«24 Aufsteller für die Familie», so heisst das Set, das mit 2 x 12 Karten Impulse in die Familie geben will, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Ins Gespräch über den Glauben, übers Leben. Es sind Aufsteller sowohl in ihrer Funktion als auch in ihrer Wirkung, denn die positiv formulierten Ideen bringen Farbe in den vielleicht nicht immer bunten Alltag.

Die Aufsteller sind verteilt auf zwei Sets, die Herzkarten und die Sternkarten. Mit den Sternkarten gehts durch die Fest- und Gedenkzeiten, mit den Herzkarten durch verschiedene Bereiche des familiären Zusammenlebens. Gerade die kommende Adventszeit kann als idealer Einstieg genutzt werden, die Anregungen ins Spiel zu bringen.

  • So eine Sternkarte, zum Beispiel die «Nikolaus-Karte», beschreibt einerseits die Herkunft, die Geschichte des heiligen Mannes, der heute mit weissem Wattebart und einem Sack voll Geschenken am 6. Dezember die Kinder besucht. Kurz und knapp und informativ. Neben einem «Samichlaussprüchli», einem Gebet und der Bebilderung gibts noch eine Anleitung zu einem Nussspiel oder es wird beschrieben, wie eine Mandarine auch noch gegessen werden könnte.
  • Auf einer Herzkarte heisst es zum Beispiel: «Das Leben ist ein Geschenk». Sie erklärt, warum Danke sagen so wichtig ist. Danke sagen, das geht in allen Sprachen und setzt Denken voraus. Diese Karte schärft den achtsamen Blick auf die Dinge, auf die Mitmenschen. Wiederum von einem Gebet und Bildern begleitet, ist zum Beispiel auch vom Danken ohne Worte die Rede und dass man diesem anhand eines Zeichens in der Familie Ausdruck verleihen kann. Ausprobieren, Erfahrungen machen.

Wie die Karten genutzt werden, ist völlig offen. Die Aufsteller geben vielem Raum, mit Wort und Bild regen sie verschiedene Ebenen an, lassen Perspektivenwechsel zu. Sie sind gespickt mit praktischen Informationen und Vorschlägen fürs familiäre Zusammenleben und geben ebenso spirituelle Impulse. Rituale können religiöser oder weltlicher Art sein – ganz oft verschmilzt das sogar miteinander –, wenn sie mit Überzeugung durchgeführt werden, wird es spannend, dann wird es echt.

Fleur Budry

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Aufsteller zum Bestellen

Herausgegeben werden die Aufsteller von der IG PEF-Pastoral Deutschschweiz, das ist der Verbund jener Stellen der römisch-katholischen Kirche in der Deutschschweiz, die sich mit Fragen rund um Partnerschaft, Ehe und Familie beschäftigen. Sechs Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen Regionen sowie eine Illustratorin haben sich diesem Projekt gewidmet. Mehr zu den Aufstellern und zur Bestellung gibts auf 24aufsteller.ch

«Lueg, mis Scheffli esch ganz vore!» – Die jährliche Kerzensegnung zu Mariä Lichtmess wird in Greppen mit einer Tradition ergänzt: Gut zwei Dutzend Holzschiffchen schwammen am 3. Februar mit Lichtern ausgerüstet in die weite Dunkelheit des Vierwaldstättersees hinaus.

Kerzenschein erhellt die zahlreichen Gesichter in den Kirchenbänken. Viele Familien haben ihren Sonntagabend von der warmen Stube in die Kirche von Greppen verschoben. Gelegentliches Poltern und Kindergeschrei beleben das Gotteshaus. Trotzdem wird es ganz still, als sich der Kinderchor der Seepfarreien Greppen, Weggis und Vitznau auf den Stufen zum Altar aufstellt. Corina Zimmermann ist eine der Sängerinnen: Die Neunjährige hat schon mindestens vier Lichterschiff-Feiern erlebt. Beim Basteln der Holzboote lässt sie ihrer Kreativität freien Lauf – dieses Jahr hat sie ihr Dampfschiff mit Führerkabine und Piratenflagge ausgestattet. Besonders originell ist die rote Fahnengirlande: «Ich habe sie aus den alten Strumpfhosen meines kleinen Bruders ausgeschnitten», erklärt die Vitznauerin mit verschmitztem Lächeln.

Kreative Bastelarbeiten

Wie Corina haben rund 30 andere Kinder die Zeit vor dem 3. Februar mit Werkeln und Basteln verbracht. Vorgesägte Holzschiffchen – sogenannte Rohlinge – gabs bei der Pfarrei zu beziehen. Die weitere Ausstattung mit Naturmaterialien wie Holz, Baumwolle und Korkzapfen blieb den jungen Künstlerinnen und Künstlern selbst überlassen. Entsprechend säumen Konstruktionen mit blauen Streifen, Schweizerfahnen und Seitenrudern den freien Platz vor dem Altar, der zu diesem Anlass etwas nach hinten gerückt wurde. Pastoralassistent Flavio Moresino ist überwältigt: «Schön, dass ihr alle trotz Schneegestöber zu uns in die Kirche gefunden habt.»

