rund 950 Klientinnen und Klienten diese Angebote (siehe Kasten).

Vertreterinnen und Vertreter der Betriebe erklären im ersten Kurzfilm, der im Jubiläumsjahr der Landeskirchen entsteht, was «Kirche kommt an» bei ihnen bedeutet. Im Verlauf des Jahres entstehen drei weitere solche Filme; Regie führt jeweils die Luzerner Filmemacherin Antonia Meile. Von weiteren Anlegestellen berichten die Kirchen in Text und Bild; alle Beiträge sind über die Website kirche-kommt-an.ch verfügbar. Unter anderem führt die Bootsfahrt im Februar zur Notfallseelsorge und am 15. März zum Wallfahrtsort Heiligkreuz.

Dominik Thali

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Praktische Hilfe im Alltag

«Wir wissen, dass es nie eine suchtfreie Gesellschaft geben wird. Die Suchtformen wie auch unser Zielklientel verändern sich indessen ständig. Uns ist es wichtig, zeitgemäss zu bleiben», sagt Franziska Reist, Geschäftsführerin des Vereins Kirchliche Gassenarbeit seit Oktober 2018. Darauf war der Verein schon immer bedacht. So führte er beispielsweise im Jahr 2000 ein damals ein in der ganzen Schweiz einzigartiges Angebot für suchtbetroffene Eltern und ihre Kinder ein – das Paradiesgässli. Dieses feiert nun im Februar 2020 sein 20-jähriges Bestehen. 

Im vergangenen Jahr (2019) nutzten insgesamt 949 Klientinnen und Klienten die Angebote des Vereins Kirchliche Gassenarbeit, durchschnittlich 80 Klientinnen und Klienten suchten täglich die GassenChuchi – Kontakt- und Anlaufstelle auf. 10‘447 Essen wurden ausgegeben, 387 Wunden behandelt. 338 Mal wurde geduscht und 572 wurden Kleider gewaschen. Die Beratungsangebote führten 90 Einkommensverwaltungen und 304 Sozialberatungen und das Paradiesgässli betreute 80 Familien mit deren 100 Kindern.

Und was hältst du von der Kirche? Wie kommt Kirche bei dir an? Im Kurzfilm, der zum Jubiläumsjahr der Luzerner Landeskirchen entsteht, lassen wir Menschen zu Wort kommen, die wir auf der Strasse getroffen haben. Erstmals zu sehen sein wird der Vierminüter anlässlich der Synoden der katholischen und reformierten Landeskirchen am 20. Mai.

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Das Ruderboot, mit dem die Luzerner Landeskirchen in ihrem Jubiläumsjahr unterwegs sind, wurde vor etwa 70 Jahren auf dem Zürichsee eingewassert. Dass es zuletzt einem reformierten Pfarrer gehört hatte – reiner Zufall. Aber passend.

Die Kirchen hatten das Boot vergangenen Sommer auf einer Auktionsplattform entdeckt und erwarben es von Bootsbauer Stefan Züst in Altnau am Bodensee. Züst hatte es vor einigen Jahren geschenkt erhalten und wartete auf einen Käufer, um es für diesen wieder seetüchtig zu machen. Für die Kirchen war das sichtbar angejahrte Schiffchen aber genau das Gesuchte: Einst von Meisterhand gefertigt, doch deutliche Altersspuren aufweisend. Unter anderem fehlte eine halbe Planke. «Wie ein Symbol für unsere Kirche, die immer wieder erneuert werden muss, die auch Makel und Risse hat», sagt die katholische Synodalratspräsidentin Renata Asal-Steger. Bischof Felix Gmür begab sich in seiner Weihnachtsbotschaft 2019 ebenfalls aufs Wasser: Es brauche Mut, immer wieder neu und voller Zuversicht die Segel des grossen Schiffes zu setzen, das wir Kirche nennen, schrieb er. «Aber es lohnt sich: Der Wind des Heiligen Geistes ist uns verheissen. Er bläst auch in die zusammengeflickten, zum Teil löchrigen Segel, das Schiff bewegt sich, wenn auch auf schlingerndem Kurs.»

