In der «Zwitscher-Bar», dem ökumenischen Café für Begegnung und Beratung mitten in Luzern, finden Menschen ein offenes Ohr. Ob sie nun über Lebensthemen oder «nur» das Wetter sprechen wollen. Ein Angebot der Kirchen.

Es wird wieder gezwitschert beim Luzerner Vögeligärtli. Gemeint indes sind nicht die gefiederten Wesen, die aus ihren Winterlagern zurückkehren. Gemeint sind vielmehr die Gäste der «Zwitscher-Bar», eines besonderen Treffpunkts der reformierten Landeskirche Luzern und der katholischen Stadtkirche. Nach etwas mehr als zwei Jahren Gastaufenthalt am Franziskanerplatz ist das «Café für Begegnung und Beratung» zurück im Lukaszentrum. Neu leitet Claudia Jaun das ökumenische Café. Die Theologin war zuvor Seelsorgerin im Betagtenzentrum Eichhof Luzern. Dort wie auch in der «Zwitscher-Bar» sei Seelsorge ein Angebot für ein Gespräch zwischen zwei Menschen auf Augenhöhe. Dabei könnten Lebenskrisen zur Sprache kommen, Konflikte, müssten aber nicht. Manchmal könne auch ein Alltagsthema als Anfang für einen Dialog dienen, etwa das Wetter, so Jaun.

Unverbindliche Gespräche

Etwas ist ihr ganz besonders wichtig: «Seelsorge ist nicht Mission». Sie basiert zwar auf christlicher Tradition und damit auf einer Wertschätzung allen Menschen gegenüber, knüpft diese aber nicht an Vorbedingungen. Die Gespräche in der «Zwitscher-Bar» sind kostenlos. Sie können spontan zustandekommen oder geplant sein; manche Menschen kommen immer wieder zu einem Gespräch, andere nutzen das Angebot nur einmal. Jaun sagt: «Unsere Gespräche sind oft etwas Zusätzliches zu anderen Angeboten.» So ersetzt denn das «Zwitschern» auch keine Psychotherapie.

Claudia Jaun leitet seit Ende des vergangenen Jahres das Begegnungscafé Zwitscher-Bar in Luzern. | © 2019 Thomas Stucki

Schwebender Kaffee

Anfang des 20. Jahrhunderts entstand in Neapel der Brauch des «caffè sospeso» (schwebender Kaffee) – man lässt zum eigenen einen zweiten Kaffee anschreiben, der später von einer bedürftigen Person bezogen werden kann. Sozusagen «Nächstenliebe to go». Den «Schwebenden» gibts auch an der Morgartenstrasse 16, dort, wo neben Kaffee und Kuchen auch Seelsorge auf der Karte steht. Das Angebot zieht übrigens keineswegs nur Menschen in Not an. Jedenfalls ist immer ein «sospeso» angeschrieben, wohl von jemandem, dem ohne Kummer nach Zwitschern zumute war.

Thomas Stucki

Zwitscher-Bar, Morgartenstrasse 16, Luzern, offen von Montag bis Freitag jeweils von 12 bis 18.30 Uhr

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Ökumenisch, kostenlos, niederschwellig

Die Zwitscher-Bar ist eine Initiative der Katholischen Kirche Stadt Luzern und der Reformierten Kirche Luzern und wird finanziell von ihnen getragen. Geführt wird das Non-Profit-Angebot vom ökumenischen Verein niederschwellige Seelsorge Luzern. Die Zwitscher-Bar besteht seit Herbst 2012. «Unser Beratungsangebot ist unverbindlich, kostenlos und niederschwellig. Dadurch erleichtern wir bei Bedarf den Zugang zu einem seelsorgerlichen Gespräch», heisst es im Leitbild. Leiterin der Zwitscher-Bar ist Claudia Jaun.

Wie die Arche Noah auf dem Berg: Das Jubiläumsboot der Landeskirchen legte im März im Entlebucher Wallfahrtsort Heiligkreuz an – als Einladung, auch in unruhigen Zeiten an Bord zu bleiben.

Noah strandete nach 40 Tagen Flut auf dem Berg Ararat, das Boot der Landeskirchen am 15. März vor der Wallfahrtskirche Heiligkreuz. Noah handelte weitsichtig angesichts des ihm angekündigten Unheils, Wallfahrtspriester Kobi Zemp verband das alttestamentliche Geschehen, ohne das Wort «Corona»auszusprechen, mit der Tagesaktualität. «Gott lädt uns ein, in sein Schiff zu steigen, auch wenn dieses in stürmischen Zeiten unterwegs ist.» Die berührende Musik dazu erklang an diesem Sonntag von Hermann Studer (Büchel), Hans Wigger (Trompete) und Marietheres Bieri (Orgel).

Predigen wie Jesus im Boot

Für seine Predigt stieg Zemp selbst in das Boot, mit dem die Landeskirchen zu ihrem 50-jährigen Bestehen durch den Kanton Luzern rudern. Im Evangelium hatte er von Jesus erzählt, der den Sturm auf dem See verschlief und seine verängstigen Jünger ins Vertrauen zurückholen musste, indem er dem Tosen Einhalt gebot. Das Bild der Arche, des Boots, lädt für Kob Zemp dazu ein, «den Schöpfer von Allem nicht zu vergessen». Jeder solle auf seine Weise Boot-Schafterin, Boot-Schafter sein «für das, was Jesus wollte: Im Umgang mit den Mitmenschen, im Umgang mit der Natur». Nichts sei selbstverständlich, das sei doch in der Krise erst recht zu spüren.