Hoffnung in der Dunkelheit

Es ist Flavio Moresinos erste Lichterschiff-Feier. Im Gottesdienst segnet er die Kerzen fürs nächste Jahr und setzt den entsprechenden Schwerpunkt auf das Thema Licht: «Jesus selbst bezeichnete sich als das Licht der Welt. Alle Menschen, die ihm begegneten, konnten etwas von dieser Energie tanken und sie in die Welt hinaustragen. So auch Prophetin Hanna und Prophet Simeon an Mariä Lichtmess.» (siehe Kasten)

Im Anschluss an den Gottesdienst erhalten die Worte des Pastoralassistenten eine bildhafte Bedeutung: Jung und Alt stapfen mit flackernden Kerzen durch tiefen Schnee hinunter ans Seeufer. Dort entlassen Kinder, Eltern und Grosseltern die leuchtenden Schiffchen ins dunkle Nass – und mit ihnen ihre guten Wünsche und Hoffnungen.

Anna Graf

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40 Tage nach Weihnachten

Mariä Lichtmess oder «Darstellung des Herrn» geht zurück auf die Reise Josefs und Marias mit Jesus zum Tempel in Jerusalem. Traditionellerweise wurde der Erstgeborene dort Gott zur sogenannten «Erstgeburtsweihe» präsentiert. Der 2. Februar liegt 40 Tage nach Weihnachten und markiert somit das Datum von Jesus «Erstgeburtsweihe». Laut Überlieferung traf die Dreiergruppe im Tempel auf Prophetin Hanna und Prophet Simeon, wobei letzterer den Säugling als Herrlichkeit und Heil der Welt erkannte. Die heute verbreiteten Lichterprozessionen und Kerzensegnungen beruhen auf der Erzählung, Mönche eines nahegelegenen Klosters hätten Jesus auf dem Weg zum Tempel mit Kerzenlicht begleitet.

Auch der zweite «EntdeckerKirche»-Nachmittag in Inwil war ein voller Erfolg. Mit Spiel und Spass waren mehr als 40 Kinder dabei, die Geschichte des verlorenen Schafes von verschiedenen Seiten her zu erfahren – zu entdecken eben. Inklusive Echtwolle. Nach solch einem Abenteuer erübrigt sich das Schäfchenzählen am Abend.

«Das ist nicht zu vergleichen mit dem Religionsunterricht, den ich damals hatte.» Sichtlich erfreut bringt eine Mutter ihr Kind zum zweiten Anlass der EntdeckerKirche. Treffpunkt Schulhausplatz. Gleich gehts los mit den Ateliers in Richtung Wald. «Du musst die Kinder dort abholen, wo sie stehen», meint Verena Bieri, Initiantin der EntdeckerKirche dazu. Der Schnee sei ihnen diesmal ein bisschen dazwischen gekommen, aber natürlich findet der Anlass trotzdem statt. Es wurden sogar noch extra Helfer*innen organisiert, weil das EntdeckerKirche-Team von so vielen Anmeldungen überrascht wurde.

45 Kinder zwischen fünf und acht Jahren kommen an dem Mittwochnachmittag zusammen. Heute lockt das Thema vom guten Hirten und dem verlorenen Schaf. Noch kurz allen die Entdecker-Pässe umgehängt und die Kinder in vier Gruppen aufgeteilt, Glöggli, Laterne, Abdeckband sind auch eingepackt, schon stapfen sie los. Am Waldrand kommen alle in einen Kreis, eine grosse Kerze wird angezündet. Sie wird den ganzen Nachmittag in der Laterne hier leuchten. Mit einem Lied wird sich aufgewärmt, dann die Geschichte vom verlorenen Schaf vorgelesen. Und Bieri erklärt, wie das mit den Geschichten in der Bibel so ist: Es sind dies nämlich «Rätselgeschichten».

Was Wolle alles kann

Dem Rätsel vom verlorenen Schaf gehen die Kinder nun gruppenweise in vier verschiedenen Ateliers auf die Spur. Es werden Pompon-Schäfchen gebastelt, die Kinder dürfen sich einen Hirtenstab ausschmücken, am Feuer wird gemeinsam das Zvieri vorbereitet, es wird gespielt und gelacht und in einem Atelier gibts sogar Echtwolle – eine kleine Schafherde zum Anfassen. Diese hat Hirte Sepp Sticher aus Eschenbach mitgebracht, und den freudigen Kinderaugen anzusehen, ist das definitiv ein Highlight.

«Wie alt wird so ein Schaf? Wie viele hast du? Kann das Schaf da Milch geben?» Wieso, weshalb, warum – die Fragen purzeln. «Warum laufen die immer hintereinander her?» Das sei eben typisch Schaf, meint Sticher. «Und wenn sie nicht folgen?», fragt ein Kind. «Dann hole ich ein paar Maiswürfel. Aber du darfst sie nicht verseckle.» Eine Helferin fragt, ob Schafe denn intelligent seien. Darauf Sticher: «Ja meinst du, ich habe dumme Tiere?» Die Schafe seien immer so gescheit wie der Hirte. Die Gleichung ist bekannt. Und auf die Frage, ob denn schon mal ein Schaf abgehauen sei, ruft ein Kind leicht verdutzt: «Hä? Das war doch in der Geschichte.»

Genau. Und weil das alles im Spiel so Spass macht, bleibt auch der Inhalt anders hängen. Der Nachmittag wird mit dem verdienten Zvieri und einer Abschlussfeier abgerundet. Die Frauen vom EntdeckerKirche-Team kommen nochmals auf die Geschichte vom Anfang zu sprechen, die Kinder können reflektieren. Es werden Fürbitten gelesen, zusammen wird gesungen, die Kinder segnen sich gegenseitig. In ihren Entdecker-Pass bekommen alle ein Kleberli, das die jungen Entdecker*innen daran erinnert, dass Gott ihr Hirte ist und dass auch sie Hirtinnen und Hirten sein können.

