Vor Ort sind Gottesdienste und religiöse Veranstaltungen mit bis zu 50 Personen unter Einhaltung der Corona-Schutzmassnahmen weiterhin möglich. Die katholische, die reformierte und die christkatholische Landeskirche im Kanton Luzern bieten ergänzend dazu einen ökumenischen Weihnachts-Fernsehgottesdienst an. Er wird am 25. Dezember um 10 Uhr auf Tele1 ausgestrahlt und für schwerhörige und gehörlose Menschen in Gebärdensprache übersetzt.
Medienmitteilung vom 15. Dezember 2020
Der Bundesrat und der Kanton Luzern haben vergangene Woche verstärkte Massnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus getroffen. Weihnachten findet aufgrund der Einschränkungen in einem anderen Rahmen als bisher statt. In den Pfarreien und Kirchgemeinden können Gottesdienste und religiöse Veranstaltungen mit bis zu 50 Personen weiterhin stattfinden. Die drei Landeskirchen im Kanton Luzern bieten mit dem ökumenischen Weihnachts-Fernsehgottesdienst einen ergänzenden digitalen Zugang für sehr viele Menschen, die aufgrund der aktuell geltenden Vorschriften nicht alle vor Ort teilnehmen können oder wollen, um die Geburt Jesu zu feiern. Erstmals wird der Fernsehgottesdienst auch für schwerhörige und gehörlose Menschen in Gebärdensprache ausgestrahlt. Den Landeskirchen ist der christliche Wert der gesellschaftlichen Inklusion und der Solidarität auch beim Fernsehgottesdienst ein zentrales Anliegen.
Telefongespräche im Anschluss
Der Weihnachtsgottesdienst wird am Freitag, 25. Dezember, um 10 Uhr auf Tele1 ausgestrahlt. Es wirken mit: Gudrun Dötsch (Pfarreileiterin Katholische Kirche St. Maria zu Franziskanern Stadt Luzern), Ursina Parr (Pfarrerin Reformierte Kirche Meggen-Adligenswil-Udligenswil) und Marlies Dellagiacoma (Pfarrerin Christkatholische Kirchgemeinde). Engelbert Glaser (Komponist und Organist) und Irene Spengler (Sopranistin) begleiten den Fernsehgottesdienst in der christkatholischen Christuskirche musikalisch. In Gebärdensprache übersetzt Dolmetscherin Agnes Zwyssig. Anschliessend an den Fernsehgottesdienst besteht zudem die Möglichkeit, von 10.30 bis 11.30 Uhr unter Telefon 041 417 28 80 mit Gudrun Dötsch, Ursina Parr oder Marlies Dellagiacoma ein Gespräch zu führen.
Kirche kommt an – 50 Jahre Landeskirchen im Kanton Luzern
Die Luzerner Landeskirchen feiern 2020 ihr 50-jähriges Bestehen. In ökumenischer Verbundenheit planten die Kirchen unter dem Motto «Kirche kommt an» verschiedene Anlässe. Aufgrund der Massnahmen gegen das Coronavirus mussten Aktivitäten abgesagt, verschoben und wie mit den Fernsehgottesdiensten oder gemeinsamen Spendenaktionen neu geplant werden. Kirche ist präsent und geht mit unterschiedlichen Angeboten auf die Bedürfnisse der Menschen ein: So aktuell mit gemeinsamen christlichen Weihnachtsfeiern und insbesondere in der Seelsorge nimmt sie Anteil an den Ängsten, Sorgen sowie Hoffnungen.
Der Samichlaus ist dieses Jahr im Dilemma: Hausbesuche gefährden die Gesundheit, Absagen enttäuschen die Kinder. Samichlaus-Vereine reagieren darauf mit viel Kreativität, wie einige Nachfragen zeigen.
«Wie viele andere, wird auch der Samichlaus dieses Jahr im Home-Office tätig sein.» Mit diesen Worten richtet sich die Samichlaus-Gruppe Inwil auf der Website an Familien – und lädt diese erstmals zu sich in ein spezielles Häuschen im Wald ein. «Das Häuschen wird für diesen Anlass durch die Mitglieder gebaut. Es ist vorne offen, so kann auch der Abstand eingehalten», erklärt Vereinspräsidentin Anita Bucher. «Da der Platz bei der Bevölkerung bekannt ist, wird der Samichlaus erzählen, dass er nicht hier wohnt.» Nicht im Wald, aber in der Kirche können Familien aus Kriens den Samichlaus treffen. «Kriens hat drei Kirchen, in die wir je 50 Personen einladen können», sagt Stefan Huber im Namen des Samichlaus der Krienser Pfarreien. Je nach Anzahl Anmeldungen würden drei bis vier solcher Treffen stattfinden. Gleiches gilt für den Samichlaus von Eschenbach, der «aufgrund seines hohen Alters zur Risikogruppe zählt und als gutes Beispiel voran gehen möchte», heisst es auf der Website des Vereins.