Zuflucht seit Jahrhunderten

Mit «Kirche kommt an» ist das Jubiläumsboot beschriftet und lautet das Jubiläumsmotto der Landeskirchen. Im Heiligkreuz, dem Wallfahrtsort ob Hasle und Schüpfheim, trifft dies seit Jahrhunderten zu. Gemäss der Legende reicht der Ursprung der Kreuzverehrung hier ins 4. Jahrhundert zurück. Im 14. Jahrhundert zogen die ersten Mönche vom damaligen Kloster St. Urban auf den Berg. Die heutige Kirche geht auf das späte 15. Jahrhundert zurück. Sie entwickelte sich zum Wallfahrtsort; auch deshalb, weil der Kirchenschatz eine Kreuzreliquie aufweist, der wohl von den kreuzverehrenden Zisterziensern von St. Urban zurückgelassen wurde.

Hilfe fürs Leben

«Die Heiligkreuzkirche gefällt, wird gesehen, geschätzt. Sie leuchtet, begeistert, beeinflusst, wirkt auf Menschen ein, wird aufgesucht, trägt Hilfe und Anregungen ins Leben. Eine Kirche, die geliebt wird», heisst es im Geleitwort des Pilgerbüchleins.

Über Jahrhunderte besorgten Kapuzinerbrüder die Seelsorge auf Heiligkreuz. Crispin Rohrer war bis Herbst 2017 deren letzter, der Escholzmatter Kobi Zemp, zuvor Pfarrer in Schüpfheim, wurde sein Nachfolger.

Dominik Thali

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Kirche verbindet und hilft Menschen; mit ihrer Kirchensteuer tragen ihre Mitglieder dazu bei, dass viel Gutes möglich wird – auch im Stillen. Die Pfarrei Zell nahm das Landeskirchen-Jubiläum zum Anlass, darauf hinzuweisen.

Das 50-Jahre-Jubiläum der Landeskirchen war am Wochenende des 15./16. Februar Thema in der Pfarrei Zell. Der Kirchenraum war geschmückt mit dem grossen Boot, das den Spruch «Kirche kommt an» trägt. Dieses Boot war der Ausgangspunkt der Predigt von Gemeindeleiter Paul Berger. Das Schiff sei ein altes, christliches Symbol und wolle aufzeigen, «dass sich die Grundwerte der Kirche auch in die moderne Gesellschaft tragen lassen», wie Berger sagte. Er sieht das Boot als Symbol dafür, «dass das Schiff unserer Kirche und unserer Pfarrei nicht untergeht und tapfer seinen Weg geht, obwohl die Wellen im Christentum und in unserer Kirche hoch gehen und auch Angst machen». Das Landeskirchen-Boot wolle auch zeigen, dass «das Schiff der Kirche» Sicherheit und Zukunft bietet.

Die zwei Seiten der Kirche

Paul Berger verglich die Kirche mit einer Münze, die eine matte und eine glänzende Seite habe: «Die matte Seite mit ihren Skandalen und Missbrauchsfällen und die glänzende Seite mit ihrer grossen Arbeit fürs Zusammenleben und wertvollen und kostbaren Aufgabe in der Gesellschaft.»

Der Gemeindeleiter zählte die weiten Felder der Kantonalkirchen auf. Um dies der 2. Sekundarschule Zell zu veranschaulichen, hatte er im vergangenen November mit 52 Schülerinnen und Schülern die islamische Moschee in Emmenbrücke besucht, das Kapuzinerkloster Wesemlin und die Gassenküche in Luzern als Teil der kirchlichen Gassenarbeit. Daneben zeigte er auf, wie die Kirche Soziales pflege, aber auch Randständige und Hilfe Suchende unterstütze. Schliesslich verdeutlichte er, wie viele Gruppen in der Pfarrei Zell aktiv sind und appelliert an die eigene Mitverantwortung, damit die Kirche auch zukünftig lebendig bleibe. Mit Stolz sprach Paul Berger zum Schluss von der Pfarrei Zell, deren Frauengemeinschaft beispielsweise mehr als 400 Mitglieder zähle, und der grosse Ministrantenschar mit 70 Kindern und Jugendlichen.

Margrit Meier

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Kirche bietet handfeste Hilfe. In Luzern unterstützt die kirchliche Gassenarbeit Menschen, die von Sucht und Armut betroffen sind, in allen Lebenlagen. Die Kirche, damals Gründerin des Trägervereins, setze hier ihre urchristliche Haltung in die Tat um, sagt Seelsorger Franz Zemp.

«Uns geht es um die Würde jedes einzelnen Menschen, um Gerechtigkeit und Selbstverantwortung», sagt Zemp. Das heisst zum Beispiel, ganz praktisch: In der Kontakt- und Anlaufstelle gibts Duschen und saubere Kleider. «Damit Frauen und Männer trotz Sucht und Armut einigermassen gepflegt, frisiert und gut angezogen unterwegs sein können», wie die Mitarbeiterin Angelika Wanner sagt. Oder das Paradiesgässli: Es kümmert sich um die Kinder von süchtigen oder armutsbetroffenen Eltern. Hier geht es um Verantwortung und Erziehungskompetenz, um Rechts- und Finanzfragen.