Nach drei Stunden gehen alle happy und auch ein bisschen stolz mit ihrem Pompon-Schäfchen auf dem bunten Hirtenstab nachhause. Mit einer Rätselgeschichte in der Tasche, die nicht einfach mehr so im Buch steht, nein, die jetzt eben entdeckt wurde, gelöst ist.

Fleur Budry

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Acht Leute kommen durch Inputs zu Ritualen im Familienalltag miteinander ins Gespräch. Was zaghaft beginnt, wird immer dichter, mitunter sehr heiter, und es wird deutlich, wie wertvoll der Austausch unter Eltern für alle Beteiligten ist. Ein Beobachtungsbericht mit open End.

«Hallo Michaela.»
«Hoi Karin.»
«Jo ciao, hoi Bernadette!»
«Sali.»
«Hallo, freut mich, Elisabeth.»

Der Einstieg fiel leicht, war man doch mit dem Ritual der Begrüssung bereits mitten im Thema. «Mit Ritualen den Familienalltag gestalten», so hiess der zweite Abend für Eltern, der im Rahmen des Pilotprojekts «Getauft – und jetzt?» in der Pfarrei Römerswil angeboten wurde. «Sich in irgendeiner Form zu begrüssen, das kennen alle, es als Ritual wahrnehmen, das tun die wenigsten», meint Thomas Villiger-Brun, Mitarbeiter Fachbereich Pastoral in der Römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Luzern, der zusammen mit der Religionspädagogin Rita Amrein-Stocker durch den Abend leitet. Von dieser Achtsamkeit handelt der Abend.

Wider das Chaos

Vielleicht ist es das Schicksal vieler Rituale: Sie verkommen zu Gewohnheiten, werden automatisiert, gehen unter. Aber sie verschwinden nicht einfach so. Darum ist es wohltuend, sie wieder einmal aufzuzählen: Kindern Gschichtli erzählen, zusammen essen, singen/beten vor dem Essen, Abschiedskuss, einen guten Morgen wünschen, Geburtstag/Namenstag feiern, Abendgebet, Gott Danke sagen, jemanden an die Tür begleiten, den Tag Revue passieren lassen, sich entschuldigen, eine Kerze anzünden für…, Weihwasser geben/nehmen, Begrüssung, Verabschiedung, zusammen anstossen.

Die Liste wird im Verlauf des Abends immer länger. Ausgelöst hat dieses Zusammentragen von Ritualen auch, dass den Teilnehmerinnen wieder bewusst wurde, was sie bereits alles machen. Wow. Stimmt ja.

In der Auseinandersetzung mit den gesammelten Ritualen kamen die Mütter und ein Vater schnell ins Gespräch auch darüber, wo diese gelingen, und wo nicht. «Beim ersten Kind war das anfangs irgendwie eine Katastrophe. Beim zweiten lief es dann einfach», erinnert sich eine Teilnehmerin. «Ja, man sollte gleich beim dritten Kind anfangen», kontert eine andere, und die Stimmung wird immer lockerer, vertrauter auch. Als Familie muss erst ein Weg gefunden werden, Rituale in den Alltag zu integrieren und vor allem: die passenden zu finden. «Die ganze Theorie ist ja nett, aber bei mir in der Praxis sieht das ein bisschen anders aus. Manchmal geht es einfach nicht.» Fast schon ein bisschen erleichtert ist eine Mutter nach dieser Meldung. Und alle stellen fest: Chaos im Alltag gibt es halt auch.

Eine Mutter von bereits erwachsenen Kindern kann dann wieder beschwichtigen, dass die Familie ja mit der Zeit wachse, auch zusammenwachse, sie wird gefestigter, und dabei können Rituale unterstützend wirken. «Rituale bilden dank ihrer entschleunigenden Wirkung einen Kontrast im oft so hektischen Alltag», sagt Rita Amrein-Stocker. «Wir müssen selbst eine Sprache finden für das, was passiert, für das Unerklärbare, für das Göttliche.» Kinder können uns dabei helfen, diese Sprache zu entwickeln, Zeichen zu finden. Denn Kinder fragen einfach, sind direkt.

Familienrat

Freitagabend. Bei Familie Amrein-Stocker war das die Zeit für den gemeinsamen Wochenrückblick. Über die Woche hinweg konnten Themen und Anliegen auf Zettel geschrieben und in den Familienrat-Briefkasten geworfen werden. Diese Themen wurden dann gemeinsam angegangen, diskutiert, es wurde über Entscheidungen verhandelt, ein «Das stört mich, weil…» hatte genau so Platz wie «Nachfreuen».

Auch bei Villiger-Bruns gabs den Rat. Auf einer Wandtafel wurden die Themen zusammengetragen. «Dürfen wir über alles hier im Familienrat beschliessen?», fragten die Kinder eines Tages. Und ja, weil das die Idee dieser Treffen ist, wurden die Eltern mit 3:2 überstimmt und der Fernseher kam ins Haus. Mit Regeln zu dessen Nutzung natürlich.

Mit dem Familienrat geben Rita Amrein-Stocker und Thomas Villiger-Brun einen nächsten Input in den Abend. Aus eigener Erfahrung sprechend, konnten sie die hierfür wichtigen Punkte für die Umsetzung herausfiltern: «Die Regelmässigkeit solcher Treffen ist wichtig», betont Villiger-Brun. Weiter gelte es, den richtigen Zeitpunkt zu finden, an dem sich die Familie (z.B. wöchentlich) trifft. So wird der Familienrat zum verbindlichen Termin. Und bitte, ein bisschen Atmosphäre schaffen. Da ist es leichter, ins Gespräch zu kommen.