Hausbesuch virtuell
Sehr modern zeigt sich der Samichlaus in Römerswil: Hier kommt er virtuell in den Familien vorbei, und zwar per Video-Anruf via Whatsapp. «Uns ist es wichtig, dass die Kinder den Samichlaus sehen können», erklärt Thomas Stocker, Aktuar der Chlausgroppe Römerswil. Familien würden sich mit dem üblichen Formular anmelden, Lob und allfälligen Tadel festhalten sowie eine Whatsapp-Handynummer angeben.
Chlaussack inbegriffen
«Zum abgemachten Zeitpunkt ruft der Samichlaus auf diese Nummer an», so Stocker. Natürlich sei ein Smartphone-Bildschirm relativ klein, «aber es soll nicht zu kompliziert sein». Whatsapp sei derzeit wohl das am meisten genutzte Kommunikationsmittel. Was aber wäre ein Samichlaus-Besuch ohne Nüssli, Mandarindli und Schokolade? Auch dafür hat sich der Samichlaus von Römerswil etwas einfallen lassen. Dank ausgeklügelter Logistik und der Unterstützung von zwei Gehilfen wird der Chlaus dafür sorgen, dass die Kinder auch auf den traditionellen Chlaus-Sack nicht verzichten müssen…
Brauch passt derzeit nicht
Ein solch virtueller Besuch kommt in Hochdorf nicht in Frage: «Der Brauch soll so leben, wie er ist. Er passt im Moment nicht in die Corona-Zeit», sagt Beat Moscatelli, Präsident des Samichlaus-Vereins Hochdorf. Für sie habe die Gesundheit oberste Priorität. «Wir wollen unsere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft wahrnehmen und nichts Negatives verbreiten», so Moscatelli. Aus diesem Grund wird auf Hausbesuche verzichtet. Den Kindern würden aber Geschichten und Ausmalvorlagen zugeschickt.
Nicht auf Hausbesuche verzichten wollen die Samichläuse der Gallizunft Kriens und der Götschizunft Hildisrieden. Hier gelten Schutzkonzepte, Händedesinfektion und Abstandsregeln. Falls die Corona-Massnahmen noch strenger werden, sei die Abgabe von Chlaussäckli zum Beispiel im Milchkasten denkbar, teilt Marco Schertenleib von der Gallizunft mit. Denn wichtig sei, «dass die Kinder ihr Chlaussäckli bekommen!»
Vor 50 Jahren wurden die katholische und reformierte Landeskirche gegründet. Was das gebracht hat? Aufgaben, die alle betreffen, werden seither kantonal erfüllt. Und der Staat hat in den Kirchen Ansprechpartner erhalten, die mit ihm gesellschaftliche Verantwortung teilen.
Seelsorge für Menschen mit einer Behinderung, der Finanzausgleich unter den Kirchgemeinden, Aus- und Weiterbildung von Katechetinnen und Katecheten, Notfallseelsorge oder die eigenen Parlamente: Die Liste dessen, was die Gründung der Landeskirchen vor 50 Jahren möglich machte, ist noch viel länger. Für Markus Ries, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Luzern, ist die Aufgabenteilung herausragend: «Die Landeskirchen ermöglichen, dass die kantonale Ebene professionell ausführt, was auch dorthin gehört. Regionale Zweckverbände wären ja nicht sinnvoll.»
Präsenz markieren in der Gesellschaft
Der reformierte Synodalrat und Historiker Florian Fischer weist auf die zweite grosse Errungenschaft hin, den «Ausbau der demokratischen Mitbestimmung». Einerseits brachten diesen die Synoden, die beiden Kirchenparlamente, selbst mit, anderseits war das Stimm- und Wahlrecht für Frauen bereits für die damaligen Verfassungsräte selbstverständlich, die damit den Weg für das Frauenstimmrecht im Kanton Luzern ebneten. Auch Ausländerinnen und Ausländer sind bei beiden Kirchen stimmberechtigt, auf katholischer Seite seit 1994. Der 2016 verstorbene Alois Häfliger (Willisau), Präsident der katholischen Synode 1990/91, fasste die Bedeutung der Landeskirchen in seinem «Geschichtlichen Überblick» zum 25-Jahre-Jubiläum 1995 in einem Satz zusammen: «Kantonal- und Landeskirchen erweitern und festigen die Selbständigkeit der Konfessionen und stärken die Präsenz der Kirchen in der Gesellschaft.»
