Was bedeutet Kirche den Menschen im Kanton Luzern? In einem Film, der zum 50-Jahre-Jubiläum der Landeskirchen entstanden ist, sagen sie es gleich selbst.

«Für mich ist die Kirche so eine Art Dorfgemeinschaft», meint ein Mann zu Beginn. Sie finde es «mega toll», wie sich in der Kirche Leute ehrenamtlich engagierten, sagt später eine Frau. Und ein Bub erzählt begeistert vom Spielen in der Jubla.

«Kirche kommt an»: Unter diesem Motto feiern die katholische und reformierte Kirche im Kanton Luzern 2020 das 50-jährige Bestehen ihrer Anerkennung durch den Staat, zusammen mit der schon älteren christkatholischen Kirche. «Wir hören zu», versichern sie im Abspann des vierminütigen Animationsfilms. Dafür begab sich das Produktionsteam mit dem Mikrofon auf Strassen und Plätze von Luzerner Gemeinden und fragten Passantinnen und Passanten, was ihnen die Kirche bedeute. Deren Stimmen und die originalen Hintergrundgeräusche bilden den Tonteppich des Films, der ohne weitere Erklärungen auskommt. Auf diese Weise entsteht ein vielschichtiges Bild von Kirche, in dem auch kritische Aussagen Platz haben. So sagt eine Frau an einer Stelle, die Pfarreifeste jüngst hätten ihr zwar gutgetan. «Aber sonst finde ich Kirche ein bisschen langweilig.»

Auch mit einem Augenzwinkern

Was Kirche Menschen bedeutet: Dies will der Animationsfilm der Kirchen im Kanton Luzern aufzeigen – auch mit einem Augenzwinkern. Am Mittwoch dieser Woche (20. Mai 2020) hätte der Streifen an den Synodesessionen der katholischen und reformierten Kirche Premiere gefeiert. Das Corona-Virus hat diesen Plan durchkreuzt, auch die gemeinsame Feier der beiden Parlamente im Anschluss ans Geschäftliche. Stattdessen machen die Kirchen mit einer Postkartenaktion auf den Film aufmerksam. Die Premiere findet gleichentags statt – punkt 10 Uhr auf Facebook und Youtube. Auf dem letzteren Kanal ist er frei verfügbar.

Medienmitteilung vom Montag, 18. Mai 2020

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Das kirchliche Leben findet aufgrund der ausserordentlichen Lage auf neuen Wegen statt. An Karfreitag und Ostern übertragen die katholische, reformierte und christkatholische Kirche im Kanton Luzern deshalb gemeinsam ökumenische Fernsehgottesdienste. Diese sind jeweils um 10 Uhr auf Tele 1 zu sehen.

Der Ostergottesdienst wird aus der Luzerner Jesuitenkirche ausgestrahlt. Er wird von folgenden Personen gehalten:

  • P. Hans-Ruedi Kleiber, Leitender Priester des Pastoralraums Luzern (kath.)
  • Hans Weber, reformierter Pfarrer in Sempach
  • Sylvie von Arx Schmid, Lektorin in der christkatholischen Kirchgemeinde
https://vimeo.com/406292695

Der Spot:

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Das kirchliche Leben findet aufgrund der ausserordentlichen Lage auf neuen Wegen statt. An Karfreitag und Ostern übertragen die katholische, reformierte und christkatholische Kirche im Kanton Luzern deshalb gemeinsam ökumenische Fernsehgottesdienste. Diese sind jeweils um 10 Uhr auf Tele 1 zu sehen.

Die Feier am Karfreitag wurde aus der reformierten Kirche Weinbergli in Luzern ausgestrahlt und von folgenden Personen gehalten:

  • Markus Müller, Gemeindeleiter der Pfarrei Nebikon und Synodalrat der römisch-katholischen Landeskirche
  • Verena Sollberger, Pfarrerin der reformierten Kirche Stadt Luzern
  • Adrian Suter, Pfarrer der Christkatholischen Kirchgemeinde Luzern

Der Spot:

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Von Normalität kann gerade nicht die Rede sein. Vielleicht rückt sie aber durch die aktuelle Corona-Krise wieder in ganz andere Relationen. Solidarität ist wieder sichtbar, erlebbar. Sie ist notwendig: Wir sind aufeinander angewiesen. Apocalypse not now. Die Welt dreht sich weiter. Ostern findet statt. Alles ist anders. Ein Blick auf die Kirche in ausserordentlichen Zeiten.