Mitsprache und Schutz sind zwei weitere Stichworte, die für einen funktionierenden Familienrat mitbedacht werden müssen. Er soll dem Alter der Kinder angepasst sein, soll nicht überfordern, sondern das Verständnis füreinander fördern. Das ist wie mit dem Joghurtregal im Supermarkt: Anstatt das dreijährige Kind direkt vor dem Regal zu fragen, welche Sorte es denn gerne hätte, suchen sich die Eltern besser drei bis fünf Sorten aus und lassen das Kind zuhause am Kühlschrank wählen.

Fleur Budry

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Rituale


Aus dem Lateinischen ritu (nach Art, wie) stammend, definiert das Ritual eine Grundordnung (festgelegtes Zeremoniell). Es kann von weltlicher oder religiöser Art sein. Ein Ritual braucht einen wiederkehrenden Ablauf und hat symbolische Bedeutung, ist also mehr als eine Gewohnheit. Religiöse Rituale weisen über sich hinaus (z.B. Kerze anzünden, um an jemanden zu denken) und helfen, Übergänge zu gestalten. Sie geben Sicherheit im Alltag und stiften sowohl Identität als auch Gemeinschaft. Rituale verbinden uns – auch mit Gott.


Buchtipp

Monika Arnold: «Religiöse Rituale geben Vertrauen und Geborgenheit – Für den Alltag mit Kindern von 0 bis 3», Don Bosco Verlag 2017, ISBN 978-3-7698-2321-9

«Rituale sind gleichbleibende und sich wiederholende Abläufe und Handlungen, die Kindern Verlässlichkeit, Orientierung und Sicherheit vermitteln. Überdies fördern religiöse Rituale die Persönlichkeitsentwicklung und unterstützen die Entwicklung einer spirituellen Kompetenz», schreibt der Don-Bosco-Verlag über dieses Praxisbuch. «Es bietet Rituale zu den Ereigniszeiten des Tages: Morgenkreis, Wickeln, Essen, Schlafen – Aufwachen, Verabschieden; entwicklungsbezogene Rituale zur Körperwahrnehmung und Identität, sowie Rituale zu den Festen im Jahreskreis. Enthalten sind auch 16 Lieder und Liedrufe, die als mp3-Dateien heruntergeladen werden können.»

2017 erhielten Eltern in Römerswil beim dort traditionellen Taufbaumfest ein «Schatzchischtli». Die kleine Kartonbox ist wertvoller Wegbegleiter für Eltern und Kind und so wurde die Idee bereits auch in anderen Pfarreien umgesetzt. Inzwischen ist die Stiftung Brändi in Luzern für das Befüllen der «Schatzchischtli» zuständig.

Den Glauben leben in der Familie? Das geht, zum Beispiel, so: Vor dem Essen beten Eltern mit ihren Kindern: «Guter Gott, segne und stärke uns, damit wir Freundschaft teilen, hier an diesem Tisch und mit allen Menschen. Amen.» Oder: Am Morgen zeichnet der Vater seinem Sohn mit Weihwasser ein Kreuz auf die Stirn und schickt ihn mit den Worten auf den Schulweg: «Gott segne dich mit Freude an diesem Tag.» Am Abend wiederum setzt die Mutter sich zu ihrer Tochter ans Bett, geht mit ihr den Tag erinnernd durch und dankt gemeinsam Gott für das Schöne und Gute, das ihnen heute geschenkt wurde. An einem Nachmittag schliesslich erzählt die Grossmutter ihren Enkelkindern eine biblische Geschichte, etwa vom Zöllner Zachäus auf dem Baum. Dazu gibt es ein Zämesetzi und eine Zeichnung zum Ausmalen.

Begleitung auf dem Glaubensweg

Anregungen und Vorlagen für Gebete und Rituale wie diese gibt es im Schatzchischtli, das in der Pfarrei Römerswil Eltern, die ihr Kind taufen liessen, erstmals 2017 am Taufbaumfest erhielten. Zu diesem Fest lädt der Pfarreirat jeweils am Palmsonntag die Taufkinder des vergangenen Jahres und deren Familien ein.

Das Chischtli ist ein Behältnis aus Karton, klein wie eine Kinderfaust, und angelegt wie eine Kartei. Es gibt darin Kärtchen mit kurzen Texten zu den Themen Weihwasser, Tischrituale und -gebete, Abendrituale und -gebete sowie biblische Geschichten, Bilder zu einem möglichen Abendritual, zwei Puzzles und mehrere Ausmalbilder. Mit dem Namen des Taufkinds auf dem Deckel wird das Schatzchischtli zu einem persönlichen Wegbegleiter, das Eltern hilft, ihre Kinder auf dem Glaubensweg zu begleiten und den Kindern ihren Platz in der Pfarreigemeinschaft gibt.

