Drei Männer aus Afghanistan, Eritrea und dem Kongo und machen derzeit eine Berufsattest-Ausbildung als Unterhaltspraktiker. Arbeitgeber ist die Kirchgemeinde Stadt Luzern.

«Seit einem Jahr bin ich glücklich und zufrieden. Die Arbeit macht Spass, es ist nie langweilig: Garten, Reinigung, Reparaturen, das gefällt mir.» Fitsum Teklebrhan (27) sprudelt, wenn er erzählt. Der gross gewachsene Eritreer ist einer von drei Flüchtlingen, die derzeit in den Luzerner Pfarreien St. Johannes, Leodegar und im Maihof-St. Josef ein Eidgenössisches Berufsattest als Unterhaltspraktiker machen. «Ich montiere Schränke, repariere Türen, lüfte», erzählt Amos Molenga (17), der vor sieben Jahren mit seinem Vater aus dem Kongo in die Schweiz kam. «Ich arbeite gern mit den Händen.» Nur Schnee schaufeln mag er nicht so, «das ist kalt», sagt er schmunzelnd.

«Deutsch ist schwer»

Wie seine beiden Kollegen ist auch Yaser Ahmadi (27) aus Afghanistan sehr froh, die Ausbildung machen zu können. «Ich mache am liebsten alles», sagt er lachend. Seit 2016 ist er in der Schweiz, musste aber lange auf die Aufenthaltsbewilligung warten. «Ohne Bewilligung kein Deutsch-Kurs», erläutert er. Er komme gut mit in der Schule, aber Deutsch sei schwer. Das bestätigt auch Fitsum Teklebrhan, der seit vier Jahren hier ist. «In der Schweiz zu leben ist hart. Doch wenn man den Weg findet, dann geht es.» Für alle drei ist die zweijährige Attestausbildung ein erster Schritt auf diesem Weg. Amos Molenga kann schon im Herbst die Lehre zum Fachmann Betriebsunterhalt EFZ anhängen. Sein Traum ist es, dereinst Ingenieur zu werden.

Als Muslim in der katholischen Kirche tätig

Auch Yaser Ahmadi will die EFZ-Berufslehre anschliessen. Er hofft, danach eine Stelle im Maihof zu bekommen, wo es ihm sehr gut gefällt. Dass er als Muslim in einer katholischen Kirche arbeitet, ist für ihn kein Problem. «Die Leute sind sehr offen und nett», schwärmt er. Fitsum Teklebrhan möchte sich als Sakristan ausbilden lassen. «Es tut mir gut, in der Kirche zu arbeiten», sagt der Katholik. Bei der Arbeit sei er im Gespräch mit Gott. Er hofft, nach der Lehre eine Stelle in einer Pfarrei zu finden.

Die Lernenden zirkulieren in mehreren Pfarreien, um alle Tätigkeitsfelder kennen zu lernen. Für die Gartenarbeit sind sie zudem zwei Tage pro Monat im Kapuzinerkloster Wesemlin, wo sie von Bruder Paul Mathis, Kapuziner und Gärtner, angeleitet werden.

Aufenthaltsbewilligung dank Lehrvertrag

In der Pfarrei St. Johannes im Würzenbach bildet Sakristan Franz Gantner seit 2006 Lernende aus.  An ihn gelangte Claudia Schmid, Leiterin Fachbereich Personal der Kirchgemeinde Stadt Luzern, als Nicola Neider, Leiterin Migration-Integration der Katholischen Kirche Stadt Luzern, eine Lehrstelle für den Sans Papier Molenga suchte. Aufgrund «hervorragender Rückmeldungen» erhielten Molenga und sein Vater inzwischen eine Aufenthaltsbewilligung.

Auf Antrag der Pfarreien St. Leodegar und Maihof-St. Josef schuf der Kirchenrat zwei weitere Attest-Lehrstellen für ihnen bekannte Flüchtlinge. Ahmadi hatte im Maihof ein Praktikum gemacht, Teklebrhan gehört zur eritreischen Gemeinde, die im «Leodegar» Gottesdienst feiert. Peter Lustenberger, Leiter Infrastruktur St. Leodegar, und Artemas Koch, Zentrumsleiter im Maihof, sind ihre Ausbildner.

Unterstützung durch Pfarreien

Solche Personen mit fachlichem Hintergrund und Offenheit brauche es für die Ausbildung von Lernenden, sagt Schmid. Für den Schulbesuch wäre ein Deutsch Niveau B1 optimal. Bei Lernenden mit Migrationshintergrund würden die Pfarreien individuell Unterstützung bieten. «Die Kirchgemeinde ist offen, weiterhin Lernende auszubilden.  Die Erfahrungen sind für alle Beteiligten sehr positiv», so Schmid.

Sylvia Stam

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Modell für andere Pfarreien

Um eine Lehrstelle als Unterhaltspraktiker/in EBA anzubieten, braucht es in einer Pfarrei Personen mit Offenheit für Jugendliche und dem nötigen fachlichen Hintergrund, «eine Ausbildung in Gebäudetechnik oder als Hauswart», sagt Claudia Schmid, Leiterin Fachbereich Personal der katholischen Kirchgemeinde Stadt Luzern. «Für den Schulbesuch sollte ein Deutsch Niveau B1 erreicht werden. Bei Lernenden mit Migrationshintergrund sei es hilfreich, wenn die Pfarrei individuell Unterstützung anbietet. Kleineren Pfarreien empfiehlt sie, sich mit anderen zusammentun, um alle Tätigkeiten abzudecken.

Die St. Anna-Schwestern in Luzern haben seit Ende Juli erstmals eine Leiterin, die keine der Ihren ist: Simone Rüd. Sie betreten damit Neuland – einmal mehr. Und wollen so anderen Gemeinschaften Mut machen.