Wo die Mitsprache Grenzen hat
Während auf reformierter Seite die Landeskirche innerkirchliche Belange selbständig regeln kann, ist dies bei den Katholiken Aufgabe Roms und des Bistums. Dieses duale System führt vor allem dann zum Konflikt, wenn sich staatskirchenrechtliche Vertreterinnen und Vertreter zu kirchenpolitischen Fragen äussern. Die «Luzerner Erklärung» der Synode von 2003 und das «Luzerner Manifest» von 2006 sind Beispiele dafür. «Da stossen Beteiligung und Mitbestimmung an Grenzen», räumt Markus Ries ein. Die demokratisch gewählten Räte sind für ihn gleichwohl auch kirchenpolitisch wichtig: «Sie können sicherstellen, dass der Dialog im Gang bleibt und Rechenschaft eingefordert wird.» Und «natürlich auch», indem sie Gleichberechtigung und Mitsprache vorlebten.
Eine andere Errungenschaft ist für beide Landeskirchen wichtig: Mit deren Gründung hat der Staat Ansprechpartner erhalten, die für den ganzen Kanton stehen. Er teilt sich mit ihnen sogar Aufgaben, die für den gesellschaftlichen Zusammenhalt wichtig sind. Die Gassenarbeit in Luzern oder die Ehe-, Lebens- und Schwangerschaftsberatung sind Beispiele dafür. Die Landeskirchen wiederum – zu diesen zählt auch die kleine Christkatholische Kirchgemeinde – pflegen eine intensive ökumenische Zusammenarbeit.
Die katholische wie die reformierte Landeskirche im Kanton Luzern nahmen vor 50 Jahren ihre Tätigkeit auf. Vier Schritte führten dazu. 1958 hiess das Luzerner Stimmvolk eine Verfassungsrevision gut, die es den Stimmberechtigen einer Konfession erlaubte, eine eigene Kirchenverfassung zu erarbeiten. 1964 verabschiedete der Grosse Rat (heute Kantonsrat) das Ausführungsgesetz dazu. 1966 nahmen beide Konfessionen Volksinitiativen zur Bildung einer Landeskirche an, worauf die Regierung die Wahl von Verfassungsräten anordnete. 1969 wurden die Verfassungen an der Urne genehmigt. Am 22. Januar 1970 trat die reformierte Synode erstmals zusammen, am 13. März 1970 die katholische.
Im Heilpädagogischen Zentrum Hohenrain feierten am vergangenen Freitag (23. Oktober 2020) vier Jugendliche ihre Firmung. Im Gottesdienst erhielten die jungen Frauen Rückenwind für ihr Leben.
Trotz erschwerender Corona-Massnahmen erlebten die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher eine frohe und lebendige Feier. Mit Gedanken zur Kraft des Windes, der in die Segel der selbstgestalteten Segelboote bläst, eigenen Fürbitten und Altardienst beteiligten sich die Firmlinge aktiv an der Gestaltung. Unter der musikalischen Leitung von Martin Soom überraschten Kolleginnen und Kollegen sowie Lehrpersonen die Feiernden mit berührenden und schön vorgetragenen Liedern. Behindertenseelsorger Bruno Hübscher brachte den Teilnehmenden das Pfingstgeschehen mit klaren Worten näher. Die Kraft des Heiligen Geistes, als Rückenwind für den richtigen Kurs, wurde den Jugendlichen vom Firmspender Roland Häfliger, Domherr und Pfarrer des Pastoralraums Baldeggersee, in seiner Predigt erklärt. Eindrücklich war der Moment, als er den vier jungen Frauen Simona Ellenberger, Stefanie Hunkeler, Alexia Mangione und Annenicole Ryan das Firmsakrament spendete.
Das gemeinsame Zusammenwirken für das Gelingen des Firmgottesdienstes – dazu gehörte auch Katechetin Bernadette Walthert – war ein wunderbares Erlebnis. Im Anschluss an die Feier genossen die Firmlinge ihren grossen Tag weiter im Kreise ihrer Familien und Gäste.
Die Corona-Situation macht die Weihnachtsplanung für die Kirchgemeinden und Pfarreien zur Herausforderung. Ziel ist, dass Weihnachten mit Zusammensein unter Einhaltung der Schutzmassnahmen möglich ist. Die katholische, reformierte und christkatholisch Landeskirche im Kanton Luzern gehen einen neuen Weg: Erstmals feiern sie ökumenisch das Fest der Geburt Jesu. Ihr gemeinsamer Gottesdienst wird am 25. Dezember auf Tele 1 ausgestrahlt.