Bei kirchlichen und seelsorgerischen Angeboten ist nun Umdenken gefragt. Social Distancing fordert heraus, was bisher selbstverständlich war. «Kirche findet anders statt», so Ulf Becker, Synodalrat der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Luzern. «Und auch die Seelsorge findet anders statt. Viele Menschen verlassen ihre Wohnungen nur für das Allernötigste und die sozialen Kontakte sind auf ein Minimum reduziert. Viele können gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt arbeiten. Das kann zu Vereinsamung, Spannungen, zu psychischem und finanziellem Druck führen. Auch die Sorge um die eigene Gesundheit und Angst vor der Zukunft belasten. Hier leisten die Kirchgemeinden wichtige Unterstützung mit der Möglichkeit eines vertraulichen Gespräches», meint Becker, der selbst Pfarrer in Reiden ist. «Auch Gottesdienste im Fernsehen oder im Internet spenden Lichtblicke und Trost. Sie können Halt geben, auch wenn wir uns nicht im selben Raum versammeln können. Das ist besonders in Krisenzeiten wichtig.»

Jetzt gehe es darum, andere Formen von Begegnung zu schaffen, «um Freude zu bereiten und Mut zu machen», sagt Andreas Wissmiller, Pfarreileiter in Willisau. Pfarreiseelsorgerin Christine Demel tut dies zum Beispiel mit Briefen an Betagte und Telefonanrufen zu ihnen. Er erlebe die Pfarrei-Mitarbeitenden hoch motiviert, aus der Lage das Beste herauszuholen, sagt Wissmiller. «Es braucht einfach Phantasie, Kreativität und viel Kommunikation.»

Von den positiven Beispielen einer «Seelsorge der anderen Art», wie sie nun überall im Kanton Luzern Form annehmen, darf man sich inspirieren lassen. Und vor allem: Die Kreativität hilft. Jetzt und direkt. Ob es der Mahlzeitendienst in Horw ist, der in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt wurde, Leute vom Einkaufen entlastet und gleichzeitig das lokale Gewerbe unterstützt oder die simple Mutmachseite auf der Webseite des Pastoralraums Hürntal, die vielen Jugendlichen aus Pfadi und JuBla, die sich gerade in der Nachbarschaftshilfe engagieren – all diese Angebote leben vom gleichen Gedanken: Jetzt erst recht!

Ökumenische Fernsehgottesdienste an Ostern auf Tele 1

Die ausserordentliche Lage zum Schutz vor dem Coronavirus erstreckt sich über Ostern vom 12. April 2020 hinaus. «Am Karfreitag gedenken wir Christen an das Leiden und Sterben Jesu Christi am Kreuz. Der Ostersonntag ist mit der Auferstehung der bedeutendste Festtag im christlichen Feiertagskalender. Mit der Auferstehung an Ostern setzt Gott ein starkes Zeichen, dass Leid und Tod nicht das letzte Wort behalten. Ostern eröffnet Hoffnung auf neues Leben», erklärt Ulf Becker.

Kirche kommt an. Dazu gehört auch, dass möglichst viele einen Zugang zu einem Gottesdienst erhalten, und dies auch ergänzend zum Internet. Aus diesem Grund strahlen die drei Landeskirchen im Kanton Luzern sowie das Bischofsvikariat St. Viktor des Bistums Basel an Karfreitag und am Ostersonntag je einen gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst im Fernsehen aus. Zu sehen am 10. und 12. April jeweils um 10 Uhr auf Tele 1.

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Licht der Verbundenheit

Die evangelisch-reformierte und die römisch-katholische Kirche in der Schweiz setzen in Zeiten der Corona-Krise zusammen ein Zeichen der Verbundenheit, Gemeinschaft und Hoffnung. Bis Gründonnerstag werden im ganzen Land jeweils am Donnerstagabend um 20 Uhr die Kerzen auf den Fenstersimsen entzündet. Die Menschen sind zum gemeinsamen Gebet eingeladen.

Coronavirus: Seelsorge geht weiter (SRF Tagesschau vom 18.03.2020, 19.30 Uhr)

Die zwei grossen Luzerner Landeskirchen feiern 2020 das 50-jährige Bestehen gemeinsam. Die katholische und die reformierte Synodalratspräsidentin, Renata Asal-Steger und Ursula Stämmer-Horst, über die verbindende«Boot-Schaft» der beiden Kirchen.

Die katholische und reformierte Kirche des Kantons Luzern feiern 2020 ihr 50-jähriges Bestehen als Landeskirche. Was ist an dieser Errungenschaft heute noch wichtig?

Ursula Stämmer-Horst: Wir feiern die Anerkennung der katholischen und evangelischen Kirche als Landeskirchen. Die christkatholische Kirche wurde schon viel früher anerkannt, als sie im Kanton Luzern Fuss fasste, feiert aber auch mit uns. Diese Errungenschaft ist bedeutsam, da es in Luzern lediglich drei Kirchen gibt, die als Landeskirchen anerkannt sind. Die Anerkennung bringt unter anderem mit sich, dass wir Steuern einziehen dürfen und unsere Verfassung vom Kanton anerkannt wird.

Renata Asal-Steger: Für die katholische Landeskirche gibt es noch einen weiteren Punkt hervorzuheben. Wir haben eine duale Struktur und damit zwei Führungslinien, die pastorale und die staatskirchenrechtliche.  Die Anerkennung als Landeskirche bedeutet für uns, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen, also auch wir als «Laien», auf der behördlichen Seite, in diese Verantwortung eingebunden sind.  