Am Vortag des St.-Anna-Festes, am 25. Juli, übernahm Simone Rüd (58) die Leitungsaufgabe von Sr. Rosa Scherer (77), die fast 30 Jahre lang Führungsaufgaben in der Gemeinschaft innehatte. Rüd ist damit die erste Leiterin der Schwestern, die nicht dem Orden angehört. Die Theologin und Palliative-Care-Fachfrau hat viele Jahre Erfahrung als Spitalseelsorgerin. Anfang Jahr wechselte sie ins «St. Anna», jetzt ist sie neu auch die erste Ansprechperson für die noch gut 60 Schwestern (siehe Kasten). Für Alltägliches, wenn zum Beispiel jemand im Spital liegt. Oder sie organisiert gemeinschaftliche Anlässe. Was möglich sei, müsse das Zusammenleben erst zeigen, sagt Simone Rüd. Sie ist vor allem auch Vertrauensperson, hat Zeit und ein offenes Ohr: «Damit das Zusammenleben immer wieder neu gelingt», sagt sie. Dies sei auch in einer Schwesterngemeinschaft stets zu üben, nicht anders als in einer Familie.

«Bi de Lüüt» sein

Ob sie nicht selbst in die Gemeinschaft eintreten wolle, wurde Simone Rüd seit ihrem Stellenwechsel bisweilen gefragt. Sie lacht – und winkt ab: Das Thema Frauengemeinschaften begleite sie zwar seit dem Studium, «aber nur von aussen». Die neue Aufgabe, die Generaloberin Sr. Heidi Kälin (66) erst mit einem handschriftlichen Brief an sie trug, passt ihr, weil sich darin Seelsorge und Betreuung eng verzahnen. «Und ich so immer nahe bi de Lüüt sein kann», wie Rüd sagt. Sie hat ein 100-Prozent-Pensum, ist an Werktagen täglich vor Ort und teilt das Mittagessen mit den Schwestern. Am Wochenende organisieren sich die Schwestern ohne die neue «Oberin», denn Simone Rüd lebt nicht «im St. Anna». Um Verwaltungsbelange, zum Beispiel Versicherungen oder die Krankenkasse, muss sie sich nicht kümmern, das tut die St. Anna Stiftung (siehe Kasten).

Für die St. Anna-Schwestern brauchte die Anstellung von Simone Rüd «einigen Mut», wie Sr. Heidi einräumt. Für sie und ihre Mitschwestern ist der Entscheid aber richtig, zumal er daran anknüpft, was die Gemeinschaft seit über 20 Jahren gut kann: planen und neugestalten. «Dazu hat uns der Heilige Geist immer wieder bewegt», sagt die Generaloberin. Sie wurde vor 14 Jahren als damals Jüngste an die Spitze der St. Anna-Schwestern gewählt. Heute zählt Sr. Heidi mit 66 Jahren zu den noch vier Frauen der Gemeinschaft, die jünger als 70 sind.

Ein Zukunftsmodell

Als die Schwestern Anfang 2019 in einer Zukunftswerkstatt auf das Jahr 2030 blickten, waren sie sich bewusst, dass es darum geht, mit Blick auf die Wirklichkeit und doch Vertrauen Entscheide zu treffen. Auch wenn viele von ihnen manche Veränderung nicht mehr erleben würden. Trotzdem spricht Sr. Heidi von einem Zukunftsmodell, das nun umgesetzt werde und das anderen Gemeinschaften Mut machen könne. Sie ist sich gewiss: «Es gibt immer einen Weg.» Vor über 20 Jahren gründeten die St. Anna-Schwestern in diesem Vertrauen eine Stiftung, um ihre sozialen Werke zu sichern und dieser mehr und mehr die Sorge um die alternde Gemeinschaft anzuvertrauen. 2009 begann das «St. Anna», Schwestern anderer Orden in seine Häuser aufzunehmen. Später war die Gemeinschaft die treibende Kraft für das benediktinische Zentrum, das 2019 im Kloster Sarnen eröffnet wurde und in dem auch die Schwestern vom Melchtal und von Wikon ein neues Zuhause fanden.

Sr. Samuelle Käppeli, mit 56 Jahren die Jüngste der St. Anna-Schwestern und Mitglied des Generalrats, sagt, es gehöre zum Wesen und Auftrag der Gemeinschaft, «die Zeichen der Zeit» zu erkennen. «Wir können heute also weniger durch unser Tun wirken», sagt sie, «immer noch aber durch unser Dasein und unsere Anteilnahme am Leben der Welt um uns.» Simone Rüd nickt. Dies sei spürbar im Haus. Sie weist auf das Alterszentrum St. Anna hin, das in gut einem Jahr eröffnet werden wird und wo neben den Schwestern andere Menschen ihren Lebensabend verbringen werden, die sich von der spirituellen Ausrichtung des Hauses angesprochen fühlen. Das Zentrum entsteht unterhalb der Hirslanden-Klinik St. Anna, dem Gründungsort der Gemeinschaft. Wer in Luzern vom «St. Anna» spricht, meint seit jeher das Spital auf der Sonnseite der Stadt. Dieses liegt den Schwestern nach wie vor am Herzen, war es doch über Jahrzehnte das Mutterhaus der Gemeinschaft. Vor 15 Jahren veräusserte sie die Klinik an die Hirslanden-Gruppe.

Generaloberin Sr. Heidi ist es wichtig, dass die Schwestern auch in ihren alten Tagen ein erfülltes Leben führen können. Das absehbare Ende der Gemeinschaft in der Schweiz nimmt sie gelassen. «Im Lauf der Geschichte sind schliesslich schon viele Orden verschwunden.» Die Gemeinschaft der St. Anna-Schwestern lebe und wirke in Indien und Ostafrika weiter.

Das aus deren Häusern in Luzern nun ein Alterszentrum entsteht, freut Sr. Heidi zusätzlich. «Es lohnt sich, in die Zukunft zu investieren, auch wenn das Werk uns Schwestern überleben wird.» Der Geist von St.  Anna werde über diese spürbar bleiben.