Jedes «Schatzchischtli» trägt den Namen des getauften Kindes, das es erhält. | © 2019 Thomas Villiger

Die Idee zum Schatzchischtli hatte Religionspädagogin Rita Amrein-Stocker. Zusammen mit dem Pastoralassistenten gab sie es erstmals 2017 den Taufeltern ab. Mitglieder des Pfarreirats von Römerswil halfen bei dem Befüllen der Chischtli. Von allen Beteiligten war das eine grosse, freiwillig geleistete Arbeit. In Zusammenarbeit mit dem Pilotprojekt «Getauft – und jetzt?» von der Landeskirche (Verantwortlicher Thomas Villiger-Brun) entwickelte Rita Amrein-Stocker das Schatzchischtli weiter und so steht es nun zur Freude vieler fertig da.

Kirche unterstützt Arbeitsintegration

Künftig erhalten auch die Taufeltern der anderen drei Pfarreien im Pastoralraum das Schatzchischtli; es gibt dort jeweils ähnliche Bräuche wie das Taufbaumfest in Römerswil. Weil damit der Aufwand grösser geworden ist, hat die Stiftung Brändi in der Rösslimatt in Luzern das Befüllen übernommen. «Eine interessante Arbeit», sagt dort Mitarbeiter Theo, und für seine Kollegin Sandra sind die Schatzchischtli eine willkommene Abwechslung. Sandra ist im ersten Lehrjahr als Printmedien-Praktikerin EBA. Bei diesem Auftrag kann sie ihr ganzes Geschick einsetzen. Die katholische Kirche unterstützt damit die beruflliche Eingliederung von Menschen mit einer Behinderung.

Dominik Thali

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Kerzenschein erfüllt die Kirche Ruswil. Licht, das wärmt und leuchtet; sechs Uhr früh, es ist die erste Rorate-Feier in diesem Advent. Die Bänke sind leidlich gefüllt, bei der zweiten und dritten Feier dann, nächste und übernächste Woche, werden mehr und mehr Menschen in dem mächtigen Raum zusammenrücken. Je näher Weihnachten rückt, desto zahlreicher streben sie nach dem Licht, zeigt die Erfahrung. Die 1300 Kerzen hatte Sakristan Thomas Bucher schon am Vorabend aufgestellt. Die Lichter stehen auf Absätzen und Treppenstufen, auf den Altären und der Empore; sie bilden sternengleiche Muster Eine immense Arbeit. Eine halbe Stunde dauert das Anzünden im Team.

«Es kostet zwar Überwindung, so früh aufzustehen«, begrüsst Pastoralassistent Othmar Odermatt die Frauen, Männer und Kinder. «Aber gerade in dieser dunklen Zeit ist es wichtig, das Licht zu feiern. Menschen können selbst einander Licht sein. Darin wird Gott sichtbar.» Hörbar wird er in den leicht-lüpfigen Melodien der Geschwister Manuel, Eveline, Sonja und Florian Fuchs, die mit Akkordeon, Posaune, Klarinette und Kornett Seelenwärme in diesen Morgen zaubern. Ihre Mutter Beatrice Fuchs leitet sie an.

«Tauet, ihr Himmel, von oben»

Rorate-Feiern sind besondere Gottesdienste im Advent, die sehr früh und meist nur bei Kerzenlicht gefeiert werden.  Es gibt sie auch in vielen Luzerner Pfarreien. Rorate ist lateinisch und heisst «tauet». Es ist das erste Wort eines Verses aus dem Buch Jesaia, das den Adventsgedanken wiedergibt: «Tauet, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, lasst Gerechtigkeit regnen!» Auch Advent ist ein lateinisches Wort; es heisst übersetzt Ankunft. «Für uns Christen bedeutet die Adventszeit die Zeit der Ankunft von Jesus Christus. Es ist die Zeit der Vorbereitung auf die Menschwerdung Gottes», erklärt Adrian Wicki, Pastoralassistent in Ruswil. Die Lesung an der heutigen ersten Rorate-Feier nimmt darauf Bezug: «Steh auf, werde Licht, denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des Herrn geht strahlend auf über dir», heisst es beim Propheten Jesaia. Bei den Fürbitten singen alle gemeinsam: «Mache dich auf und werde Licht, denn dein Licht kommt.»

Was damit gemeint ist, erzählt Katechetin Silvia Buob kindergerecht in der Geschichte von der alten Stall-Laterne, die der kleine Philipp ergattert und dem Samichlaus schenkt, dem sie fortan auf seinem Weg durch den dunklen Wald leuchtet. Die alte Laterne, beinahe weggeworfen, strahlt. Silvia Buob sagt: «Jeder Mensch hat viele Talente. Es kommt nicht darauf an, auf welches ich setze; wichtig ist, dass ich mich auf den Weg mache.»  Am zweiten und dritten Rorate-Morgen wird sie weiter erzählen, was die alte Stall-Laterne erlebt.

Mut zur Einfachheit haben

Nach der Rorate-Feier treffen sich Erwachsene und Kinder zum Zmorge im Pfarreiheim: Gelegenheit, sich zu treffen und zu stärken vor Arbeit und Schule. Dafür sorgt jeweils der Pfarreiheim-Hauswart zusammen mit Freiwilligen aus verschiedenen Gruppen. An diesem  Morgen sind auch Jugendliche aus dem WARU (Wahlangebote Religionsunterricht Oberstufe) engagiert.

Die Tische sind auch bei diesem zweiten Teil der Feier gut besetzt; die Verantwortlichen freuts. Was dazu beiträgt, gelte für alle Generationen, meinen die Verantwortlichen. «Die Kirche einmal nur von Kerzen erleuchtet zu sehen, das fasziniert aber besonders die Kinder», meint Silvia Buob. Hinzu komme die musikalische Begleitung, die jede Woche eine andere Gruppe aus der Musikschule besorge. Othmar Odermatt spricht vom «Mut zum ganz Einfachen». In Ruswil heisst das: Einfache Bibeltexte, deren «Übersetzung» in eine Geschichte, keine Schriftsprache, sondern Dialekt. Für Silvia Buob selbstverständlich: «Als Erwachsene habe ich ja auch nicht gern schwierige Texte.»