Der Barmherzige Samariter machte es vor

«Dabei entscheiden wir nicht über jemanden, sondern mit ihm», betont Franz Zemp. Der Theologe ist seit August 2015 Seelsorger «uf de Gass» und seither für die Menschen am Rand ein Boot-Schafter in vielerlei Hinsicht: er hört zu, hat Zeit, findet die Worte, wenn sie anderen fehlen. Sich einzusetzen für andere sei «eine urchristliche Aufgabe», sagt Zemp, und beruft sich dabei auf den barmherzigen Samariter aus der Bibel, der für den von Wegelagerern Ausgeraubten zu einer Herberge führt und den Wirt für Obdach und Pflege entlöhnt.

Die katholische Kirche Stadt Luzern hatte die Gassenarbeit 1985 gegründet; sie bildet bis heute mit der reformierten Stadtkirche und den drei Landeskirchen die ökumenische Trägerschaft des Vereins Kirchliche Gassenarbeit. Längst fliessen auch staatliche Gelder in die Gassenarbeit; Kirchen und Staat teilen sich die Aufgabe heute in gegenseitiger Verantwortung.

Viele Anlegestellen

Die kirchliche Gassenarbeit Luzern besteht aus fünf Betrieben: der Gassenküche, der Kontakt- und Anlaufstelle, dem Schalter 20, der aufsuchenden Sozialarbeit und der Seelsorge. Vergangenes Jahr nutzten rund 950 Klientinnen und Klienten diese Angebote (siehe Kasten).

Vertreterinnen und Vertreter der Betriebe erklären im ersten Kurzfilm, der im Jubiläumsjahr der Landeskirchen entsteht, was «Kirche kommt an» bei ihnen bedeutet. Im Verlauf des Jahres entstehen drei weitere solche Filme; Regie führt jeweils die Luzerner Filmemacherin Antonia Meile. Von weiteren Anlegestellen berichten die Kirchen in Text und Bild; alle Beiträge sind über die Website kirche-kommt-an.ch verfügbar. Unter anderem führt die Bootsfahrt im Februar zur Notfallseelsorge und am 15. März zum Wallfahrtsort Heiligkreuz.

Dominik Thali

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Praktische Hilfe im Alltag

«Wir wissen, dass es nie eine suchtfreie Gesellschaft geben wird. Die Suchtformen wie auch unser Zielklientel verändern sich indessen ständig. Uns ist es wichtig, zeitgemäss zu bleiben», sagt Franziska Reist, Geschäftsführerin des Vereins Kirchliche Gassenarbeit seit Oktober 2018. Darauf war der Verein schon immer bedacht. So führte er beispielsweise im Jahr 2000 ein damals ein in der ganzen Schweiz einzigartiges Angebot für suchtbetroffene Eltern und ihre Kinder ein – das Paradiesgässli. Dieses feiert nun im Februar 2020 sein 20-jähriges Bestehen. 

Im vergangenen Jahr (2019) nutzten insgesamt 949 Klientinnen und Klienten die Angebote des Vereins Kirchliche Gassenarbeit, durchschnittlich 80 Klientinnen und Klienten suchten täglich die GassenChuchi – Kontakt- und Anlaufstelle auf. 10‘447 Essen wurden ausgegeben, 387 Wunden behandelt. 338 Mal wurde geduscht und 572 wurden Kleider gewaschen. Die Beratungsangebote führten 90 Einkommensverwaltungen und 304 Sozialberatungen und das Paradiesgässli betreute 80 Familien mit deren 100 Kindern.

Und was hältst du von der Kirche? Wie kommt Kirche bei dir an? Im Kurzfilm, der zum Jubiläumsjahr der Luzerner Landeskirchen entsteht, lassen wir Menschen zu Wort kommen, die wir auf der Strasse getroffen haben. Erstmals zu sehen sein wird der Vierminüter anlässlich der Synoden der katholischen und reformierten Landeskirchen am 20. Mai.

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Das Ruderboot, mit dem die Luzerner Landeskirchen in ihrem Jubiläumsjahr unterwegs sind, wurde vor etwa 70 Jahren auf dem Zürichsee eingewassert. Dass es zuletzt einem reformierten Pfarrer gehört hatte – reiner Zufall. Aber passend.

Die Kirchen hatten das Boot vergangenen Sommer auf einer Auktionsplattform entdeckt und erwarben es von Bootsbauer Stefan Züst in Altnau am Bodensee. Züst hatte es vor einigen Jahren geschenkt erhalten und wartete auf einen Käufer, um es für diesen wieder seetüchtig zu machen. Für die Kirchen war das sichtbar angejahrte Schiffchen aber genau das Gesuchte: Einst von Meisterhand gefertigt, doch deutliche Altersspuren aufweisend. Unter anderem fehlte eine halbe Planke. «Wie ein Symbol für unsere Kirche, die immer wieder erneuert werden muss, die auch Makel und Risse hat», sagt die katholische Synodalratspräsidentin Renata Asal-Steger. Bischof Felix Gmür begab sich in seiner Weihnachtsbotschaft 2019 ebenfalls aufs Wasser: Es brauche Mut, immer wieder neu und voller Zuversicht die Segel des grossen Schiffes zu setzen, das wir Kirche nennen, schrieb er. «Aber es lohnt sich: Der Wind des Heiligen Geistes ist uns verheissen. Er bläst auch in die zusammengeflickten, zum Teil löchrigen Segel, das Schiff bewegt sich, wenn auch auf schlingerndem Kurs.»