Dominik Thali

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Noch vier Schwestern sind jünger als 70 Jahre

1909 | Die Gemeinschaft wird von Wilhelm Meyer, Regens am Priesterseminar Luzern, gegründet. Unter dem Namen «St. Anna-Verein» entsteht eine Organisation für die Pflege von Müttern und Kindern.
1918 | Das neu erbaute Sanatorium St. Anna (heute Hirslandenklinik St. Anna) wird eröffnet.
1927 | Die ersten Schwestern reisen nach Indien in die Missionen. 1990 dehnen sie ihr Werk nach Ostafrika aus. Heute arbeiten rund 900 Schwestern in 60 Niederlassungen, seit 2000 unabhängig von der Schweiz.
1998 | Die Gemeinschaft wird kleiner und beschliesst, keine neuen Mitglieder mehr aufzunehmen. Die Stiftung St. Anna wird gegründet, um die sozialen Werke der Schwestern für die Zukunft zu sichern und mehr und mehr für die Bedürfnisse der Schwestern zu sorgen.
2005 | Das «St. Anna» in Luzern wird als letzte der vier eigenen Kliniken (neben Zürich, Lugano und Fribourg) verkauft.
Heute | In den 50er Jahren zählte die Gemeinschaft in Luzern rund 400 Schwestern; heute sind es 62, das Durchschnittsalter beträgt 80 Jahre, nur vier Schwestern sind jünger als 70.
Ende 2021 | Das Alterszentrum St. Anna wird eröffnet. Es wird mit den bestehenden Schwesternhäusern insgesamt rund 130 Wohn- und Pflegeplätze bieten – für die Schwestern selbst und weitere Interessierte.

Stiftung verwaltet die sozialen Werke

Die St. Anna-Schwestern bewiesen schon 1998 Weitsicht. Sie gründeten damals eine Stiftung, die sich seither um die Bedürfnisse der der Schwestern kümmert und deren soziale Werke für die Zukunft sichert. Heute sind dies noch eine Kindertagesstätte, ein Alterszentrum, die Herberge «Haus Hagar» für Frauen in Not sowie die Hilfswerke in Indien und Afrika. Die Stiftung sichere die Lebensgrundlagen der Schwesterngemeinschaft, sagt Generaloberin Sr. Heidi Kälin. Als Arbeitgeberin zählt sie rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 

Menschen, die in einer schwierigen Lebenslage stecken, brauchen keine Ratschläge. Aber ein Gegenüber, das sie stärkt, damit sie selbst aus der Krise finden. Das Team der «elbe – Fachstelle für Lebensfragen» in Luzern tut dies im Auftrag der Kantone. Die Kirchen helfen, dass sich alle diese Hilfe leisten können.

Die «elbe» kann keine Probleme verschwinden lassen. Probleme sind für das Team aber auch gar keine Messgrösse. Stellenleiterin Hildegard Pfäffli, Psychotherapeutin und Heilpä­dagogin, spricht dann von Erfolg, «wenn es jemand schafft, mit seiner Herausforderung einen stimmigen Umgang zu finden». Auch wenn bloss klar werde, welches der nächste Schritt sei, fügt Lea Ming an, Sozialarbeiterin und Sexualberaterin. «Denn es geht immer nur um diesen.»

Steigende Nachfrage

Wie weiter? Mit dieser Frage gelangen etwa Paare an die «elbe», die gewahr werden, wie wenig sie noch verbindet, seit die Kinder flügge sind. Sucht eine schwangere Frau Unterstützung, die sich von ihrem Partner getrennt hat und nicht weiss, wie sie mit ihrem Kind über die Runden kommen soll. Oder breitet ein Mann sein Leben aus, der seine eigenen Bedürfnisse so lange zurückgenommen hatte, bis er in die Gewalt abrutschte.
«Krisen sind auch ein Fenster zur Veränderung», sagt Pfäffli. Sie stellt fest, dass immer mehr Menschen, Paare und Einzelpersonen, nach einem konstruktiven Umgang mit ihren Schwierigkeiten suchen. Das schlägt sich in der Nachfrage nieder, die in der Ehe- und Lebensberatung ebenso steigt wie in der Schwangerschaftsberatung. Die «elbe» ist in Luzern, Ob- und Nidwalden die offizielle Stelle für beide Bereiche (siehe Kasten).
Die Schwangerschaftsberatung ist kostenlos. Weil die Kirchen die «elbe» mittragen und finanziell unterstützen, können auch alle zur Einzel- und Paarberatung kommen. Die Tarife richten sich nach dem Einkommen. «Das ist einmalig und wäre ohne Kirchenhilfe nicht möglich», sagt Pfäffli.

«Spüren, was das Leben fordert»

Die kirchlichen Beiträge helfen zudem mit, dass die «elbe» ihre Angebote entwickeln und ausbauen kann. Seit einem Jahr gehört zum Beispiel Mediation zu den Dienstleistungen. Oder: Der Elternkurs «Kinder im Blick» ist neu kein Projekt mehr, sondern wird zweimal jährlich durchgeführt. Beide Angebote helfen Müttern und Vätern, die sich trennen, eigenverantwortlich Lösungen zu entwickeln, die sie danach gemeinsam tragen. Die Idee: Gestärkt aus der Krise kommen.

Platzhalter-Tierfiguren für die Beratung: Blick auf eines der «elbe»-Büchergestelle. | © 2020 Roberto Conciatori

Die «elbe» zählt fünf angestellte und gegen 20 freie Mitarbeitende. Viele von ihnen sind auch unterwegs. Zum Beispiel bieten sie schon lange für Schulen und Eltern Module in der Gesundheitsförderung und Sexualpädagogik an, neu «Sexualität und digitale Medien». Eine Zusammenarbeit gibt es auch im Bereich Migration, wo sie etwa Sans-Papiers zugute kommt. Über die Fachstelle Fabia schliesslich, ein anderes Beispiel, gelangt die «elbe» an Frauen aus anderen Kulturen, für die es neu das Angebot «Mama, du bist uns wichtig» gibt. Das Ziel: Frauen stärken.

«Spüren, was das Leben fordert», darum gehe es immer wieder, sagt Hildegard Pfäffli. Sie leitet die «elbe» seit fünf Jahren. Mit Begeisterung: «Wenn Menschen mit unserer Unterstützung mutig neue Wege gehen, ist das eine sehr schöne Arbeit.»

Dominik Thali

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Beratungsstelle im Auftrag der Kirchen und Kantone

Die Kantone müssen Ehe-, Familien- und Schwangerschaftsberatungsstellen führen. Luzern, Ob- und Nidwalden kommen dieser gesetzlichen Pflicht über die «elbe – Fachstelle für Lebensfragen» in Luzern nach. Die Landeskirchen hatten den Trägerverein der «elbe» 1973 mitgegründet und finanzieren bis heute rund einen Viertel des Aufwands. Der katholische Luzerner Synodalrat Hans Burri präsidiert den Verein.