Medienmitteilung vom Montag, 19. Oktober 2020
An Ostern konnten aufgrund der ausserordentlichen Lage mit Versammlungsverbot schweizweit keine Gottesdienste stattfinden. Deshalb feierten die drei Landeskirchen des Kantons Luzern Ostern erstmals ökumenisch und im Regionalfernsehen Tele1 gefeiert. «Die Rückmeldungen fielen sehr positiv aus. Insbesondere schätzten die Zuschauerinnen und Zuschauer das gemeinsame Feiern als christliche Kirchen», sagt Renata Asal-Steger, Synodalratspräsidentin der römisch-katholische Landeskirche des Kantons Luzern. Aktuell ist die Situation mit den sehr hohen Corona-Fallzahlen national und kantonal wiederum sehr angespannt. «Im Fernsehen ermöglichen wir einen Zugang für sehr viele. Dies gilt für Risikogruppen, Menschen mit eingeschränkter Mobilität und es zeigt sich, dass wir auch Menschen mit christlichen Werten erreichen, welche vielleicht nicht analog an einem Gottesdienst teilnehmen würden», so Dr. Lilian Bachmann, Synodalratspräsidentin ad interim der evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Luzern. Der Weihnachtsgottesdienst wird am Freitag, 25. Dezember 2020, um 10 Uhr auf Tele1 ausgestrahlt.
«Kirche kommt an» – trotzdem
Die Luzerner Landeskirchen feiern 2020 ihr 50-jähriges Bestehen. In ökumenischer Verbundenheit planten sie unter dem Motto «Kirche kommt an» verschiedene Anlässe. Aufgrund der Massnahmen gegen das Coronavirus mussten die Aktivitäten zuerst abgesagt, verschoben und jetzt neu geplant werden. «Doch die Kirche ist da und wir gehen auf unterschiedlichen Wegen auf die gesellschaftlichen Bedürfnisse ein», sagt Esther Albert, Präsidentin christkatholische Kirchgemeinde Luzern.
Am 25. Oktober 1970 wurde im Kanton Luzern das Frauenstimmrecht angenommen, am 7. März 1971 das nationale. Wo steht Gleichberechtigung heute in Gesellschaft und Kirchen? Ein Gespräch mit der Politikerin Cécile Bühlmann und den Kirchenfrauen Renata Asal-Steger und Lilian Bachmann.
Vor 50 Jahren wurde das Frauenstimmrecht eingeführt. Was hat sich seither für die Frauen geändert? Cécile Bühlmann: Damals glaubten viele, mit der Einführung des Frauenstimmrechts sei Gleichberechtigung erreicht. Viele Errungenschaften, die wir heute haben, wurden jedoch erst danach von den Frauen erkämpft Lilian Bachmann: Mit dem Frauenstimmrecht wurde der Grundstein für zahlreiche neue Gesetze zu Frauenanliegen gelegt, die ohne die Frauenstimmen so wohl nicht eingeführt worden wären. Insbesondere das neue Ehe- und Scheidungsrecht, die Fristenregelung, die Mutterschaftsversicherung, das BVG-Splitting oder das Gleichstellungsgesetz. Wir haben inzwischen etwa die halbe Strecke erreicht und müssen weiterhin aktiv bleiben.
Wo hapert es noch? Bühlmann: Auch heutige Frauen stecken oft beruflich stark zurück, wenn Kinder kommen. Die Namenswahl ist ein Indiz dafür, dass sich die Frauen stärker zurücknehmen: Die meisten Familien führen selbstverständlich den Namen des Mannes. Die Verantwortung, an alles zu denken, was die Familie betrifft, die sogenannte «mental load», liegt ebenfalls noch mehrheitlich bei den Frauen.
Wollen Frauen und Männer an diesen Rollen gar nichts ändern? Bühlmann: Es liegt tatsächlich nicht nur an den Gesetzen. Es gibt Frauen, die engagieren sich lieber im geschützten Rahmen der Familie. Sich einer bisweilen harten Arbeitswelt oder der Politik zu stellen, braucht Mut. Wer sich einsetzt, setzt sich aus. Renata Asal-Steger: Frauen haben oft das Ganze im Blick: Partnerschaft, Familie, Beruf. Sie wägen ab und fragen sich, ob sie all dies miteinander vereinbaren können. Meine Erfahrung ist, dass sich Männer solche Überlegungen grundsätzlich weniger machen und schneller zusagen: «Es wird schon irgendwie gehen.»
«Frauen würden diese klerikale Priesterkaste, die sich selber zwischen den Laien und Gott verortet, abschaffen»: die Luzerner alt Nationalrätin Cécile Bühlmann. | 2020 Martin Dominik Zemp
Fühlen Sie sich in Ihren Gremien als Frau ernst genommen? Bachmann: Absolut. Wir leben ein Klima der Gleichberechtigung und diskutieren auf Augenhöhe. Unsere Meinungen bringen wir ein, hören einander zu und finden gemeinsam zu Lösungen. Asal-Steger: Auch ich fühle mich in den Gremien der Landeskirche ernst genommen und kann meine Anliegen einbringen. Das kann ich auch in den Gremien auf Bistumsebene oder mit der Bischofskonferenz. Es kommt jedoch nicht selten vor, dass ich dort die einzige Frau bin. Was von meinen Anliegen dann umgesetzt wird, ist eine andere Frage.