Was möchten Sie mit dem Bild «gemeinsam in einem Boot» zum Ausdruck bringen?

Renata Asal-Steger: Das Boot ist ein urchristliches Symbol, das sich im Alten und Neuen Testament wiederfindet. Wir haben uns für ein Ruderboot entschieden, weil es nicht nur Schutz bietet und ein Verkehrsmittel ist, sondern auch die eigenen Kräfte eingesetzt werden müssen, um vorwärts zu kommen. Man kann sich zudem die Frage stellen, wohin die Reise geht und ob unterwegs Stürme auftreten könnten. Zudem nutzen wir ein gebrauchtes Boot, das wir restauriert haben.  Auch das ist ein Symbol für unsere Kirche, die immer wieder erneuert werden muss, die auch Makel und Risse hat.

Ursula Stämmer-Horst: Wir suchten lange nach einem Symbol, das bei allen Beteiligten ankommt. Es gab verschiedene Ideen, über die wir uneins waren. Wir einigten uns auf den gemeinsamen Slogan «Kirche kommt an». Dieser Slogan brachte uns zu einem Boot, das als Logo wunderbar dazu passt. Im Laufe des nächsten Jahres verwenden wir ein richtiges Ruderboot, das an vielen Veranstaltungen eingesetzt wird, begleitet von «Boot-Schafterinnen», «Boot-Schaftern» und deren Geschichten. 

Welche Feierlichkeiten sind geplant, mit welchem Ziel?

Ursula Stämmer-Horst: Wir möchten zum einen Menschen über unsere Mitglieder hinaus erreichen. Zum anderen ist es ein Prozess der Annäherung und eine Auseinandersetzung unserer zwei Kirchen. Wir haben den gleichen Auftrag, die Nachfolge Jesus Christi. Es geht um die Einheit der Christen. Nur wenn wir näher zusammenrücken, geht dieser Prozess weiter.

Renata Asal-Steger: Im Frühling veranstalten wir die Synode am selben Tag, es gibt ein gemeinsames Mitarbeiterfest, wir beteiligen uns erstmals an der «Langen Nacht der Kirchen» und zwar gleich mit mehr als 100 Pfarreien, Kirchgemeinden und Organisationen. Am Buss- und Bettag im September laden wir gemeinsam mit dem Kanton zu einer öffentlichen Feier in Willisau ein.

Wir könnten viele Projekte nicht umsetzen, wenn wir nicht mit der katholischen Kirche zusammenarbeiten würden.

Ursula Stämmer-Horst, reformierte Synodalratspräsidentin

Versuchen Sie die Gemeinsamkeiten oder die Gegensätze zwischen den zwei Landeskirchen hervorzuheben?

Renata Asal-Steger: Es ist wichtig, dass wir die Kräfte bündeln. Wir arbeiten nicht gegeneinander, sondern miteinander. Wir haben die gleiche Botschaft, das Evangelium. Ein Gegeneinander würde dieser Botschaft widersprechen. Wir haben gemeinsame Kommissionen, regelmässige Kontakttreffen, sind gemeinsam Trägerinnen von Institutionen. Und auch vor Ort funktioniert die ökumenische Zusammenarbeit sehr gut. Nur mit vereinten Kräften kann man etwas bewirken. 

Ursula Stämmer-Horst: Wir sind eine Familie. Auch wenn wir Reformierten finanziell und personell nicht so gut aufgestellt sind, wie die Katholiken. Wir könnten viele Projekte nicht umsetzen, wenn wir nicht mit der katholischen Kirche zusammenarbeiten würden, wie im Falle der Gassenküche, bei der Notfall- oder Hochschulseelsorge, oder dem Hospiz in Littau. Die Zusammenarbeit mit den Katholiken gibt uns die Chance, dass wir Wirkung erzielen können.

Es heisst, die Ökumene im Kanton Luzern sei einzigartig in der Schweiz. Ist sie das?

Ursula Stämmer-Horst: Im Kanton Luzern gibt es eine lange Tradition der Ökumene. Sie funktioniert bis weit ins Entlebuch hinein. Sie ist akzeptiert und erwünscht von allen.

Renata Asal-Steger: Ich glaube man kann durchaus sagen, dass wir im Kanton Luzern ökumenisch beispielhaft unterwegs sind.

Was sind Ihre frühen, ganz persönlichen Erlebnisse mit «den anderen»?

Renata Asal-Steger: Ich bin sehr ländlich in einem katholischen Dorf aufgewachsen. Dort gab fast es nur Katholikinnen und Katholiken. Eine einzige Schulkollegin war reformiert. Das Miteinander von Reformierten und Katholiken erlebte und erlebe ich immer als sehr respektvoll. 

Ursula Stämmer-Horst: Ich bin in einem ökumenisch geprägten Haus aufgewachsen. Als wir Kinder waren, haben wir uns gegenseitig angestachelt. Wir haben uns spasseshalber Übernamen nachgerufen, wir Protestanten waren die Brotwürst. Wir wollten immer beichten gehen, wurden in der Kirche und nicht wie die anderen im Schulhaus unterrichtet.