 

Kannst du nicht ins Lager, kommt das Lager eben zu dir. Die Behindertenseelsorge bereitet deshalb ihren Gästen, welche diese Woche wegen der Corona-Krise nicht in Delsberg weilen können, jeden Tag eine Überraschung. Um gleichwohl «etwas Farbe und Abwechslung» in den Alltag zu bringen, wie die Verantwortlichen schreiben.

«Ich habe mich so auf diese Woche gefreut», sagt Rachèle Ryf. «Und war so enttäuscht, als die Absage kam.» Sie versteht den Grund – und mag sich aber nicht lange damit abgeben. Das Lachen lässt sich die 35-Jährige aus Sursee ohnehin nicht nehmen – es macht ihr Wesen aus. Sie strahlte also, als ihr vergangene Woche die Post ein dickes Couvert brachte, in dem acht weitere Couverts steckten: eines für jeden Tag, den sie zurzeit mit fast dreissig Kolleginnen und Kollegen in Delsberg verbringen würde. Ein sommerlicher Adventskalender sozusagen mit Allerlei zum Erzählen, Rätseln oder Ausmalen. Und einer selbstgemachten Aufklapp-Blume, die gestern Sonntag erblühte. Eines der Couverts enthält zudem ein Gebet: «Das soll uns alle miteinander verbinden, auch wenn wir uns nicht sehen», heisst es dazu im Begleitbrief.

Die Überraschung solle «etwas Farbe und Abwechslung in diese Woche bringen», schreiben Bruno Hübscher, Heidi Bühlmann, Marlis Rinert und Ursula Stiner. Die vier hätten die Delsberg-Woche gemeinsam geleitet. Bruno Hübscher ist der Behindertenseelsorger der katholischen Landeskirche, Heidi Bühlmann seine Mitarbeiterin; Marlis Rinert gehört ebenfalls zum Kernteam. Ursula Stiner trägt jeweils im Lager Mitverantwortung. Die Überraschungscouverts sind im Team von Heidi Bühlmann, Marlis Rinert und Ursula Stiner entstanden.

«Öppe chli tanze»

Rachèle Ryf ist mit zwei Schwestern aufgewachsen und lebt bei ihren Eltern in Sursee. In der Stiftung Brändi, nur ein paar Steinwürfe von ihrem Wohnort entfernt, hat sie ihren Arbeitsplatz im Restaurant Cayenne, wo sie Gäste bedient, abräumt und in der Küche gefragt ist. Vor drei Jahren wagte sich Ryf, die sich nicht so leicht auf Neues einlässt, das erste Mal nach Delsberg in die «Ferien- und Besinnungswoche für Menschen mit einer geistigen Behinderung». Davon sei sie «so begeistert» heimgekommen, dass die Woche seither ins Jahresprogramm gehöre, erzählt ihre Mutter Edith Ryf. Weshalb? Tochter Rachèle lacht – und zählt auf: «Kolleginnen und Kollegen treffen, die man nur einmal im Jahr sieht, etwas erleben, basteln, singen, Theater spielen, Ausflüge machen…» Und, ach ja, fast gings vergessen: «Öppe chli tanze mache ich auch gern.» Die Tage in Deslberg sind dicht.

Über Gott und das Leben reden

Die Behindertenseelsorge wird von der katholischen Landeskirche getragen, ist aber offen für alle Menschen. Als eines von vielen Angeboten (siehe Kasten) lädt sie jedes Jahr zu Ferienwochen in Delsberg ein; im Mai Menschen mit einer körperlichen Behinderung, im Juli solche mit einer geistigen. Rachèle Ryf fährt seit einigen Jahren mit, weil sie Marlis Rinert dazu ermunterte. Die beiden wohnen nicht weit voneinander entfernt und treffen sich ab und zu auf dem Arbeitsweg. Rinert, heilpädagogische Katechetin, setzt sich seit vielen Jahren freiwillig für die Behindertenseelsorge ein und gestaltet jeweils das Programm in Delsberg. Sie kennt Rachèle schon lange, war an der Heilpädagogischen Schule Sursee ihre Religionslehrerin und begleitete sie zur Erstkommunion und Firmung. Inzwischen nimmt Rachèle Ryf im Herbst jeweils an den Bibelkursen von Marlis Rinert teil. Geschichten aus der Bibel, das Leben von Jesus, die Kirche – das sind Themen, die Rachèle Ryf interessieren. «Ich rede gerne über Gott und das Leben», sagt sie. Rinert freut sich über den allemal guten Besuch. Sie staune immer wieder, berichtet sie welche Fragen die Menschen mit einer Behinderung stellten, «wie schnell wir jeweils in ihrem Alltag sind. Da gibts bei uns im Brändi auch, heisst es dann jeweilen.»

Die Überraschungscouverts gingen an alle, welche diese Woche nicht ins Lager nach Delsberg konnten. Die Auffalt-Blume steckte im Couvert von gestern Sonntag. | © 2020 Dominik Thali
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Die Behindertenseelsorge

Die Seelsorge für Menschen mit einer Behinderung ist ein Angebot der katholischen Kirche im Kanton Luzern, das seit 1974 besteht. Sie ist offen auch für Menschen anderer Konfessionen und Religionen. Zum engeren Team gehören Seelsorger Bruno Hübscher  als Leiter und Heidi Bühlmann, die das Sekretariat der Behindertenseelsorge führt, verantwortlich ist, die Besinnungs- und Ferienwochen in Delsberg mitorganisiert und das Freizeitprojekt «Mein Weg» leitet. Pater Christian Lorenz kümmert sich um Menschen mit Hörbehinderung, Yvonne Rihm leitet den Beratungsdienst für Religionsunterricht an Sonderschulen und Marlis Rinert  ist Projektverantwortliche Andachten, Kurse, Besinnungstage sowie Begegnungsgottesdienste.