Frau Bühlmann, Sie sind 2018 aus der katholischen Kirche ausgetreten. Warum? Bühlmann: Die römisch-katholische Amtskirche ist eine hierarchische, klerikale Männerkirche. Unter diesem Dach wollte ich nicht mehr länger stehen. Darum war der Austritt für mich ein Akt der Befreiung. Ich kann nicht verstehen, dass katholische Frauen immer noch auf Gleichberechtigung hoffen.
Haben Sie diese Hoffnung noch, Frau Asal-Steger? Asal-Steger: Ja, ich habe sie nach wie vor. Unbestritten ist, dass die katholische Kirche weltweit in einer grossen Glaubwürdigkeitskrise ist. Man realisiert, dass strukturelle Fragen zu Machtmissbrauch geführt haben. Mich lässt hoffen, dass sich viele Katholikinnen und Katholiken für Reformen in der Kirche stark machen Der Frauenbund war kürzlich bei der Bischofskonferenz eingeladen. Frauen vernetzen sich weltweit. Wenn jetzt nicht etwas passiert… Bühlmann: Wie viele Enttäuschungen braucht es noch, bis ihr merkt, dass sich nichts ändern wird? Asal-Steger: Die Kirche und ihre christliche Botschaft liegen mir am Herzen. Sie sind meine religiöse Beheimatung. Ich möchte diese Kirche weiterhin mitgestalten und mich beharrlich engagieren, dass die katholische Kirche glaubwürdige Schritte der Erneuerung geht. Wenn ich draussen bin, kann ich nicht mehr mitreden. Bühlmann: Bischof Felix Gmür ist offen für Gleichberechtigung. Aber was macht er, wenn Rom nein sagt? Asal-Steger: Papst Franziskus hat die Bischöfe mehrfach aufgerufen, mutig zu sein und Lösungen vor Ort zu suchen. Ich meine, reformwillige Bischöfe sollten sich mit Gleichgesinnten vernetzen. Es gibt beispielsweise in Deutschland Bischöfe, die sich für Reformen einsetzen.
«Gelebte Gleichberechtigung, Gleichstellung und Chancengleichheit sind Grundwerte der Reformierten Kirche»: Lilian Bachmann, Präsidentin des Synodalrats der reformierten Luzerner Landeskirche. | 2020 Martin Dominik Zemp
Was können Sie selbst in dieser Sache bewirken? Asal-Steger: Ich leide unter den Diskriminierungen innerhalb der katholischen Kirche. Deshalb engagiere ich mich in «meinen» Gremien für Reformen und habe mich als Präsidentin der RKZ zur Verfügung gestellt. Denn auf der Ebene der Bischofskonferenz wird es in den nächsten Jahren kaum ein weibliches Gesicht geben. Zudem vernetze ich mich, ich habe beispielsweise am Kirchenfrauenstreik teilgenommen. Aber ich weiss, dass ich das Kirchenrecht nicht ändern kann.
Seit wann gibt es in Luzern reformierte Pfarrerinnen? Bachmann: Die reformierte Kirche im Kanton Luzern hat sich im Januar 1970 eine kirchenpolitische Verfassung gegeben und damit den Weg für das kirchliche Frauenstimm- und Wahlrecht frei gemacht. Frauen konnten damit seit Anbeginn der reformierten Landeskirche im Pfarramt wirken. Ordiniert werden konnten sie schon früher, jedoch nicht als Pfarrerinnen in der Kirchgemeinde amten. Daher waren sie häufig in Stellvertretungen oder im kirchlichen Unterricht tätig.
Was würde sich in der katholischen Kirche ändern, wenn Frauen zu Ämtern zugelassen wären? Bühlmann: Sie wäre näher bei den Menschen. Frauen würden diese klerikale Priesterkaste, die sich selber zwischen den Laien und Gott verortet, abschaffen. Sie wären ganz normale Menschen, zwar mit besonderen Funktionen, aber nichts Unantastbares.
Ist das in der reformierten Kirche Realität? Bachmann: Gelebte Gleichberechtigung, Gleichstellung und Chancengleichheit sind Grundwerte der Reformierten Kirche. Frauen sind zu Ämtern und zum Pfarrberuf zugelassen, obwohl die Verteilung noch nicht hälftig ist. Sie sind im Pfarramt sowie im Parlament je zu einem Drittel vertreten, in den Exekutivämtern etwas weniger. Da besteht noch Luft nach oben. Bühlmann: Aber diesen besonderen Status der Kleriker nehme ich bei den Reformierten nicht wahr. Dieses andere Amtsverständnis wäre für mich ein Vorbild.