Ich vernehme wieder, die Kirchen sollen ihre Stimme erheben bei sozialpolitischen und ökologischen Themen. Ich meine auch, hier sollten wir mutiger sein. 

Renata Asal-Steger, katholische Synodalratspräsidentin

Ist die Erwartungshaltung gegenüber der kirchlichen Arbeit gestiegen?

Ursula Stämmer-Horst: Nicht nur die Erwartungshaltung der Gläubigen ist gestiegen, vielmehr auch jene des Staates. In der Asylarbeit etwa, die der Kanton Luzern übernommen hat, muss sich die Kirche vermehrt abgrenzen. Wir wollen helfen, können aber aus finanziellen und Ressourcen Gründen nur subsidiär tätig werden.

Renata Asal-Steger: Von den Kirchen wird heute vor allem glaubwürdiges Handeln erwartet. Sie sollen da sein für die Menschen,  die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Und sie sollen sich für die Bewahrung der Schöpfung engagieren. Auch vernehme ich immer wieder, die Kirchen sollen ihre Stimme erheben bei sozialpolitischen und ökologischen Themen. Ich meine auch, hier sollten wir mutiger sein.   

Wie stehen Sie zur Stellung der Frau in der katholischen Kirche?

Renata Asal-Steger: Die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen in der katholischen Kirche schmerzt mich. Es ist stossend, dass die katholische Kirche sich nach aussen für die gleiche Würde von Frau und Mann einsetzt, diese aber nach innen nicht verwirklicht. Gleichzeitig spüre ich, dass die katholische Kirche meine religiöse Heimat ist. Deshalb setze mich in unserer Kirche beherzt und beharrlich ein, dass sich in der Frauenfrage etwas verändert. Ich weiss, dass mit diesem Anliegen bereits viele andere, auch zahlreiche Männer, schon länger unterwegs sind. Und ich weiss auch und kann verstehen, dass viele resigniert haben und müde geworden sind. 

Ursula Stämmer-Horst: Ich bin sehr froh, in eine protestantische Familie geboren worden zu sein. Und verstehen Sie das bitte nicht falsch. Ich ärgere mich einfach darüber, dass es so viele engagierte Frauen bei den Katholiken gibt, deren Potential nicht genutzt wird. Gleichzeitig muss man relativieren. Es hat auch bei uns Protestanten sehr lange gedauert, bis erstmals eine Frau als Pfarrerin anerkannt wurde.

Wie sieht die Zukunft der Landeskirchen aus?

Ursula Stämmer-Horst: Wir werden weniger Mitglieder zählen, kleiner sein und daher mehr zusammenarbeiten müssen. Die Zukunft der Kirche liegt für mich klar in der Seelsorge. Die Kirche muss Möglichkeiten bieten für Begegnungen. Der Dialog mit den Menschen ist wichtig. Ich werde häufig von Menschen auf meine Tätigkeit in der Kirche angesprochen und ich nehme diese Chance immer gerne wahr.

Renata Asal-Steger: Eine Herausforderung heute ist die geringere Verbundenheit der Menschen mit der Kirche. Die Kirche muss hörbar, spürbar, sichtbar werden. Sie muss an den Brennpunkten des Lebens präsent sein, sich mit dem auseinandersetzen, was die Menschen beschäftigt. Wir müssen raus gehen, die Menschen müssen uns spüren. Die Kirchen sind heute nach wie vor wichtig, gerade auch für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt.

Interview: Carmen Schirm

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Hauptanlass «Lange Nacht der Kirchen»


«Kirche kommt an» heisst das Motto, unter dem die katholische und reformierte Landeskirche im Kanton Luzern 2020 gemeinsam das 50-jährige Bestehen feiern. Bild dafür ist ein Boot, das in Kirchgemeinden und Pfarreien sowie in sozialen Einrichtungen anlegt, die von den Kirchen mitgetragen werden. Dort erzählen Menschen, was ihnen die Kirche bedeutet, wie diese bei ihnen ankommt. Ihre Geschichten erzählen sie auf www.kirchen-kanton-luzern.ch, in den kirchlichen und weiteren Medien.
Hauptanlass für die Bevölkerung im Jubiläumsjahr ist die Lange Nacht der Kirchen am 5. Juni. Der Kanton Luzern nimmt erstmals daran teil – und gleich mit über 100 Mitmachenden. Am Bettag, am 20. September, laden die Kirchen gemeinsam mit dem Kanton nach Willisau zu einer gemeinsamen Feier ein.