Die zwei Ferienwochen in Delsberg sind zwei von vielen Angeboten der Behindertenseelsorge. Besuche und Gespräche in den Einrichtungen für Menschen mit einer Behinderung gehören zu Alltag, Gottesdienste dort und gemeinsam mit Pfarreien, Sakraments- und Abschiedsfeiern,  Wallfahrten und andere Ausflüge sind weitere Angebote. Die Behindertenseelsorge unterstützt auch Eltern und Angehörige sowie Mitarbeitende in den Einrichtungen.

Was hat mich durch die Coronazeit getragen? Am Philosophieabend der Behindertenseelsorge war das eine der Fragen. Und kam Gutes vom Grill auf den Tisch.

Am Donnerstag, 25. Juni, kamen sechs Frauen und Männer zum Philosophieabend für Menschen mit einer körperlichen Behinderung zusammen. Seit dem Corona-Lockdown war dies das erste Angebot der Behindertenseelsorge der katholischen Landeskirche, das wieder besucht werden konnte. Es war gleichzeitig die Gelegenheit, die neue Rollstuhlrampe einzuweihen, die auf den Balkon des Hauses am Abendweg 1 in Luzern führt.

Die Teilnehmenden erzählten sich gegenseitig, was sie in der Coronazeit getragen hatte und welche Geschichten, Weisheiten oder philosophischen Gedanken ihnen in dieser Zeit hilfreich waren. Dazu sang die Runde einige Lieder und genoss Köstlichkeiten vom Feuergrill, der auf dem Balkon angezündet wurde.

Für alle war zu vorgerückter Stunde klar, dass dies nicht der letzte «Philosophieabend mit Bräteln» war, den sie genossen hatten. Das Beisammensein und Austauschen über wichtige Lebensfragen tut Menschen mit und ohne Behinderung gut und wird in dieser oder ähnlicher Form sicher nächstens wiederholt.

Die neue Rollstuhlrampe auf den Balkon hält: Brigitte Kunz testet sie mit Erfolg. | © 2020 Bruno Hübscher
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Menschen, die sich begleitet das Leben nehmen wollen, können weder Sakramente noch seelsorgliche Begleitung erwarten. Die Bischöfe wägen in ihrer «Orientierungshilfe» zwar ab. Doch im (katholischen) Pfarreialltag ist ihr Schreiben nicht mehr als Papier.

Für die Bischöfe ist klar: Der «vorsätzlich assistierte Suizid» sei eine Sünde und «moralisch unentschuldbare Tat Tat», die dem Evangelium und den Sakramenten des Lebens widerspreche. In ihrer «Orientierungshilfe» (siehe Kasten) sprechen sie aber auch vom «überlegten Abwägen» jedes Einzelfalls. Es sei ein Ausdruck von Gottes Barmherzigkeit, einer suizidwilligen Person und deren Familie beizustehen sowie «ein Zeichen für einen Gott des Lebens». Die Bischöfe verstehen ihr 36-seitiges Papier als Hilfe zur «richtigen seelsorglichen Begleitung» von Menschen, die mithilfe einer Sterbehilfeorganisation aus dem Leben scheiden wollten und sich zugleich an die Kirche wenden mit der Bitte um Begleitung und den Empfang der Sakramente.

«Nicht ich entscheide»

Solche Bitten häuften sich tatsächlich, stellt etwa Claudio Tomassini fest, Leiter des Pastoralraums Sursee. Und angegangen werde er eigentlich erst, wenn die Situation akut sei. Tomassini ist dann, wie den Bischöfen, das Gespräch wichtig. Während diese aber die Seelsorgenden auffordern, sie sollten «bis zuletzt versuchen», eine Person «von ihrem Vorhaben abzubringen», betont Tomassini, es sei nicht seine Aufgabe, zu entscheiden. Er wolle vielmehr sein Gegenüber dazu bringen, selbst auf seine Frage eine Antwort geben zu können. Für Tomassini ist dabei das eigene Gewissen «die letzte Instanz» und «ein wunderbares Geschenk». Er hat erfahren, dass Menschen  gerade in Notsituationen froh sind, jemanden zu haben, der ihnen im Gespräch dieses Gewissen schärft. «Zu sagen, dieses oder jenes sei eine Sünde, nützt dagegen niemandem etwas.»

An die Angehörigen denken

Das Gespräch ist auch Theres Küng wichtig, Leiterin des Pastoralraums Michelsamt. «Es geht nicht darum, ein eigenes Urteil zu fällen.» Küng berichtet von einer Person, die sich begleitet das Leben nehmen wollte und die sie auf die Möglichkeiten der Palliative Care hinwies. «Diese Person starb dann in einem Hospiz. Das war ein guter Entscheid, besonders für ihre Angehörigen.» In einem anderen Fall baten die Angehörigen einer suizidwilligen Person um seelsorgliche Begleitung. Küng war mit ihnen in Kontakt, auch am Tag des assistierten Suizids. Sie hält diese Zuwendung für ebenso wichtig. «Das kann am Ende auch der suizidwilligen Person helfen.»

Zu Widerspruch geführt hat die «Orientierungshilfe» der Bischöfe vorab dort, wo diese den Seelsorgenden erklären, wie sie Menschen begleiten sollen, die unmittelbar vor einem begleiteten Suizid stehen. Die Sakramente – Kommunion und Krankensalbung – könnten nur dann gespendet werden, heisst es in dem Papier, wenn die Möglichkeit bestehe, «die Person dahingehend zu begleiten, dass sie von der getroffenen Entscheidung Abstand nehmen kann». Und wenn der Akt des Suizid beginne, müssten die Seelsorgenden das Zimmer verlassen. Die Sakramente seien «stets Sakramente des Lebens» und könnten nicht als Vorbereitung für den Suizid gespendet werden, begründen die Bischöfe. Und: Das Zimmer zu verlassen, bedeute nicht, die Person zu verlassen. Die Kirche setze einen Sünder nicht mit seiner objektiven Sünde gleich. Die Bischöfe wollen weiter verhindern, dass die «Gegenwart im Auftrag der Kirche als eine moralische Unterstützung des assistierten Suizids aufgefasst werden könnte».