Der Kanton Luzern war am 25. Oktober 1970 der dritte Deutschschweizer Kanton, der das Frauenstimmrecht auf Kantons- und Gemeindeebene annahm. Das 50-Jahr-Jubiläum soll Gelegenheit sein, «über Fragen zu Gleichberechtigung und Demokratie nachzudenken», wie der dafür gegründete Verein schreibt. In dessen Beirat setzen sich auch die drei Frauen ein, die derzeit an den Spitzen der drei Luzerner Landeskirchen stehen: Renata Asal-Steger, katholische Synodalratspräsidentin, Lilian Bachmann, reformierte Synodalratspräsidentin, und Esther Albert, Präsidentin der Christkatholischen Kirchgemeinde Luzern. Cécile Bühlmann, von 1991 bis 2006 Luzerner Nationalrätin (Grüne), präsidiert mit alt Nationalrätin Judith Stamm (CVP) den Beirat.
Anna Gassmann aus Hildisrieden wollte nach der Matura «etwas anderes» kennenlernen. Neue Erfahrungen sammelte sie schliesslich in einem Waisenheim in den Karpaten. Die Organisation Voyage-Partage, die das möglich machte, spricht von weltkirchlicher Jugendarbeit.
Vom Februar bis Juli packte die 19-Jährige im Heim einer christlichen Stiftung in der Kleinstadt Gheorgheni mit an, in dem rund dreissig Kinder im Alter von fünf bis achtzehn Jahren zuhause sind. Gheorgheni liegt zwar in Rumänien, gleichwohl wird dort aber vorab Ungarisch gesprochen. Anna Gassmann versteht und spricht die Sprache heute recht gut. Es seit «sehr förderlich», meint sie mit Blick auf das geplante Logopädiestudium, einmal eine Fremdsprache von Grund auf zu lernen.
Den Glauben reflektieren
Die Sprache war freilich nicht der Grund, weshalb es Gassmann nach Rumänien zog. Sie habe nach der Matura im Sommer 2019 «einfach etwas anderes» kennenlernen wollen, sagt Anna Gassmann gegenüber dem «Kirchenschiff»: «Eine andere Kultur, eine andere Lebensweise und mich selbst neu.» Als ihr eine Bekannte von Voyage-Partage erzählte, wurde sie neugierig. Ein Ziel der Organisation ist, dass junge Menschen ihre eigenen kulturellen Werte und ihren Glauben reflektieren. Dieser sei ihr wichtig, sagt Gassmann, sie komme aus einer katholischen Familie. Im Heim, in dem die junge Frau sechs Monate mithalf, teilen zwar Gebetszeiten den Tag ein. Dazwischen ging es für sie von früh bis spät handfest zu und her: Frühstück machen, Waschen, mit den Kindern spielen, ein Gutenachtlied singen. Sie habe sich gleich angenommen und einbezogen gefühlt, blickt Anna Gassmann zurück. Für Voyage-Partage sind Einsätze wie jener von Anna Gassmann «weltkirchliche Jugendarbeit», wie Madlen Portmann, Leiterin der Fachstelle in Luzern, sagt. Das Volontariatsprogramm wolle ermöglichen, «dass eine Begegnung zwischen jungen Menschen aus der Schweiz und Menschen aus anderen Ländern stattfindet und somit ein interkultureller und religiöser Dialog auf Augenhöhe entsteht». Zurzeit vermittelt Voyage-Partage etwa zehn Volontariate pro Jahr.
«Das nehme ich mit»
Die Rückkehrerinnen und Rückkehrer sollen die sozialen und interkulturellen Kompetenzen, die sie erworben haben, mit Menschen in der Schweiz teilen und sich so für die weltweite Solidarität einsetzen – ein Austausch, an dem sich auch Anna Gassmann beteiligt. Sie habe in Rumänien «ein neues Stück Heimat» gefunden, in das sie sicher wieder zurückkehre. Ihr hat es dort vor allem die erlebte Offenheit angetan: «Die Menschen sind viel herzlicher, gehen viel mehr aufeinander zu. Das habe ich dort gelernt, das nehme ich mit.»
Dominik Thali
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Eine Auszeit mit Tiefgang erleben
Voyage-Partage ist ein Freiwilligenprogramm, das vorab junge Menschen ansprechen will, zum Beispiel in einem Zwischenjahr nach der Matura oder einer Auszeit nach der Lehre. Voyage-Partage wurde 1991 in der Westschweiz gegründet und besteht heute als Verein mit Sitz in Luzern. Trägermitglieder sind die Römisch-Katholische Zentralkonferenz (noch bis 2021), katholische Ordensgemeinschaften und weitere kirchliche Organisationen.