Weitere Termine

  • 20. Mai: Premiere des Kurzfilms «Kirche kommt an» an den jeweiligen Synoden, im Anschluss gemeinsame Feier der beiden Kirchen­parlamente
  • 28. August: gemeinsames Fest der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

So verbindet Kirche Menschen: Am Fest der Nationen in Nebikon erfüllte ein vielfarbiges Stimmengewirr den Kirchplatz, begleitet von Essensdüften aus aller Welt. Das Dorf begab sich am Sonntag (18. August 2019) zum zweiten Mal «Mit dem Gaumen auf Kulturreise».

«Wir haben verschiedene Religionen, und trotzdem seid ihr heute alle hier», begrüsst Pfarreileiter Markus Müller die Kirchenbesucherinnen und -besucher. Es ist Sonntagmorgen, 10 Uhr – wie gewöhnlich. Doch heute ist alles etwas anders, bunter und lauter: Nebikerinnen und Nebiker mit albanischer, russischer oder schweizerischer Abstammung treffen sich zur interreligiösen Wortfeier. Klein und Gross, Jung und Alt – sie alle haben in den hölzernen Kirchbänken Platz gefunden. Tragen ihre Wünsche und Hoffnungen in sieben verschiedenen Sprachen vor Gott. Lachen, singen, klatschen und basteln. Die Kinder kleben mit Hilfe einiger Jublaleiterinnen selbstgemalte Stoffstücke zu einem grossen Tuch zusammen, das nun den Altar schmückt. Ein kunstvolles Ganzes aus vielen kleinen Teilen, symbolisch für den Anlass selbst: «Es ist genauso vielfarbig und bunt wie unsere Gemeinschaft», meint Markus Müller.

Bananenbällchen und Pfannkuchen aus Russland

Die Feierlichkeiten werden anschliessend nach draussen verschoben, auf den Kirchplatz unter der Linde. Dort spendet der grosse Baum willkommenen Schatten, während zehn Essensstände mit verführerischen Düften locken. «Mit dem Gaumen auf Kulturreise» heisst das grosse Fest der Nationen. Da gibt es Frühlingsrollen, frittierte Bananenbällchen und Chügelipastetli zu probieren. Dem siebenjährigen Andrin haben es die russischen Pfannkuchen besonders angetan: Bereits zum dritten Mal wartet er mit seinem Vater auf Nachschlag. «Als Familie schätzen wir das Engagement für solche Feste sehr», meint Lukas Koller.

«So macht Kirche Freude»

Worte wie diese freuen OK-Mitglied und Pfarreirätin Ursula Grob. Vor zwei Jahren rief der Pfarreirat das Fest der Nationen ins Leben. «Wir wollten die Kirche raus- und die Leute in die Kirche bringen», erklärt Ursula Grob. Die Mission scheint geglückt: «So macht Kirche Freude», bekam das Organisationsteam häufig zu hören. Heute ist «Mit dem Gaumen auf Kulturreise» ein gemeinschaftliches Projekt mit dem Elternrat, der Kontaktnetzgruppe und der Jubla Nebikon. Ein wahrer Genuss, findet Ursula Grob: «Unglaublich viele Menschen helfen motiviert mit.»

Eine dieser Helferinnen ist Maria Dias. Vor 29 Jahren kam sie von Portugal in die Schweiz – ohne Deutschkenntnisse oder Ansprechpersonen. Doch Maria Dias besuchte einen Deutschkurs, suchte den Kontakt. Mittlerweile ist sie Mitglied des Pfarreirats und gestaltet den Nebiker Kirchenalltag aktiv mit. «Das Zusammensein und der Austausch im Rat tun mir gut. Hier fühle ich mich zuhause.» Ihr altes Zuhause teilt Maria Dias am Fest der Nationen mit anderen; mithilfe von guten Worten, viel Lachen und köstlichen Kokosküchlein.

«Die Kirche macht sehr viel fürs Dorf»

Während die älteren Generationen noch beim Dessert sitzen, vergnügen sich die Jüngeren beim Königsschach oder Frisbee-Spielen mit den Leiterinnen und Leitern der Jubla Nebikon. Diese haben bereits die Essensstände fürs Fest aufgestellt und helfen nun bei der Kinderbetreuung. «Die Kirche macht sehr viel fürs Dorf», meint Scharleiter Reto Burri: «Da sind wir gerne mit dabei.» Dann wendet er sich wieder dem Königsschach zu. Die Sonne scheint, die Stimmung ist gut, der Hunger gestillt; vor dem Aufräumen liegt bestimmt noch die eine oder andere Partie drin.

Anna Mirjam Graf

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Auch der zweite «EntdeckerKirche»-Nachmittag in Inwil war ein voller Erfolg. Mit Spiel und Spass waren mehr als 40 Kinder dabei, die Geschichte des verlorenen Schafes von verschiedenen Seiten her zu erfahren – zu entdecken eben. Inklusive Echtwolle. Nach solch einem Abenteuer erübrigt sich das Schäfchenzählen am Abend.