«In Absprache mit Gott»

In den sozialen Medien stiess diese Haltung auch auf Unverständnis: «Wenn überhaupt ein/e Seelsorger/in gerufen wird, geht es doch darum, zu begleiten bis zum Tod. Das Leben ist ein Geschenk, kein Zwang», kommentierte etwa Simone Curau-Aepli, Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds, auf Facebook. Der Medienpädagoge und frühere Thurgauer Synodale Thomas Merz befand, es habe « mit christlicher Nächstenliebe nichts zu tun», einen Menschen in der wohl schwierigsten Situation seines Lebens zu verlassen.

Wo seine Seelsorge bei einem assistierten Suizid «ihre Grenzen fände», weiss Roland Häfliger, Pfarrer des Pastoralraums Baldeggersee, nicht – er hat noch keinen solchen Fall erlebt. «Ich würde mich von dem leiten lassen, was in der konkreten Situation richtig ist. Und das auch tun, intuitiv und in Absprache mit meinem Chef, Gott», sagt Häfliger. Am Papier der Bischöfe könne  er «sich orientieren».

Urs Corradini, Leiter des Pastoralraums Mittleres Entlebuch, räumt ein, dass er «ein Problem» damit hätte, einen Menschen zu begleiten, der sich für den Tod mit einer Sterbehilfeorganisation entschieden habe. «Es liegt mir fern, jemanden zu verurteilen, der keinen anderen Ausweg mehr sieht. Hingegen ist es klar, dass es die Aufgabe der Seelsorge sein muss, Menschen zum Leben zu ermutigen.» Corradini nimmt die Gesellschaft als widersprüchlich wahr: Einerseits setze man sich für die Suizidvorbeugung ein, anderseits werde kranken und alten Menschen der Zugang zu Sterbehilfeorganisationen erleichtert.

«Versöhnt Abschied nehmen»

Hier hakt Simone Rüd ein, Seelsorgerin im Alterszentrum St. Anna Luzern mit langjähriger Erfahrung als Spitalseelsorgerin. Sie plädiert für Vertrauen in die Palliative Care. «Nur ganz selten» habe sie erlebt, dass starke Schmerzen nicht behandelt werden konnten, sagt Rüd. «Die grosse Mehrheit der Patientinnen und Patienten konnte dank sorgfältig eingesetzter Schmerztherapie und oft tiefen Gesprächen mit Fachpersonen und Angehörigen versöhnt und persönlich Abschied nehmen von dieser Welt.»

Eine Erfahrung, die viele Seelsorgende teilen. Vielen geht es aber auch wie Claudio Tomassini, der beim Thema assistierter Suizid «eine unglaubliche Verantwortung als Seelsorger und Mensch» spürt, die ihn «eigentlich» überfordere. Tomassini: «Ich komme selten so an meine Grenzen.»

Dominik Thali

«Da bleiben bei Sterbenden und Familien»

Medizin und Pflege sowie psychologische, soziale und spirituelle Unterstützung sollen ein Leben und Sterben in Würde ermöglichen: Dafür setzen sich die Kirchen im Kanton Luzern ein. Gregor Gander leitet deren Fachstelle Palliative-Care-Seelsorge, die seit 2017 besteht. Damit nähmen die Kirchen ihren Auftrag wahr, «Menschen in schwierigen Momenten verlässlich zu begleiten, da zu bleiben, bei den Sterbenden, den Familien und Freunden», sagt Gander.
Das schliesst für ihn nicht aus, auch Menschen zu begleiten, die freiwillig aus dem Leben scheiden. Die Kirche solle nicht Entscheide einzelner Menschen beurteilen, sondern an einer solidarisch-sorgenden Gesellschaft mitgestalten. «Verbunden-Sein und Autonomie bilden aber keine Gegensätze. Leben ist miteinander leben, Sterben miteinander leben bis zum Ende», zitiert Gander den deutschen Theologen, Philosophen und Soziologen Andreas Heller von der Universität Graz.

Bild: Gregor Gander
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Die bischöfliche «Orientierungshilfe»

Wie sollen Seelsorgerinnen und Seelsorger Menschen begleiten, die mithilfe einer Sterbehilfeorganisation aus dem Leben scheiden wollen? Die Bischofskonferenz hat dazu im Dezember eine «Orientierungshilfe» herausgegeben, «Seelsorge und assistierter Suizid».
In Teil 1 machen die Bischöfe eine sozialethische Auslegeordnung zum aus ihrer Sicht «gesellschaftlich aktzeptierten assistierten Suizid». Niemand, nicht einmal eine Person für sich selbst, dürfe über den Wert eines Lebens urteilen, um ihm ein Ende zu bereiten.
Teil 2 geht auf die seelsorgliche Begleitung ein. Christinnen und Christen müssten sich zwar auch zu jenen Menschen begeben, die sich am Rand des Lebens befänden. Im Moment des Suizids hätten Seelsorgende aber die Pflicht, das Zimmer zu verlassen.
Teil 3 schildert Fälle, in denen sich Seelsorgende befinden können und stellt «Hilfen» dazu vor.

Reformierte Seelsorge reicht «bis zum Sterben»

Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz hat, anders als auf katholischer Seite die Bischofskonferenz, zum Thema Seelsorge bei assistiertem Suizid noch nicht Stellung bezogen. Allerdings hat das Positionspapier «Solidarität bis zum Ende» des Synodalrats der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn vom Juni 2018 die Diskussion dazu angekurbelt. Es habe Widerspruch dazu gegeben, stellt der reformierte Luzerner Synodalrat Florian Fischer fest, das Papier sei aber aber von vielen anderen Landeskirchen «sehr wohlwollend aufgenommen» worden.

«Solidarität bis zum Ende» hält zwar fest, assistierter Suizid könne «aus biblisch-theologischer Sicht keine Option» und «immer nur Grenzfall, nie der Normalfall» sein. Es gebe allerdings auch keinen Zwang, Leben zu müssen. Das Papier zitiert dazu den Theologen Dietrich Bonhoeffer: «Wer nicht mehr leben kann, dem hilft auch der Befehl, dass er leben soll, nicht weiter.» Es müsse akzeptiert werden, dass es Situationen gebe, in denen für Menschen die Güte des Lebens im Dunklen liegt. Die Frage des Mitgehens bis zum Schluss ist aus Sicht der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn klar. «Auch im Zusammenhang mit begleiteter Selbsttötung stellt seelsorgliche Solidarität keine Bedingungen», heisst es in dem Papier. Und: Die kirchliche Seelsorge reiche auch im Fall eines assistierten Suizids «bis zum Sterben. Pfarrerinnen und Pfarrer sollen Menschen, die sie begleiten, auch im schwierigsten Moment, dem Akt der Selbsttötung, Beistand leisten, wenn diese es wünschen.» Dazu könne aber niemand verpflichtet werden; in jedem Fall gelte «besonders an dieser Stelle» das Recht auf den freien Gewissensentscheid».