Eine «ganz schöne Geschichte»

Isuf Bicaj und Abdi Besnik heissen die zwei Caritas-Transpörtler, die Mitte September für die Kirchen in die Ostschweiz fuhren, um die neue Errungenschaft der Kirchen abzuholen. Das knapp fünf Meter lange Ruderboot war einst in der Werft Kalchofner am oberen Zürichsee gebaut worden, wohl in den 40er- bis 50er-Jahren, schätzt Stefan Züst. Diese gibt es nicht mehr – wohl aber war der Schiffsausweis noch vorhanden, der auf den letzten Eigner hinwies: Martin Länger aus Thalwil. Und hier fängt die «ganz schöne Geschichte» an, wie dessen Frau Elisabeth im November am Telefon meinte, als wir uns endlich auf die Spurensuche machten. Nacherzählt werden kann diese zwar nicht, weil sich Längersche Mutmassungen nachträglich nicht verbürgen liessen. Martin Länger war zwei Wochen vor unserem Anruf mit gut 88 Jahren verstorben. Dass dieser jedoch reformierter Pfarrer in Kilchberg war und das Boot nun also gewissermassen wieder in einem kirchlichen Hafen ankert ist, ist allein schon der Erwähnung wert.

Die Fachleute von der Caritas

Zwischen Abholung und Spurensuche lagen einige Wochen, in denen das Kirchenboot in den Werkstätten der Caritas Luzern in Littau aufgefrischt wurde. Mit ebenso viel Sachkenntnis wie Liebe. Unter der Leitung von Schreiner Renato Stiz legten Nemanja Sladojevic, Haile Tesfamatiam und Mahamed Ali Nur Hand an: Sie putzten und schliffen, setzten das fehlende Plankenstück ein und versahen das Boot am Bug und Heck mit dem Jubiläumslogo.

Mit Stiz – auch das eine schöne Geschichte – leitete genau der richtige Mann die Arbeiten: Wer sonst hätte, zum Beispiel, gewusst, dass eine Schiffsplanke nicht einfach genagelt oder verschraubt werden darf, sondern mit kupfernen Nägeln befestigt werden muss, die auf der Gegenseite vernietet werden müssen? «Wenn schon, machen wir es stilecht», sagt Stiz, der – jetzt kommts – früher aktiver Segler war und den Holzbau als seine Leidenschaft bezeichnet. Man siehts dem Ergebnis an. Der «sicher aussergewöhnliche Auftrag» (Stiz) hat offensichtlich Freude gemacht. Und bereitet solche umgekehrt den Kirchen, wenn sie nun mit ihrem Boot auf Jubiläums-Kreuzfahrt gehen.

Dominik Thali

Wo das Kirchenschiffchen überall anlegt, ist offen. Interessierte können sich hier melden.

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«Kirchen haben uns Arbeit geschenkt»

Kirche kommt an – bei der Caritas schon lange. Die katholische Landeskirche war 1982 Gründerin der Caritas Luzern; seither ist sie mit «ihrem» Hilfswerk eng verbunden und unterstützt es jährlich mit 290’000 Franken. Damit ermöglicht die Caritas zum Beispiel jungen Menschen eine Ausbildung. Oder fördert die Freiwilligenarbeit.

Klar, dass die Kirchen die Caritas auch in ihrem Jubiläumsjahr ins Boot holen – wörtlich. Mitarbeiter holten dieses im September am Bodensee ab und überholten es anschliessend in der Caritas-Werkstätten in Littau (Text nebenstehend). «Die Arbeitsintegrationsprogramme der Caritas Luzern leben davon, Aufträge zu bekommen. Das haben die Landeskirche gemacht. Sie haben uns Arbeit geschenkt», freut sich Geschäftsleiter Thomas Thali. Aber nicht nur das, «sondern auch Freude», sagt Thali. Die beteiligten Menschen hätten sich über das fertige Boot gefreut, und sie freuten sich wieder, wenn sie es durchs Jahr hindurch wieder sähen. Solche guten Erfahrungen gebe es viele im Alltag der Caritas Luzern, «und damit wird Kirche spürbar», stellt Thali fest. Die Caritas Luzern verstehe sich in ihrer Arbeit als Teil der Diakonie der Kirche.

Die zwei grossen Luzerner Landeskirchen feiern 2020 das 50-jährige Bestehen gemeinsam. Die katholische und die reformierte Synodalratspräsidentin, Renata Asal-Steger und Ursula Stämmer-Horst, über die verbindende«Boot-Schaft» der beiden Kirchen.

Die katholische und reformierte Kirche des Kantons Luzern feiern 2020 ihr 50-jähriges Bestehen als Landeskirche. Was ist an dieser Errungenschaft heute noch wichtig?