«Das ist nicht zu vergleichen mit dem Religionsunterricht, den ich damals hatte.» Sichtlich erfreut bringt eine Mutter ihr Kind zum zweiten Anlass der EntdeckerKirche. Treffpunkt Schulhausplatz. Gleich gehts los mit den Ateliers in Richtung Wald. «Du musst die Kinder dort abholen, wo sie stehen», meint Verena Bieri, Initiantin der EntdeckerKirche dazu. Der Schnee sei ihnen diesmal ein bisschen dazwischen gekommen, aber natürlich findet der Anlass trotzdem statt. Es wurden sogar noch extra Helfer*innen organisiert, weil das EntdeckerKirche-Team von so vielen Anmeldungen überrascht wurde.

45 Kinder zwischen fünf und acht Jahren kommen an dem Mittwochnachmittag zusammen. Heute lockt das Thema vom guten Hirten und dem verlorenen Schaf. Noch kurz allen die Entdecker-Pässe umgehängt und die Kinder in vier Gruppen aufgeteilt, Glöggli, Laterne, Abdeckband sind auch eingepackt, schon stapfen sie los. Am Waldrand kommen alle in einen Kreis, eine grosse Kerze wird angezündet. Sie wird den ganzen Nachmittag in der Laterne hier leuchten. Mit einem Lied wird sich aufgewärmt, dann die Geschichte vom verlorenen Schaf vorgelesen. Und Bieri erklärt, wie das mit den Geschichten in der Bibel so ist: Es sind dies nämlich «Rätselgeschichten».

Was Wolle alles kann

Dem Rätsel vom verlorenen Schaf gehen die Kinder nun gruppenweise in vier verschiedenen Ateliers auf die Spur. Es werden Pompon-Schäfchen gebastelt, die Kinder dürfen sich einen Hirtenstab ausschmücken, am Feuer wird gemeinsam das Zvieri vorbereitet, es wird gespielt und gelacht und in einem Atelier gibts sogar Echtwolle – eine kleine Schafherde zum Anfassen. Diese hat Hirte Sepp Sticher aus Eschenbach mitgebracht, und den freudigen Kinderaugen anzusehen, ist das definitiv ein Highlight.

«Wie alt wird so ein Schaf? Wie viele hast du? Kann das Schaf da Milch geben?» Wieso, weshalb, warum – die Fragen purzeln. «Warum laufen die immer hintereinander her?» Das sei eben typisch Schaf, meint Sticher. «Und wenn sie nicht folgen?», fragt ein Kind. «Dann hole ich ein paar Maiswürfel. Aber du darfst sie nicht verseckle.» Eine Helferin fragt, ob Schafe denn intelligent seien. Darauf Sticher: «Ja meinst du, ich habe dumme Tiere?» Die Schafe seien immer so gescheit wie der Hirte. Die Gleichung ist bekannt. Und auf die Frage, ob denn schon mal ein Schaf abgehauen sei, ruft ein Kind leicht verdutzt: «Hä? Das war doch in der Geschichte.»

Genau. Und weil das alles im Spiel so Spass macht, bleibt auch der Inhalt anders hängen. Der Nachmittag wird mit dem verdienten Zvieri und einer Abschlussfeier abgerundet. Die Frauen vom EntdeckerKirche-Team kommen nochmals auf die Geschichte vom Anfang zu sprechen, die Kinder können reflektieren. Es werden Fürbitten gelesen, zusammen wird gesungen, die Kinder segnen sich gegenseitig. In ihren Entdecker-Pass bekommen alle ein Kleberli, das die jungen Entdecker*innen daran erinnert, dass Gott ihr Hirte ist und dass auch sie Hirtinnen und Hirten sein können.

Nach drei Stunden gehen alle happy und auch ein bisschen stolz mit ihrem Pompon-Schäfchen auf dem bunten Hirtenstab nachhause. Mit einer Rätselgeschichte in der Tasche, die nicht einfach mehr so im Buch steht, nein, die jetzt eben entdeckt wurde, gelöst ist.

Fleur Budry

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Wer ein Kind verliert, stürzt aus der Welt. Und stösst oft auf Menschen, die in Überforderung verletzend reagieren. Die «FrauenKirche Zentralschweiz» gibt am zweiten Dezembersonntag mit einer ökumenischen Gedenkfeier Betroffenen Gelegenheit, Trauer und Schmerz zu teilen. Eine Möglichkeit, dem Unsagbaren Raum und Sprache zu leihen.

Julia kam an einem Novembersamstag vor zwei Jahren zur Welt. Und verliess sie nach einer Stunde schon wieder. Einfach so. Nichts hatte darauf hingedeutet. «Das hat uns den Boden unter den Füssen weggezogen», sagt ihre Mutter Katarina Honauer. Julia war ihre erste Tochter.