Dominik Thali

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Buchtipp

Reinhard Abeln: «Das grosse Kinderbuch zum Kirchenjahr – Heilige, Feste, Brauchtum, Rituale», St.Benno-Verlag Leipzig, ISBN 978-3-7462-4199-9, ca. CHF 12.

Wer ein Kind verliert, stürzt aus der Welt. Und stösst oft auf Menschen, die in Überforderung verletzend reagieren. Die «FrauenKirche Zentralschweiz» gibt am zweiten Dezembersonntag mit einer ökumenischen Gedenkfeier Betroffenen Gelegenheit, Trauer und Schmerz zu teilen. Eine Möglichkeit, dem Unsagbaren Raum und Sprache zu leihen.

Julia kam an einem Novembersamstag vor zwei Jahren zur Welt. Und verliess sie nach einer Stunde schon wieder. Einfach so. Nichts hatte darauf hingedeutet. «Das hat uns den Boden unter den Füssen weggezogen», sagt ihre Mutter Katarina Honauer. Julia war ihre erste Tochter.

Den Schmerz teilen

Katarina und ihr Ehemann André Honauer leben in Küssnacht. Zwei Wochen nach dem Ereignis nahmen die beiden in Luzern an der jährlichen Gedenkfeier für und mit Menschen teil, die ein Kind verloren haben – manche bei der Geburt, andere später durch eine Krankheit oder einen Unfall; mitunter sitzen Frauen und Männer in den Reihen, bei denen der Verlust Jahre zurückliegt, die aber nie darüber sprechen konnten und allein damit fertig werden mussten. In der Lukaskirche teilen sie ihren Schmerz mit anderen Müttern und Vätern, mit Patinnen und Paten, Geschwistern und Grosseltern. «Sammle meine Tränen» heisst die Gedenkfeier, die es seit 2005 auf Initiative der «FrauenKirche Zentralschweiz» gibt. Die Theologin Li Hangartner brachte die Idee damals aus Deutschland mit und wollte damit ein Thema ans Licht holen, «von dem man nur weiss, wenn man selber davon betroffen ist», wie sie bis heute feststellt. «Der normale Lauf ist doch: Jemand wird schwanger, das Kind kommt zur Welt und ist gesund. Der Tod hingegen ist ein Tabu.»

Hilflosigkeit und Überforderung prägen den Umgang damit. Katarina Honauer erinnert sich, wie jemand «mitfühlend und aufmunternd» gemeint habe, sie solle froh sein, dass Julia gleich nach der Geburt gestorben sei, später wäre der Verlust «viel schlimmer» gewesen.
Die Gedenkfeier «Sammle meine Tränen» will mit Texten, Ritualen und Musik den trauernden Menschen «eine Sprache leihen, wenn sie noch in der eigenen Sprachlosigkeit verharren», erklärt Li Hangartner. Unter anderem sind alle eingeladen, den Namen ihres verstorbenen Kindes in das «Buch des Lebens» einzutragen, dessen Seiten sich mit den Jahren füllen. Im zweiten Teil der Feier werden diese Namen vorgelesen, und für jedes Kind brennt am Ende eine Kerze.

Die Schwere auflösen

Schmerz und Trauer verdichten sich dabei. Das sei kaum auszuhalten, findet Katarina Honauer, der Gang zum Lebensbuch sei für sie «sehr drückend» gewesen. Die Hebamme Susanne Leu, welche die Gedenkfeier mitgestaltet, kann dies mitfühlen. «Aber die Tränen in der Gemeinschaft fliessen lassen zu können, vermag auch Schwere im Bauch aufzulösen. Man fühlt sich nach der Feier leichter», meint sie. Leu macht auch die Erfahrung, dass Eltern und Angehörige, die glauben, den Verlust eines Kindes «anders tragen können und getragen werden». Es komme nicht darauf an, woran man glaube, aber der Glaube könne «ein innerer Lebensmotor» sein, wenn jemand dadurch einen Tod deuten könne, für den es keine medizinische Erklärung gebe.

Die Tränen fliessen zu lassen hilft. Das erlebte auch Katarina Honauer so. Hilfreich waren für sie daneben vor allem der Austausch mit Frauen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Anderen, die bei der Begegnung mit Menschen, die ein Kind verloren haben, unsicher sind, empfiehlt sie, auf vermeintlich gut gemeinte Aussagen zu verzichten: «Mitgefühl zu äussern reicht völlig.»

Dominik Thali

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Worldwide Candle Lighting

«Sammle meine Tränen» heisst die jährliche ökumenische Gedenkfeier in Luzern für Menschen, die um ein Kind trauern. Sie findet seit zehn Jahren jeweils am zweiten Sonntag im Dezember statt, am Weltgedenktag für alle verstorbenen Kinder.


Der Theologe Lukas Fries-Schmid lebt mit seiner Frau Sandra Schmid Fries und den Zwillingen Salome und Mirjam (4) in der franziskanisch geprägten Gemeinschaft «Sunnehügel» in Schüpfheim. Er erzählt, inwiefern Glaube im Familienleben Thema ist und wie man als Familie in einer religiösen Gemeinschaft lebt.