Ursula Stämmer-Horst: Wir feiern die Anerkennung der katholischen und evangelischen Kirche als Landeskirchen. Die christkatholische Kirche wurde schon viel früher anerkannt, als sie im Kanton Luzern Fuss fasste, feiert aber auch mit uns. Diese Errungenschaft ist bedeutsam, da es in Luzern lediglich drei Kirchen gibt, die als Landeskirchen anerkannt sind. Die Anerkennung bringt unter anderem mit sich, dass wir Steuern einziehen dürfen und unsere Verfassung vom Kanton anerkannt wird.

Renata Asal-Steger: Für die katholische Landeskirche gibt es noch einen weiteren Punkt hervorzuheben. Wir haben eine duale Struktur und damit zwei Führungslinien, die pastorale und die staatskirchenrechtliche.  Die Anerkennung als Landeskirche bedeutet für uns, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen, also auch wir als «Laien», auf der behördlichen Seite, in diese Verantwortung eingebunden sind.  

Was möchten Sie mit dem Bild «gemeinsam in einem Boot» zum Ausdruck bringen?

Renata Asal-Steger: Das Boot ist ein urchristliches Symbol, das sich im Alten und Neuen Testament wiederfindet. Wir haben uns für ein Ruderboot entschieden, weil es nicht nur Schutz bietet und ein Verkehrsmittel ist, sondern auch die eigenen Kräfte eingesetzt werden müssen, um vorwärts zu kommen. Man kann sich zudem die Frage stellen, wohin die Reise geht und ob unterwegs Stürme auftreten könnten. Zudem nutzen wir ein gebrauchtes Boot, das wir restauriert haben.  Auch das ist ein Symbol für unsere Kirche, die immer wieder erneuert werden muss, die auch Makel und Risse hat.

Ursula Stämmer-Horst: Wir suchten lange nach einem Symbol, das bei allen Beteiligten ankommt. Es gab verschiedene Ideen, über die wir uneins waren. Wir einigten uns auf den gemeinsamen Slogan «Kirche kommt an». Dieser Slogan brachte uns zu einem Boot, das als Logo wunderbar dazu passt. Im Laufe des nächsten Jahres verwenden wir ein richtiges Ruderboot, das an vielen Veranstaltungen eingesetzt wird, begleitet von «Boot-Schafterinnen», «Boot-Schaftern» und deren Geschichten. 

Welche Feierlichkeiten sind geplant, mit welchem Ziel?

Ursula Stämmer-Horst: Wir möchten zum einen Menschen über unsere Mitglieder hinaus erreichen. Zum anderen ist es ein Prozess der Annäherung und eine Auseinandersetzung unserer zwei Kirchen. Wir haben den gleichen Auftrag, die Nachfolge Jesus Christi. Es geht um die Einheit der Christen. Nur wenn wir näher zusammenrücken, geht dieser Prozess weiter.

Renata Asal-Steger: Im Frühling veranstalten wir die Synode am selben Tag, es gibt ein gemeinsames Mitarbeiterfest, wir beteiligen uns erstmals an der «Langen Nacht der Kirchen» und zwar gleich mit mehr als 100 Pfarreien, Kirchgemeinden und Organisationen. Am Buss- und Bettag im September laden wir gemeinsam mit dem Kanton zu einer öffentlichen Feier in Willisau ein.

Wir könnten viele Projekte nicht umsetzen, wenn wir nicht mit der katholischen Kirche zusammenarbeiten würden.

Ursula Stämmer-Horst, reformierte Synodalratspräsidentin

Versuchen Sie die Gemeinsamkeiten oder die Gegensätze zwischen den zwei Landeskirchen hervorzuheben?

Renata Asal-Steger: Es ist wichtig, dass wir die Kräfte bündeln. Wir arbeiten nicht gegeneinander, sondern miteinander. Wir haben die gleiche Botschaft, das Evangelium. Ein Gegeneinander würde dieser Botschaft widersprechen. Wir haben gemeinsame Kommissionen, regelmässige Kontakttreffen, sind gemeinsam Trägerinnen von Institutionen. Und auch vor Ort funktioniert die ökumenische Zusammenarbeit sehr gut. Nur mit vereinten Kräften kann man etwas bewirken. 

Ursula Stämmer-Horst: Wir sind eine Familie. Auch wenn wir Reformierten finanziell und personell nicht so gut aufgestellt sind, wie die Katholiken. Wir könnten viele Projekte nicht umsetzen, wenn wir nicht mit der katholischen Kirche zusammenarbeiten würden, wie im Falle der Gassenküche, bei der Notfall- oder Hochschulseelsorge, oder dem Hospiz in Littau. Die Zusammenarbeit mit den Katholiken gibt uns die Chance, dass wir Wirkung erzielen können.

Es heisst, die Ökumene im Kanton Luzern sei einzigartig in der Schweiz. Ist sie das?

Ursula Stämmer-Horst: Im Kanton Luzern gibt es eine lange Tradition der Ökumene. Sie funktioniert bis weit ins Entlebuch hinein. Sie ist akzeptiert und erwünscht von allen.

Renata Asal-Steger: Ich glaube man kann durchaus sagen, dass wir im Kanton Luzern ökumenisch beispielhaft unterwegs sind.

Was sind Ihre frühen, ganz persönlichen Erlebnisse mit «den anderen»?