Den Schmerz teilen

Katarina und ihr Ehemann André Honauer leben in Küssnacht. Zwei Wochen nach dem Ereignis nahmen die beiden in Luzern an der jährlichen Gedenkfeier für und mit Menschen teil, die ein Kind verloren haben – manche bei der Geburt, andere später durch eine Krankheit oder einen Unfall; mitunter sitzen Frauen und Männer in den Reihen, bei denen der Verlust Jahre zurückliegt, die aber nie darüber sprechen konnten und allein damit fertig werden mussten. In der Lukaskirche teilen sie ihren Schmerz mit anderen Müttern und Vätern, mit Patinnen und Paten, Geschwistern und Grosseltern. «Sammle meine Tränen» heisst die Gedenkfeier, die es seit 2005 auf Initiative der «FrauenKirche Zentralschweiz» gibt. Die Theologin Li Hangartner brachte die Idee damals aus Deutschland mit und wollte damit ein Thema ans Licht holen, «von dem man nur weiss, wenn man selber davon betroffen ist», wie sie bis heute feststellt. «Der normale Lauf ist doch: Jemand wird schwanger, das Kind kommt zur Welt und ist gesund. Der Tod hingegen ist ein Tabu.»

Hilflosigkeit und Überforderung prägen den Umgang damit. Katarina Honauer erinnert sich, wie jemand «mitfühlend und aufmunternd» gemeint habe, sie solle froh sein, dass Julia gleich nach der Geburt gestorben sei, später wäre der Verlust «viel schlimmer» gewesen.
Die Gedenkfeier «Sammle meine Tränen» will mit Texten, Ritualen und Musik den trauernden Menschen «eine Sprache leihen, wenn sie noch in der eigenen Sprachlosigkeit verharren», erklärt Li Hangartner. Unter anderem sind alle eingeladen, den Namen ihres verstorbenen Kindes in das «Buch des Lebens» einzutragen, dessen Seiten sich mit den Jahren füllen. Im zweiten Teil der Feier werden diese Namen vorgelesen, und für jedes Kind brennt am Ende eine Kerze.

Die Schwere auflösen

Schmerz und Trauer verdichten sich dabei. Das sei kaum auszuhalten, findet Katarina Honauer, der Gang zum Lebensbuch sei für sie «sehr drückend» gewesen. Die Hebamme Susanne Leu, welche die Gedenkfeier mitgestaltet, kann dies mitfühlen. «Aber die Tränen in der Gemeinschaft fliessen lassen zu können, vermag auch Schwere im Bauch aufzulösen. Man fühlt sich nach der Feier leichter», meint sie. Leu macht auch die Erfahrung, dass Eltern und Angehörige, die glauben, den Verlust eines Kindes «anders tragen können und getragen werden». Es komme nicht darauf an, woran man glaube, aber der Glaube könne «ein innerer Lebensmotor» sein, wenn jemand dadurch einen Tod deuten könne, für den es keine medizinische Erklärung gebe.

Die Tränen fliessen zu lassen hilft. Das erlebte auch Katarina Honauer so. Hilfreich waren für sie daneben vor allem der Austausch mit Frauen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Anderen, die bei der Begegnung mit Menschen, die ein Kind verloren haben, unsicher sind, empfiehlt sie, auf vermeintlich gut gemeinte Aussagen zu verzichten: «Mitgefühl zu äussern reicht völlig.»

Dominik Thali

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Worldwide Candle Lighting

«Sammle meine Tränen» heisst die jährliche ökumenische Gedenkfeier in Luzern für Menschen, die um ein Kind trauern. Sie findet seit zehn Jahren jeweils am zweiten Sonntag im Dezember statt, am Weltgedenktag für alle verstorbenen Kinder.


Der Theologe Lukas Fries-Schmid lebt mit seiner Frau Sandra Schmid Fries und den Zwillingen Salome und Mirjam (4) in der franziskanisch geprägten Gemeinschaft «Sunnehügel» in Schüpfheim. Er erzählt, inwiefern Glaube im Familienleben Thema ist und wie man als Familie in einer religiösen Gemeinschaft lebt.

Wie leben Sie Ihren Glauben innerhalb der Familie?
Lukas Fries-Schmid: Ich trenne Alltag und Glauben nicht, sondern lebe bestimmte Werte: Geschwisterlichkeit im Umgang mit den Gästen und den anderen Mitgliedern der Kerngemeinschaft, einen achtsamen Umgang mit der Schöpfung. Solche Werte sind Ausdruck meines Glaubens. Die Kinder erleben das mit, wie in jeder anderen Familie, die vielleicht nicht explizit religiös ist.

Ist Glauben dennoch auch explizit Thema?
Ja, wir versuchen, den Glauben auch zur Sprache zu bringen. Wir haben innerhalb der Familie ein Abendritual: Wenn die Kinder im Bett sind, nennt jedes Familienmitglied ein paar Dinge, für die es an diesem Tag danke sagen möchte. Das Ritual ist sozusagen die ignatianische Übung der «liebenden Aufmerksamkeit» im Tagesrückblick, übersetzt in Kindersprache.

Wofür sagen die Kinder danke?
Sie danken dafür, dass sie zum Grossmami spielen gehen durften, dass es Schokolade zum Dessert gegeben hat. Manchmal nennen sie etwas, auf das sie sich freuen. Es ist spannend zu hören, wie sie hier Dinge zur Sprache bringen, die ihnen wichtig sind.
Die Gotte hat erzählt, Jesus sei wiederaufgetaucht.