Wie leben Sie Ihren Glauben innerhalb der Familie?
Lukas Fries-Schmid: Ich trenne Alltag und Glauben nicht, sondern lebe bestimmte Werte: Geschwisterlichkeit im Umgang mit den Gästen und den anderen Mitgliedern der Kerngemeinschaft, einen achtsamen Umgang mit der Schöpfung. Solche Werte sind Ausdruck meines Glaubens. Die Kinder erleben das mit, wie in jeder anderen Familie, die vielleicht nicht explizit religiös ist.

Ist Glauben dennoch auch explizit Thema?
Ja, wir versuchen, den Glauben auch zur Sprache zu bringen. Wir haben innerhalb der Familie ein Abendritual: Wenn die Kinder im Bett sind, nennt jedes Familienmitglied ein paar Dinge, für die es an diesem Tag danke sagen möchte. Das Ritual ist sozusagen die ignatianische Übung der «liebenden Aufmerksamkeit» im Tagesrückblick, übersetzt in Kindersprache.

Wofür sagen die Kinder danke?
Sie danken dafür, dass sie zum Grossmami spielen gehen durften, dass es Schokolade zum Dessert gegeben hat. Manchmal nennen sie etwas, auf das sie sich freuen. Es ist spannend zu hören, wie sie hier Dinge zur Sprache bringen, die ihnen wichtig sind.
Die Gotte hat erzählt, Jesus sei wiederaufgetaucht.

Wie vermitteln Sie den Kindern Glaubenswissen?
Das muss natürlich altersgerecht sein. Ich finde es nicht leicht, Bilder zu finden, die kindergerecht sind und theologisch stimmen. Ich scheue mich nicht, von Gott zu sprechen. Ich kann aber auch die göttliche Gegenwart in allem zur Sprache bringen, wenn die Kinder einen Käfer bestaunen. Wir erzählen ihnen auch biblische Geschichten oder solche, in denen christliche Werte Thema sind. Kinder müssen ihre Spielsachen teilen, Konflikte lösen, ihre Bedürfnisse abgleichen. Es gibt viele Bilderbücher, die von solchen Themen handeln.

Verstehen die Kinder die biblischen Geschichten?
Bei explizitem Glaubenswissen fällt mir immer wieder auf, wie weit die religiöse Sprache von der Erfahrungswelt der Kinder entfernt ist. Jemand hat unseren Kindern die Ostergeschichte erzählt, Jesus sei auferstanden. Am Tag danach hat meine Tochter zu mir gesagt: «Die Gotte hat erzählt, Jesus sei wiederaufgetaucht.» Das Wort «auferstehen» sagt ihnen nichts, aber sie haben im Grunde verstanden, worum es geht. Sie finden oft ihre eigene Sprache.

Sie leben als Familie in einer modernen klösterlichen Gemeinschaft. Wie geht Familienleben mit einem klösterlichen Rhythmus zusammen?
Der Rhythmus der Gemeinschaft ist ein anderer als jener der Kinder, das ist manchmal wirklich ein Spagat. Aber zwischen neun und vier Uhr ist ein gemeinsamer Rhythmus möglich. Die Kinder essen in der Regel mittags mit der Gemeinschaft, und je nach Situation sind sie auch darüber hinaus dabei. Je älter sie werden, desto eher ist es möglich, dass wir am Morgen in der Gemeinschaft mitarbeiten und die Kinder auch in der Küche oder im Garten sind. Wir sind dann vielleicht etwas weniger effizient, weil wir auch die Kinder im Auge haben müssen.

Nehmen die Kinder an den Gebetszeiten der Gemeinschaft teil?
Das Gemeinschaftsgebet ist nicht auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten. Sie brauchen andere Ausdrucksformen, als eine halbe Stunde stillzusitzen. Daher sind die Kinder in der Regel nicht dabei. Jeweils am Samstagabend singt die Gemeinschaft gemeinsam, da nehmen wir die Kinder ab und zu mit. Am Ostersonntag gab es bei uns morgens um halb sechs eine Auferstehungsfeier, wo die Kinder dabei waren. Sie haben anschliessend ganz viel vom Feuer, von den Kerzen, von den vielen Liedern erzählt. Das hat sie offensichtlich beeindruckt.

Schlägt sich das klösterliche Leben im Alltag der Kinder nieder?
Kürzlich gab es eine witzige Situation: Wir sind soeben in einen neuen Anbau des Klostergebäudes eingezogen. Beim Umzug sind Kopfhörer aufgetaucht, die als Gehörschutz dienen. Salome setzte sich diese auf und sang voller Inbrunst sehr laut in den Gang mit den Arbeitern hinein: «Halleluja! Halleluja!» An solchen Situationen merkt man, dass sie Klosterkinder sind.

Hat Ihr Vater-Sein Ihren Glauben verändert?
Mein Gottesbild hat sich verändert. Wir mussten von der ersten Minute der Schwangerschaft an um die Leben der Zwillinge bangen. Dadurch wurde mir auf einen Schlag bewusst, dass ich als Vater ganz und gar in der Verantwortung bin, jedoch keinerlei Macht darüber habe, was ist und was sein wird. Die Letzte Macht ist bei jemandem anders. Mit dieser Spannung muss ich lernen umzugehen: Ich bin gefordert, als ob alles von mir abhinge, gleichzeitig kann ich gar nichts machen. Genau darum geht es im ganzen Leben.