Renata Asal-Steger: Ich bin sehr ländlich in einem katholischen Dorf aufgewachsen. Dort gab fast es nur Katholikinnen und Katholiken. Eine einzige Schulkollegin war reformiert. Das Miteinander von Reformierten und Katholiken erlebte und erlebe ich immer als sehr respektvoll. 

Ursula Stämmer-Horst: Ich bin in einem ökumenisch geprägten Haus aufgewachsen. Als wir Kinder waren, haben wir uns gegenseitig angestachelt. Wir haben uns spasseshalber Übernamen nachgerufen, wir Protestanten waren die Brotwürst. Wir wollten immer beichten gehen, wurden in der Kirche und nicht wie die anderen im Schulhaus unterrichtet.

Ich vernehme wieder, die Kirchen sollen ihre Stimme erheben bei sozialpolitischen und ökologischen Themen. Ich meine auch, hier sollten wir mutiger sein. 

Renata Asal-Steger, katholische Synodalratspräsidentin

Ist die Erwartungshaltung gegenüber der kirchlichen Arbeit gestiegen?

Ursula Stämmer-Horst: Nicht nur die Erwartungshaltung der Gläubigen ist gestiegen, vielmehr auch jene des Staates. In der Asylarbeit etwa, die der Kanton Luzern übernommen hat, muss sich die Kirche vermehrt abgrenzen. Wir wollen helfen, können aber aus finanziellen und Ressourcen Gründen nur subsidiär tätig werden.

Renata Asal-Steger: Von den Kirchen wird heute vor allem glaubwürdiges Handeln erwartet. Sie sollen da sein für die Menschen,  die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Und sie sollen sich für die Bewahrung der Schöpfung engagieren. Auch vernehme ich immer wieder, die Kirchen sollen ihre Stimme erheben bei sozialpolitischen und ökologischen Themen. Ich meine auch, hier sollten wir mutiger sein.   

Wie stehen Sie zur Stellung der Frau in der katholischen Kirche?

Renata Asal-Steger: Die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen in der katholischen Kirche schmerzt mich. Es ist stossend, dass die katholische Kirche sich nach aussen für die gleiche Würde von Frau und Mann einsetzt, diese aber nach innen nicht verwirklicht. Gleichzeitig spüre ich, dass die katholische Kirche meine religiöse Heimat ist. Deshalb setze mich in unserer Kirche beherzt und beharrlich ein, dass sich in der Frauenfrage etwas verändert. Ich weiss, dass mit diesem Anliegen bereits viele andere, auch zahlreiche Männer, schon länger unterwegs sind. Und ich weiss auch und kann verstehen, dass viele resigniert haben und müde geworden sind. 

Ursula Stämmer-Horst: Ich bin sehr froh, in eine protestantische Familie geboren worden zu sein. Und verstehen Sie das bitte nicht falsch. Ich ärgere mich einfach darüber, dass es so viele engagierte Frauen bei den Katholiken gibt, deren Potential nicht genutzt wird. Gleichzeitig muss man relativieren. Es hat auch bei uns Protestanten sehr lange gedauert, bis erstmals eine Frau als Pfarrerin anerkannt wurde.

Wie sieht die Zukunft der Landeskirchen aus?

Ursula Stämmer-Horst: Wir werden weniger Mitglieder zählen, kleiner sein und daher mehr zusammenarbeiten müssen. Die Zukunft der Kirche liegt für mich klar in der Seelsorge. Die Kirche muss Möglichkeiten bieten für Begegnungen. Der Dialog mit den Menschen ist wichtig. Ich werde häufig von Menschen auf meine Tätigkeit in der Kirche angesprochen und ich nehme diese Chance immer gerne wahr.

Renata Asal-Steger: Eine Herausforderung heute ist die geringere Verbundenheit der Menschen mit der Kirche. Die Kirche muss hörbar, spürbar, sichtbar werden. Sie muss an den Brennpunkten des Lebens präsent sein, sich mit dem auseinandersetzen, was die Menschen beschäftigt. Wir müssen raus gehen, die Menschen müssen uns spüren. Die Kirchen sind heute nach wie vor wichtig, gerade auch für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt.

Interview: Carmen Schirm

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Hauptanlass «Lange Nacht der Kirchen»


«Kirche kommt an» heisst das Motto, unter dem die katholische und reformierte Landeskirche im Kanton Luzern 2020 gemeinsam das 50-jährige Bestehen feiern. Bild dafür ist ein Boot, das in Kirchgemeinden und Pfarreien sowie in sozialen Einrichtungen anlegt, die von den Kirchen mitgetragen werden. Dort erzählen Menschen, was ihnen die Kirche bedeutet, wie diese bei ihnen ankommt. Ihre Geschichten erzählen sie auf www.kirchen-kanton-luzern.ch, in den kirchlichen und weiteren Medien.
Hauptanlass für die Bevölkerung im Jubiläumsjahr ist die Lange Nacht der Kirchen am 5. Juni. Der Kanton Luzern nimmt erstmals daran teil – und gleich mit über 100 Mitmachenden. Am Bettag, am 20. September, laden die Kirchen gemeinsam mit dem Kanton nach Willisau zu einer gemeinsamen Feier ein.