Wie vermitteln Sie den Kindern Glaubenswissen?
Das muss natürlich altersgerecht sein. Ich finde es nicht leicht, Bilder zu finden, die kindergerecht sind und theologisch stimmen. Ich scheue mich nicht, von Gott zu sprechen. Ich kann aber auch die göttliche Gegenwart in allem zur Sprache bringen, wenn die Kinder einen Käfer bestaunen. Wir erzählen ihnen auch biblische Geschichten oder solche, in denen christliche Werte Thema sind. Kinder müssen ihre Spielsachen teilen, Konflikte lösen, ihre Bedürfnisse abgleichen. Es gibt viele Bilderbücher, die von solchen Themen handeln.

Verstehen die Kinder die biblischen Geschichten?
Bei explizitem Glaubenswissen fällt mir immer wieder auf, wie weit die religiöse Sprache von der Erfahrungswelt der Kinder entfernt ist. Jemand hat unseren Kindern die Ostergeschichte erzählt, Jesus sei auferstanden. Am Tag danach hat meine Tochter zu mir gesagt: «Die Gotte hat erzählt, Jesus sei wiederaufgetaucht.» Das Wort «auferstehen» sagt ihnen nichts, aber sie haben im Grunde verstanden, worum es geht. Sie finden oft ihre eigene Sprache.

Sie leben als Familie in einer modernen klösterlichen Gemeinschaft. Wie geht Familienleben mit einem klösterlichen Rhythmus zusammen?
Der Rhythmus der Gemeinschaft ist ein anderer als jener der Kinder, das ist manchmal wirklich ein Spagat. Aber zwischen neun und vier Uhr ist ein gemeinsamer Rhythmus möglich. Die Kinder essen in der Regel mittags mit der Gemeinschaft, und je nach Situation sind sie auch darüber hinaus dabei. Je älter sie werden, desto eher ist es möglich, dass wir am Morgen in der Gemeinschaft mitarbeiten und die Kinder auch in der Küche oder im Garten sind. Wir sind dann vielleicht etwas weniger effizient, weil wir auch die Kinder im Auge haben müssen.

Nehmen die Kinder an den Gebetszeiten der Gemeinschaft teil?
Das Gemeinschaftsgebet ist nicht auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten. Sie brauchen andere Ausdrucksformen, als eine halbe Stunde stillzusitzen. Daher sind die Kinder in der Regel nicht dabei. Jeweils am Samstagabend singt die Gemeinschaft gemeinsam, da nehmen wir die Kinder ab und zu mit. Am Ostersonntag gab es bei uns morgens um halb sechs eine Auferstehungsfeier, wo die Kinder dabei waren. Sie haben anschliessend ganz viel vom Feuer, von den Kerzen, von den vielen Liedern erzählt. Das hat sie offensichtlich beeindruckt.

Schlägt sich das klösterliche Leben im Alltag der Kinder nieder?
Kürzlich gab es eine witzige Situation: Wir sind soeben in einen neuen Anbau des Klostergebäudes eingezogen. Beim Umzug sind Kopfhörer aufgetaucht, die als Gehörschutz dienen. Salome setzte sich diese auf und sang voller Inbrunst sehr laut in den Gang mit den Arbeitern hinein: «Halleluja! Halleluja!» An solchen Situationen merkt man, dass sie Klosterkinder sind.

Hat Ihr Vater-Sein Ihren Glauben verändert?
Mein Gottesbild hat sich verändert. Wir mussten von der ersten Minute der Schwangerschaft an um die Leben der Zwillinge bangen. Dadurch wurde mir auf einen Schlag bewusst, dass ich als Vater ganz und gar in der Verantwortung bin, jedoch keinerlei Macht darüber habe, was ist und was sein wird. Die Letzte Macht ist bei jemandem anders. Mit dieser Spannung muss ich lernen umzugehen: Ich bin gefordert, als ob alles von mir abhinge, gleichzeitig kann ich gar nichts machen. Genau darum geht es im ganzen Leben.

Sylvia Stam / kath.ch

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Zum Ort

Im Sonnenhügel – Haus der Gastfreundschaft in Schüpfheim lebt eine kleine Kerngemeinschaft vor Ort, während weitere Gäste für eine begrenzte Zeit mitleben können. Die Gäste befinden sich oft in einer psychischen, geistlichen oder sozialen Krise. 1993 stellten die Kapuziner ihr Klostergebäude dem Projekt Sunnehügel zur Verfügung. Nach der Pionierzeit und der Konsolidierungsphase lebt heute die dritte Generation der Kerngemeinschaft im Haus. Sie besteht derzeit aus fünf Personen, die verheiratet, alleinstehend oder Ordensmitglied sind. Die Gemeinschaft pflegt einen klösterlichen Lebensrhythmus mit zwei Gebetszeiten täglich.