In der Gruppe «Mein Weg» verbringen junge Menschen mit und ohne Behinderung Zeit miteinander. Sie teilen ihren Alltag, sie kochen zusammen, sie feiern. Die Gruppe, getragen von der katholischen und reformierten Landeskirche, besteht seit zehn Jahren.
Um die 20 Namen stehen auf der Adressliste von «Mein Weg», etwa die Hälfte traf sich am Freitag Abend (4. September) auf der Terrasse der katholischen Landeskirche, um das Jubiläum zu feiern. Mit dabei auch Max Scheitlin (29), der 2008 in einem Gespräch mit dem damaligen Behindertenseelsorger Gregor Gander den Wunsch geäussert hatte, eine Jugendgruppe von Menschen mit und ohne Behinderung zu bilden. Die Idee nahm Gestalt an, und am 5. Mai 2010 fand das erste Treffen statt. Seither ist «Mein Weg» für viele Jugendliche ein wichtiger Freundeskreis.
«Ein unkompliziertes Miteinander»
«Es geht um einen Austausch und die Darstellung seiner grossen sowie kleinen Wünsche, Ziele und Lebensträume – um eine Vision ihres Lebens», schrieb der Max Scheitlin damals in einer Medienmitteilung. Hans Sutter, reformierter Sozialdiakon im Ruhestand, spricht heute von einem «unkomplizierten Miteinander». Er leitet die Gruppe mit Heidi Bühlmann von der Behindertenseelsorge der katholischen Landeskirche. Seit 2010 fanden rund 50 Treffen statt. Es gab schon Filmabende, Spielen und Kochen sind beliebt, viele Treffen richten sich nach den Jahreszeiten und Kirchenfesten, Religion und Glaube spielen immer wieder eine Rolle. «Wir machen alles gerne», hatte Brigitte Kunz im Mai 2019 in einem «Kirchenschiff»-Beitrag erklärt; am Jubiläumsabend ist sie mit ihrem Partner Gilbert Löhle wiederum dabei. Wichtig sei ihr, bei «Mein Weg» Freundinnen und Freunde zu treffen, die sie nicht oft sehe, und über Themen in den Austausch zu kommen, die nicht alltäglich seien.
Sandra Dietschi, welche «Mein Weg» von 2015 bis 2019 mitgeleitet hatte, erinnert sich an «berührende Gespräche», die sie oft erlebt hat: «Ihr lasst uns Anteil nehmen an euren Geschichten, das ist nicht selbstverständlich», dankte sie am Jubiläumsabend den Anwesenden. In der Gruppe «Mein Weg» werde nicht nur von Inklusion gesprochen, «hier wird sie gelebt», hatte Dietschi schon im erwähnten «Kirchenschiff»-Artikel betont.
Bisherige Leitungspersonen: auf katholischer Seite Gregor Gander (2010–2015), Sandra Dietschi (2015–2019) und Heidi Bühlmann (seit 2019), auf reformierter Seite Stefan Sägesser (2013–2015), Hans Sutter (seit 2015)
KONTAKT: Heidi Bühlmann, Behindertenseelsorge der kath. Landeskirche, 041 419 48 43, heidi.buehlmann@lukath.ch
Zwei katholische und zwei reformierte Jugendliche der Heilpädagogischen Schule Luzern feierten am Freitag Morgen, 4. September ihre Firmung, bzw. Konfirmation in der Kirche St. Anton in Luzern. Auf das Fest vorbereitet worden waren sie durch die Katechetinnen Christel Gysin und Yvonne Blum. Sie hatten sich darüber ausgetauscht, wie man das Vertrauen auf Gott vertiefen und selber dazu beitragen kann, dass Gott in den Begegnungen mit den Nächsten erfahrbar wird. Diesen göttlichen Geist des Wohlwollens und des Mutes wurde ihnen an der Firmung und Konfirmation durch Bischofsvikar Hanspeter Wasmer und Pfarrerin Margrit Schönholzer zugesprochen.
«Dass solche ökumenischen Feiern in der Behindertenseelsorge seit mehreren Jahren möglich sind, freut mich sehr», sagt der katholische Behindertenseelsorger Bruno Hübscher. Das Jubiläumsboot der Landeskirchen, das vor der Kirche anlegte, habe auch aufzeigen sollen, «dass wir in Zukunft noch mehrt zusammenarbeiten und uns gegenseitig ergänzen möchten», sagt Hübscher.
Kirche ist, wo Menschen leben und sich begegnen. Im Sommer also auch auf der Alp. Im Entlebuch macht sich der reformierte Pfarrer mit dem Töff zu ihnen auf den Weg, und seine katholischen Kollegen segnen die Alpen. Was beide wollen: Anteil nehmen, ein Stück Leben teilen.