Eine «ganz schöne Geschichte»

Isuf Bicaj und Abdi Besnik heissen die zwei Caritas-Transpörtler, die Mitte September für die Kirchen in die Ostschweiz fuhren, um die neue Errungenschaft der Kirchen abzuholen. Das knapp fünf Meter lange Ruderboot war einst in der Werft Kalchofner am oberen Zürichsee gebaut worden, wohl in den 40er- bis 50er-Jahren, schätzt Stefan Züst. Diese gibt es nicht mehr – wohl aber war der Schiffsausweis noch vorhanden, der auf den letzten Eigner hinwies: Martin Länger aus Thalwil. Und hier fängt die «ganz schöne Geschichte» an, wie dessen Frau Elisabeth im November am Telefon meinte, als wir uns endlich auf die Spurensuche machten. Nacherzählt werden kann diese zwar nicht, weil sich Längersche Mutmassungen nachträglich nicht verbürgen liessen. Martin Länger war zwei Wochen vor unserem Anruf mit gut 88 Jahren verstorben. Dass dieser jedoch reformierter Pfarrer in Kilchberg war und das Boot nun also gewissermassen wieder in einem kirchlichen Hafen ankert ist, ist allein schon der Erwähnung wert.

Die Fachleute von der Caritas

Zwischen Abholung und Spurensuche lagen einige Wochen, in denen das Kirchenboot in den Werkstätten der Caritas Luzern in Littau aufgefrischt wurde. Mit ebenso viel Sachkenntnis wie Liebe. Unter der Leitung von Schreiner Renato Stiz legten Nemanja Sladojevic, Haile Tesfamatiam und Mahamed Ali Nur Hand an: Sie putzten und schliffen, setzten das fehlende Plankenstück ein und versahen das Boot am Bug und Heck mit dem Jubiläumslogo.

Mit Stiz – auch das eine schöne Geschichte – leitete genau der richtige Mann die Arbeiten: Wer sonst hätte, zum Beispiel, gewusst, dass eine Schiffsplanke nicht einfach genagelt oder verschraubt werden darf, sondern mit kupfernen Nägeln befestigt werden muss, die auf der Gegenseite vernietet werden müssen? «Wenn schon, machen wir es stilecht», sagt Stiz, der – jetzt kommts – früher aktiver Segler war und den Holzbau als seine Leidenschaft bezeichnet. Man siehts dem Ergebnis an. Der «sicher aussergewöhnliche Auftrag» (Stiz) hat offensichtlich Freude gemacht. Und bereitet solche umgekehrt den Kirchen, wenn sie nun mit ihrem Boot auf Jubiläums-Kreuzfahrt gehen.

Dominik Thali

Wo das Kirchenschiffchen überall anlegt, ist offen. Interessierte können sich hier melden.

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«Kirchen haben uns Arbeit geschenkt»

Kirche kommt an – bei der Caritas schon lange. Die katholische Landeskirche war 1982 Gründerin der Caritas Luzern; seither ist sie mit «ihrem» Hilfswerk eng verbunden und unterstützt es jährlich mit 290’000 Franken. Damit ermöglicht die Caritas zum Beispiel jungen Menschen eine Ausbildung. Oder fördert die Freiwilligenarbeit.

Klar, dass die Kirchen die Caritas auch in ihrem Jubiläumsjahr ins Boot holen – wörtlich. Mitarbeiter holten dieses im September am Bodensee ab und überholten es anschliessend in der Caritas-Werkstätten in Littau (Text nebenstehend). «Die Arbeitsintegrationsprogramme der Caritas Luzern leben davon, Aufträge zu bekommen. Das haben die Landeskirche gemacht. Sie haben uns Arbeit geschenkt», freut sich Geschäftsleiter Thomas Thali. Aber nicht nur das, «sondern auch Freude», sagt Thali. Die beteiligten Menschen hätten sich über das fertige Boot gefreut, und sie freuten sich wieder, wenn sie es durchs Jahr hindurch wieder sähen. Solche guten Erfahrungen gebe es viele im Alltag der Caritas Luzern, «und damit wird Kirche spürbar», stellt Thali fest. Die Caritas Luzern verstehe sich in ihrer Arbeit als Teil der Diakonie der Kirche.