Die Wölfli der Pfadi St. Johannes in Luzern haben den Wettbewerb «Faires Lager» 2019 gewonnen, weil sie auf originelle Weise die Nachhaltigkeit thematisiert haben. Dazu beigetragen hat auch die Kirche. Sie unterstützt das Projekt mit.

«Macht euch schlau zu eurem Wasserverbrauch. Entwickelt ein Spiel zum Thema Wasser, das ein Grundverständnis für unseren Wasserverbrauch vermittelt.» Das war die Ausgangslage, mit der die Wölfli, die «Kleinen» bei den Pfadis, ins Rennen stiegen. «Die Jury war beeindruckt, dass wir die Aufgabe mit den Wölflis, also mit Erst- bis Viertklässlerinnen und -klässlern anpackten», sagt Laura Brügger, Abteilungsleiterin bei der Pfadi St. Johannes. Hinter dem Wettbewerb «Faires Lager» steckt eine Trägerschaft, in der neben der Pfadibewegung Schweiz, Jungwacht Blauring Schweiz, Fastenopfer, «young Caritas» auch die Katholische Kirche der Stadt Luzern unterstützend mitwirkt.

Der Kampf ums Wasser

Samland, Poringen und Gingenreich: So hiessen die drei Länder im letztjährigen Sommerlager in Stein im Appenzell. Jedes Land musste ein Menu zusammenstellen. «Die Kinder wussten, dass es beispielsweise für die Herstellung von 200 Gramm Rindfleisch rund 3000 Liter Wasser benötigt», sagt die 24-jährige Medizinstudentin. Das zum Kochen benötigte Wasser mussten sie auf spielerische Weise ergattern. Jedes Land hatte unterschiedliche Wassermengen zur Verfügung. «Bald merkten die Kinder, wie unfair das unter den Ländern aufgeteilt ist.» Schliesslich setzten sich alle zusammen und beschlossen, die Wasserressourcen fair untereinander aufzuteilen. «Weil das Wasser begrenzt war, haben sie dann zum Beispiel das Fleisch vom Menu gestrichen und durch Rüebli ersetzt, oder kauften die regionalen Früchte statt die importierten, damit es für alle reichte.»

Am Schluss zeichneten die Kinder ihre Menus auf grosse Plakate. Die Umsetzung überzeugte die Organisatoren des Wettbewerbs so sehr, dass die Pfadi St. Johannes zur Siegerin gekürt wurde. Laura Brügger und das gesamte Leitungsteam hatten überhaupt nicht damit gerechnet. «Wir hatten am Abend der Preisverleihung einen Elternabend. Als sie dann darauf bestanden, dass wir unbedingt zur Verleihung kommen müssten, wurde uns erst klar, dass wir ja vielleicht einen Preis gewinnen.» Die Freude war umso grösser. «Es ist ein mega cooler Preis», findet Laura Brügger – ein Zelt für zehn Personen, dazu noch eines von bester Qualität. «Ein Preis, den wir sehr gut gebrauchen können.»

«Wir wollen Vorbild sein»

Auch dieses Jahr nimmt die Pfadi St. Johannes am Wettbewerb teil. «Wir werden wieder mit den Wölfli antreten», sagt Laura Brügger. «Wir sind mitten in der Planung. Dieses Mal werden die kreativsten Transporte für das Sommerlager gesucht.» Die Pfadileiterin betont, dass das Thema Nachhaltigkeit auch ohne Wettbewerb grossgeschrieben wird. Die Pfadi sei schon immer eine Bewegung gewesen, die sehr naturverbunden sei. «Deshalb gehen wir sorgsam mit Ressourcen um. Wir versuchen auch, für die Kinder ein Vorbild zu sein, indem wir etwa Abfall konsequent einsammeln oder nicht einfach Äste abreissen.»

Auch beim Essen schauen die Leiterinnen und Leiter darauf, dass der Gedanke der Nachhaltigkeit mit einfliesst. «Wir machen uns in der Vorbereitung jeweils viele Überlegungen dazu», sagt Laura Brügger. So werden wenn möglich die Milch und die Eier vom benachbarten Bauern bezogen. «Wir planen auch vegetarische Menus mit viel lokalem Gemüse.» Die Schwierigkeit sei jeweils, dass die Lager für die Kinder günstig sein müssen und sich das mit umweltfreundlicher Menuplanung nicht immer ganz vereinbaren liesse. Auch deshalb lohnt sich die Teilnahme am Wettbewerb: «Dadurch bekommen wir pro Nacht und Kind zwei Franken zusätzlich.» Zudem sei der Beitrag von «J+S Jugend und Sport», dem Sportförderungsprogramm des Bundes, verdoppelt worden. «Das können wir unter anderem für nachhaltigere Lager investieren, was uns sehr freut.»

Robert Bossart

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Kirchen investieren in Kinder- und Jugendarbeit

Jungwacht Blauring Luzern ist der grösste Jugendverband des Kantons, die Pfadi Luzern einer der grössten der 22 Kantonalverbände. Beide werden durch die katholische und reformierte Landeskirche unterstützt. Mit diesem Geld können die Verbände zum Beispiel Leiterinnen und Leiter ausbilden und – im Fall der Jubla – eine Arbeitsstelle führen, die für die 80 Scharen eine professionelle Anlaufstelle ist. Oder: Dank der kirchlichen Unterstützung kann der Mitgliederbeitrag tief gehalten werden. So können Kinder und Jugendliche aus allen Schichten mitmachen.