Auf der Alp Oberwisstanne ist die Kirche weit weg. Der Himmel dafür umso näher. Hier, auf 1507 Metern Höhe, verbringen Margrit (56) und Benz Fink (55) seit vielen Jahren den Alpsommer. Heuer mit 11 Kühen, 30 Guschti, 15 Kälbern – und 2 Eseln. Im Rücken der Alphütte ragt der Böli hoch, ein Zipfel der Schrattenfluh, nach vorne verliert sich der Blick in der Entlebucher Bergwelt.
«Die Leute dort besuchen, wo sie sind»
Die Oberwisstanne ist eine von 45 Alpen in Flühli, der grössten Gemeinde des Kantons. Erst vor 20 Jahren wurde sie mit einer Strasse erschlossen. An diesem Morgen ist Marcel Horni (62) diese hochgefahren. Jetzt legt er den Helm ab und den mitgebrachten Kuchen auf den Stubentisch. Marcel, gesiezt werden hier nur die hohen Herren, ist Pfarrer in Escholzmatt, drei Jahre nun schon und zuständig fürs obere Entlebuch, 1200 Reformierte. Das Motto der feiernden Landeskirchen, «Kirche kommt an», ist für ihn selbstverständliches Programm: «Man muss die Leute doch dort besuchen, wo sie sind», sagt er. Im Sommer sei das nun mal bei vielen Bauern und Bäuerinnen auf der Alp. Am liebsten ist er dorthin mit dem Töff unterwegs. Weil er damit überall durch- und – vor allem – besser ankommt. «Anders jedenfalls, als wenn ich in den Halbschuhen käme», hat Marcel schon erfahren. «Die Menschen sind offener und nehmen sich mehr Zeit.» Wotsch es Kafi?, heisse es oft schon bald.
Wie heute bei den Finks. Margrit tischt Währschaftes auf, schenkt ein und nach. Das Gespräch dreht sich um das Leben, um den Alltag auf der Alp also ebenso wie den Wald oder die Mutter im Altersheim. Und die Kirche. Benz sagt dazu keine langen Sätze. Die Kirche sei «etwas, das es einfach braucht», meint er, irgendwo müsse man schliesslich Halt finden, gerade wenn etwas passiere. Sie seien beide keine grossen Kirchgänger, fügt Margrit an, «aber einen Glauben haben wir natürlich trotzdem». Sie stammt vom Kemmeriboden, er aus dem Emmental; nach mehreren Pachten im Bernbiet konnte die reformierte Familie vor 16 Jahren einen Betrieb in Sörenberg erwerben.
«Das schätzen wir»
Der Pfarrer in seiner Töffkluft hört zu, nickt dann und wann. Seine Aufgabe sieht er darin, Anteil zu nehmen, mit den Menschen ein Stück Leben zu teilen. Die Alp-Besuche sind eine Gelegenheit dazu. Anteil nehmen: Er und die Mitglieder des Kirchenvorstands bringen aus diesem Grund auch das Glas Honig, das die Kirchgemeinde jeweils im Advent den über 75-Jährigen schenkt, am liebsten persönlich vorbei. Seine Wahrnehmung der Welt um ihn habe sich durch diese Seelsorgebesuche «extrem verändert», stellt Marcel fest. Wind und Wetter hätten hier im Bergbauerngebiet eine andere Bedeutung als im Unterland. «Und in den Ferien fotografiere ich bereits schöne Kühe.»
Benz und Margrit nicken. Dass der Pfarrer, den sie sonst kaum je treffen, «alle gleich behandelt, auch wenn sie so näbedusse wohnen», freue sie, sagt Benz. «Das schätzen wir sehr.»
Viele Seelsorgerinnen und Seelsorger besuchen im Sommer in ihren Gebieten die Älplerinnen und Älpler. Urs Corradini etwa, das katholische Gegenüber von Marcel Horni und Pastoralraumleiter im mittleren Entlebuch, nimmt sich jedes Jahr etliche Tage Zeit, um die Alpen zu segnen – natürlich auch jene von reformierten Älplerinnen und Älplern. Es ergebe sich meistens ein Gespräch, berichtet er, «dann beten wir miteinander und ich spende den Alpsegen». Den Segen mit einem Bibeltext bringt Corradini ausgedruckt mit und gibt ihn den Älplerinnen und Älplern, die ihn oft in der Stube aufhängen. Das Seelsorgeteam legt für diese «sehr schöne Aufgabe» (Corradini) weite Wege zurück. Manche Alpen sind nur von Berner Kantonsgebiet her erreichbar, vom Kemmeriboden.