Weitere Termine

  • 20. Mai: Premiere des Kurzfilms «Kirche kommt an» an den jeweiligen Synoden, im Anschluss gemeinsame Feier der beiden Kirchen­parlamente
  • 28. August: gemeinsames Fest der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

«TheaterFlucht» ist ein spielerisches Inklusionsprojekt, das Kinder aus Migrationsfamilien und Schweizer Kinder zusammen auf die Bühne bringt. Es ist eines von mehreren Projekten von «Trau fremdem», einer Idee, mit der die beiden Landeskirchen Themen rund um Flucht, Migration, Asyl, Fremdsein usw. den Menschen im Kanton Luzern näher bringen und so dazu beitragen wollen, dass die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund als Bereicherung für das Zusammenleben stattfinden kann.

In den Herbstferien dieses Jahres wurde «TheaterFlucht» zum achten Mal in Luzern durchgeführt. Das Thema diesmal: Suchen und finden. Suchen mussten die 25 Kinder und die internationalen Freiwilligen des SCI (Service Civil International) Schweiz nicht lange. Sie fanden schon am ersten Tag der Projektwoche eine gemeinsame Sprache, auch wenn es keine verbale war. So wurde eine Woche lang getanzt, gesungen, musiziert, gemalt und gelacht. Es wurde mit Kartonkisten experimentiert und Geschichten erzählt. So entstand eine szenische Arbeit, welche die Kinder selbst entwickelten und Ende der Woche einem Publikum zeigten. Es entstanden aber auch Freundschaften zwischen Kindern, diesich sonst wohl nicht begegnet wären. «TheaterFlucht» ist ein spielerisches Inklusionsprojekt, das nicht auf Worte angewiesen ist. In dem Kinder suchen, forschen, sich ausprobieren dürfen und dadurch Gemeinsamkeiten finden.

«TheaterFlucht» wird an verschiedenen Orten in der Schweiz auf unterschiedliche Art und Weise durchgeführt. Die Reformierte Kirche Kanton Luzern hat das Projekt in der Stadt Luzern mitinitiiert und unterstützt es auch finanziell.

Anna Gallati, Projektleiterin, und Oliver Merz, Leiter Fachstelle OeME der ref. Landeskirche

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So verbindet Kirche Menschen: Am Fest der Nationen in Nebikon erfüllte ein vielfarbiges Stimmengewirr den Kirchplatz, begleitet von Essensdüften aus aller Welt. Das Dorf begab sich am Sonntag (18. August 2019) zum zweiten Mal «Mit dem Gaumen auf Kulturreise».

«Wir haben verschiedene Religionen, und trotzdem seid ihr heute alle hier», begrüsst Pfarreileiter Markus Müller die Kirchenbesucherinnen und -besucher. Es ist Sonntagmorgen, 10 Uhr – wie gewöhnlich. Doch heute ist alles etwas anders, bunter und lauter: Nebikerinnen und Nebiker mit albanischer, russischer oder schweizerischer Abstammung treffen sich zur interreligiösen Wortfeier. Klein und Gross, Jung und Alt – sie alle haben in den hölzernen Kirchbänken Platz gefunden. Tragen ihre Wünsche und Hoffnungen in sieben verschiedenen Sprachen vor Gott. Lachen, singen, klatschen und basteln. Die Kinder kleben mit Hilfe einiger Jublaleiterinnen selbstgemalte Stoffstücke zu einem grossen Tuch zusammen, das nun den Altar schmückt. Ein kunstvolles Ganzes aus vielen kleinen Teilen, symbolisch für den Anlass selbst: «Es ist genauso vielfarbig und bunt wie unsere Gemeinschaft», meint Markus Müller.

Bananenbällchen und Pfannkuchen aus Russland

Die Feierlichkeiten werden anschliessend nach draussen verschoben, auf den Kirchplatz unter der Linde. Dort spendet der grosse Baum willkommenen Schatten, während zehn Essensstände mit verführerischen Düften locken. «Mit dem Gaumen auf Kulturreise» heisst das grosse Fest der Nationen. Da gibt es Frühlingsrollen, frittierte Bananenbällchen und Chügelipastetli zu probieren. Dem siebenjährigen Andrin haben es die russischen Pfannkuchen besonders angetan: Bereits zum dritten Mal wartet er mit seinem Vater auf Nachschlag. «Als Familie schätzen wir das Engagement für solche Feste sehr», meint Lukas Koller.

«So macht Kirche Freude»

Worte wie diese freuen OK-Mitglied und Pfarreirätin Ursula Grob. Vor zwei Jahren rief der Pfarreirat das Fest der Nationen ins Leben. «Wir wollten die Kirche raus- und die Leute in die Kirche bringen», erklärt Ursula Grob. Die Mission scheint geglückt: «So macht Kirche Freude», bekam das Organisationsteam häufig zu hören. Heute ist «Mit dem Gaumen auf Kulturreise» ein gemeinschaftliches Projekt mit dem Elternrat, der Kontaktnetzgruppe und der Jubla Nebikon. Ein wahrer Genuss, findet Ursula Grob: «Unglaublich viele Menschen helfen motiviert mit.»