Sylvia Stam / kath.ch

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Zum Ort

Im Sonnenhügel – Haus der Gastfreundschaft in Schüpfheim lebt eine kleine Kerngemeinschaft vor Ort, während weitere Gäste für eine begrenzte Zeit mitleben können. Die Gäste befinden sich oft in einer psychischen, geistlichen oder sozialen Krise. 1993 stellten die Kapuziner ihr Klostergebäude dem Projekt Sunnehügel zur Verfügung. Nach der Pionierzeit und der Konsolidierungsphase lebt heute die dritte Generation der Kerngemeinschaft im Haus. Sie besteht derzeit aus fünf Personen, die verheiratet, alleinstehend oder Ordensmitglied sind. Die Gemeinschaft pflegt einen klösterlichen Lebensrhythmus mit zwei Gebetszeiten täglich. 

Ein Kind taufen heisst: Es in die Gemeinschaft der Pfarrei aufnehmen. In Römerswil kein leeres Wort: Hier lädt der Pfarreirat die Taufkinder des vergangenen Jahres und ihre Familien immer am Palmsonntag zu einem Fest ein. Der Taufbaum, auf dem die Namen der Täuflinge angebracht wurden, fällt, mit dem Holz wird grilliert und eine Woche später die neue Osterkerze entzündet. Ein Kreislauf des Lebens.

Die Taufe, ein Sakrament, ist ein Zeichen der Nähe Gottes, will für das Kind ein Segen sein. «Sie heisst: Du bist angenommen und geliebt; so, wie du bist», sagte Katechetin Rita Amrein-Stocker gestern (25. März 2018) den Familien der 15 Mädchen und Buben, die übers Jahr in der Pfarrei Römerswil getauft worden waren. Die Kinder wachsen in ihre Familien, aber auch die Pfarreigemeinschaft; «das will das Taufbaumfest bewusst machen», erklärte Pfarreiratspräsidentin ad interim Susanna Beck. «Leben entsteht, ist ein Wunder und braucht aber auch Begleitung.»

Zeichen davon ist der Taufbaum aus dem Wald der Kirchgemeinde, den der Pfarreirat jeweils am Karsamstag vor der Kirche aufstellt. Wird ein Kind getauft, schreibt er dessen Namen gross auf eine farbige Holztafel und befestigt diese am Stamm. Die Täuflinge werden also nicht nur ins Taufbuch der Pfarrei eingetragen, sondern auch nach aussen gut sichtbar willkommen geheissen. Am Palmsonntag schliesst sich der Kreis. Dann sind die Familien der Taufkinder zum Taufbaumfest eingeladen. Auch diesen Anlass organisiert der Pfarreirat 1. Man trifft sich um 16 Uhr, gemeinsam wird der Baum gefällt, die Namenstafeln werden abgeschraubt und den Familien mit nach Hause gegeben. Vor der Kirche kommt es zum Stelldichein der Kinderwagen und herrscht ein fröhliches Treiben. Manche der jungen Mütter und Väter lernen sich an diesem Tag erst kennen.

«Getauft – und jetzt?»

In der Kirche In der Kirche laden Rita Amrein und Benjamin Meier Eltern und Kinder in den Kreis um die Osterkerze. «Kinder müssen wir nicht glauben lehren; das Gottvertrauen ist ihnen angelegt», weiss sie aus Erfahrung. Die Kleinkinderfeiern, die in Römerswil Martina von Moos, Andrea Bucher, Michaela Huber und Susannne Achermann gestalten, sollen die Mütter und Väter in der spirituell-religiösen Erziehung ihrer Mädchen und Buben zusätzlich unterstützen. Zum zweiten Mal erhalten die Eltern zudem eine kleine Schatztruhe, auf dem der Name ihres Kindes steht und in dem allerlei Tipps und Hinweise zu diesem Thema enthalten sind. Neu lädt Römerswil kommenden Herbst die jungen Eltern und ihre Kinder zur Reihe «Getauft – und jetzt?»  ein, drei Veranstaltungen für Mütter und Väter, um sich über religiöse Fragen und Themen auszutauschen, um Kirche und Glaube zu erleben, um voneinander und miteinander zu lernen – ein Pilotprojekt, an dem auch der Pastoralraum Baldeggersee, die reformierte Kirche und die Landeskirche beteiligt sind.

Ein solches «– und jetzt?» ist freilich auch schon das Taufbaumfest selbst. Nach der Viertelstunde in der Kirche wechseln Eltern und Kinder in die Kaplanei, wo Reto Bucher und Othmar Feer inzwischen mit einem Teil des gefällten Stammes ein Feuer unterm Grill entzündet haben. Schon bald brutzeln darauf Würste, was mit den Salaten und Kuchen, die viele mitgebracht haben, ein feines  Znacht gibt. An den Tischen hebt ein grosses Plaudern an, Kinder wuseln herum und Kontakte werden geknüpft.

Das restliche Holz des Taufbaums wird derweil beiseite gelegt. Es wird am folgenden Samstag im Osterfeuer verbrannt werden. Daran wird die neue Osterkerze entzündet, und in der Osternacht auch das neue Taufwasser geweiht. Ostern – das Fest des Lebens, das Wunder geht weiter.

Dominik Thali

1 Dem Pfarreirat Römerswil gehören an: Antonia Wicki, Priska Fuchs, Monika Minder, Susanna Beck, Reto Bucher, Claudia Vogel und Benjamin Meier als Vertreter des Seelsorgeteams.

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