Jubla und Pfadi sind zwei von vielen Einrichtungen, die Menschen darin unterstützen, ihr Leben zu gestalten. Den Kirchen ist dies wichtig. Die reformierte Kantonalkirche und deren Kirchgemeinden haben im Jahr 2018 rund 180’000 Franken für Kinder- und Jugendarbeit ausgegeben – allein für Lager, Projekte oder Pensen in der Kinder- bzw. Jugendarbeit. Bei der (grösseren) katholischen Kantonalkirche waren es im gleichen Jahr erneut rund 100’000 Franken an Jungwacht Blauring und Pfadi. Die Beiträge der Kirchgemeinden an die jeweiligen Scharen und Abteilungen sind noch nicht mitgerechnet.

 

Was bedeutet Kirche den Menschen im Kanton Luzern? In einem Film, der zum 50-Jahre-Jubiläum der Landeskirchen entstanden ist, sagen sie es gleich selbst.

«Für mich ist die Kirche so eine Art Dorfgemeinschaft», meint ein Mann zu Beginn. Sie finde es «mega toll», wie sich in der Kirche Leute ehrenamtlich engagierten, sagt später eine Frau. Und ein Bub erzählt begeistert vom Spielen in der Jubla.

«Kirche kommt an»: Unter diesem Motto feiern die katholische und reformierte Kirche im Kanton Luzern 2020 das 50-jährige Bestehen ihrer Anerkennung durch den Staat, zusammen mit der schon älteren christkatholischen Kirche. «Wir hören zu», versichern sie im Abspann des vierminütigen Animationsfilms. Dafür begab sich das Produktionsteam mit dem Mikrofon auf Strassen und Plätze von Luzerner Gemeinden und fragten Passantinnen und Passanten, was ihnen die Kirche bedeute. Deren Stimmen und die originalen Hintergrundgeräusche bilden den Tonteppich des Films, der ohne weitere Erklärungen auskommt. Auf diese Weise entsteht ein vielschichtiges Bild von Kirche, in dem auch kritische Aussagen Platz haben. So sagt eine Frau an einer Stelle, die Pfarreifeste jüngst hätten ihr zwar gutgetan. «Aber sonst finde ich Kirche ein bisschen langweilig.»

Auch mit einem Augenzwinkern

Was Kirche Menschen bedeutet: Dies will der Animationsfilm der Kirchen im Kanton Luzern aufzeigen – auch mit einem Augenzwinkern. Am Mittwoch dieser Woche (20. Mai 2020) hätte der Streifen an den Synodesessionen der katholischen und reformierten Kirche Premiere gefeiert. Das Corona-Virus hat diesen Plan durchkreuzt, auch die gemeinsame Feier der beiden Parlamente im Anschluss ans Geschäftliche. Stattdessen machen die Kirchen mit einer Postkartenaktion auf den Film aufmerksam. Die Premiere findet gleichentags statt – punkt 10 Uhr auf Facebook und Youtube. Auf dem letzteren Kanal ist er frei verfügbar.

Medienmitteilung vom Montag, 18. Mai 2020

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Seit 20 Jahren bietet Caritas Luzern Ausbildungsplätze für Jugendliche mit schulischen Defiziten an. Heute profitieren jährlich über 20 Lernende von dieser Möglichkeit. Die katholische Kirche hilft mit, dass sie den Sprung ins Berufsleben schaffen.

Für Jugendliche mit schulischen Defiziten, aus sozial schwierigen Verhältnissen oder mit Migrationshintergrund war es schon immer schwierig, nach der obligatorischen Schulzeit einen regulären Ausbildungsplatz zu finden. Diesem Umstand begegnete Caritas Luzern vor 20 Jahren, indem sie die ersten vier Anlehrplätze für solche Jugendliche schuf. Heute blickt David Jund, Leiter Bildung bei der Caritas, mit Stolz auf das Erreichte zurück: «Mit den massgeschneiderten Ausbildungen führten wir über 80 Jugendliche in kleinen Schritten zu einem anerkannten Berufsabschluss, der ihnen die Türen zu einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn öffnete», sagt er in einem Beitrag des Caritas-Magazins «Nachbarn» 1/2020.

Die katholische Kirche freut sich mit der Caritas über den Erfolg. Mit ihren Beiträgen an das von ihr 1982 gegründete Hilfswerk (siehe Kasten) macht sie ihn mit möglich.

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Die Kirchen und ihre Hilfswerke

Die Caritas Luzern ist eine christlich orientierte Non-Profit-Organisation, die fachkompetent soziale Not wahrnimmt und lindert. Sie engagiert sich gegen Armut und fördert soziale und berufliche Integration. Dieser erste Satz aus dem Leitbild der Caritas steht für das Hilfswerk, das mit der katholischen Kirche im Kanton bis heute eng verbunden ist – es wurde von ihr 1982 gegründet. Die Caritas Luzern führt und entwickelt Angebote und Projekte für Armutsbetroffene, Erwerbslose, Migranten und Migrantinnen, sie übernimmt im Rahmen ihrer Zweckbestimmung soziale Dienste und andere Aufgaben im öffentlichen Auftrag und sensibilisiert die Öffentlichkeit für Notlagen und engagiert sich für Gerechtigkeit und menschenwürdige Lebensverhältnisse (aus dem Leitbild).

Auch auf reformierter Seite gibt es ein kirchlich ausgerichtetes Hilfswerk, das HEKS, das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz. Es ist, anders als die Caritas, nicht regional organisiert, jedoch wie die «grosse» Caritas Schweiz im eigenen Land und im Ausland tätig.

Das kirchliche Leben findet aufgrund der ausserordentlichen Lage auf neuen Wegen statt. An Karfreitag und Ostern übertragen die katholische, reformierte und christkatholische Kirche im Kanton Luzern deshalb gemeinsam ökumenische Fernsehgottesdienste. Diese sind jeweils um 10 Uhr auf Tele 1 zu sehen.

Der Ostergottesdienst wird aus der Luzerner Jesuitenkirche ausgestrahlt. Er wird von folgenden Personen gehalten:

  • P. Hans-Ruedi Kleiber, Leitender Priester des Pastoralraums Luzern (kath.)
  • Hans Weber, reformierter Pfarrer in Sempach
  • Sylvie von Arx Schmid, Lektorin in der christkatholischen Kirchgemeinde
https://vimeo.com/406292695

Der Spot:

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