Eine dieser Helferinnen ist Maria Dias. Vor 29 Jahren kam sie von Portugal in die Schweiz – ohne Deutschkenntnisse oder Ansprechpersonen. Doch Maria Dias besuchte einen Deutschkurs, suchte den Kontakt. Mittlerweile ist sie Mitglied des Pfarreirats und gestaltet den Nebiker Kirchenalltag aktiv mit. «Das Zusammensein und der Austausch im Rat tun mir gut. Hier fühle ich mich zuhause.» Ihr altes Zuhause teilt Maria Dias am Fest der Nationen mit anderen; mithilfe von guten Worten, viel Lachen und köstlichen Kokosküchlein.

«Die Kirche macht sehr viel fürs Dorf»

Während die älteren Generationen noch beim Dessert sitzen, vergnügen sich die Jüngeren beim Königsschach oder Frisbee-Spielen mit den Leiterinnen und Leitern der Jubla Nebikon. Diese haben bereits die Essensstände fürs Fest aufgestellt und helfen nun bei der Kinderbetreuung. «Die Kirche macht sehr viel fürs Dorf», meint Scharleiter Reto Burri: «Da sind wir gerne mit dabei.» Dann wendet er sich wieder dem Königsschach zu. Die Sonne scheint, die Stimmung ist gut, der Hunger gestillt; vor dem Aufräumen liegt bestimmt noch die eine oder andere Partie drin.

Anna Mirjam Graf

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«Lueg, mis Scheffli esch ganz vore!» – Die jährliche Kerzensegnung zu Mariä Lichtmess wird in Greppen mit einer Tradition ergänzt: Gut zwei Dutzend Holzschiffchen schwammen am 3. Februar mit Lichtern ausgerüstet in die weite Dunkelheit des Vierwaldstättersees hinaus.

Kerzenschein erhellt die zahlreichen Gesichter in den Kirchenbänken. Viele Familien haben ihren Sonntagabend von der warmen Stube in die Kirche von Greppen verschoben. Gelegentliches Poltern und Kindergeschrei beleben das Gotteshaus. Trotzdem wird es ganz still, als sich der Kinderchor der Seepfarreien Greppen, Weggis und Vitznau auf den Stufen zum Altar aufstellt. Corina Zimmermann ist eine der Sängerinnen: Die Neunjährige hat schon mindestens vier Lichterschiff-Feiern erlebt. Beim Basteln der Holzboote lässt sie ihrer Kreativität freien Lauf – dieses Jahr hat sie ihr Dampfschiff mit Führerkabine und Piratenflagge ausgestattet. Besonders originell ist die rote Fahnengirlande: «Ich habe sie aus den alten Strumpfhosen meines kleinen Bruders ausgeschnitten», erklärt die Vitznauerin mit verschmitztem Lächeln.

Kreative Bastelarbeiten

Wie Corina haben rund 30 andere Kinder die Zeit vor dem 3. Februar mit Werkeln und Basteln verbracht. Vorgesägte Holzschiffchen – sogenannte Rohlinge – gabs bei der Pfarrei zu beziehen. Die weitere Ausstattung mit Naturmaterialien wie Holz, Baumwolle und Korkzapfen blieb den jungen Künstlerinnen und Künstlern selbst überlassen. Entsprechend säumen Konstruktionen mit blauen Streifen, Schweizerfahnen und Seitenrudern den freien Platz vor dem Altar, der zu diesem Anlass etwas nach hinten gerückt wurde. Pastoralassistent Flavio Moresino ist überwältigt: «Schön, dass ihr alle trotz Schneegestöber zu uns in die Kirche gefunden habt.»

Hoffnung in der Dunkelheit

Es ist Flavio Moresinos erste Lichterschiff-Feier. Im Gottesdienst segnet er die Kerzen fürs nächste Jahr und setzt den entsprechenden Schwerpunkt auf das Thema Licht: «Jesus selbst bezeichnete sich als das Licht der Welt. Alle Menschen, die ihm begegneten, konnten etwas von dieser Energie tanken und sie in die Welt hinaustragen. So auch Prophetin Hanna und Prophet Simeon an Mariä Lichtmess.» (siehe Kasten)

Im Anschluss an den Gottesdienst erhalten die Worte des Pastoralassistenten eine bildhafte Bedeutung: Jung und Alt stapfen mit flackernden Kerzen durch tiefen Schnee hinunter ans Seeufer. Dort entlassen Kinder, Eltern und Grosseltern die leuchtenden Schiffchen ins dunkle Nass – und mit ihnen ihre guten Wünsche und Hoffnungen.

Anna Graf

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40 Tage nach Weihnachten

Mariä Lichtmess oder «Darstellung des Herrn» geht zurück auf die Reise Josefs und Marias mit Jesus zum Tempel in Jerusalem. Traditionellerweise wurde der Erstgeborene dort Gott zur sogenannten «Erstgeburtsweihe» präsentiert. Der 2. Februar liegt 40 Tage nach Weihnachten und markiert somit das Datum von Jesus «Erstgeburtsweihe». Laut Überlieferung traf die Dreiergruppe im Tempel auf Prophetin Hanna und Prophet Simeon, wobei letzterer den Säugling als Herrlichkeit und Heil der Welt erkannte. Die heute verbreiteten Lichterprozessionen und Kerzensegnungen beruhen auf der Erzählung, Mönche eines nahegelegenen Klosters hätten Jesus auf dem Weg zum Tempel mit Kerzenlicht begleitet.