Kirche bietet handfeste Hilfe. In Luzern unterstützt die kirchliche Gassenarbeit Menschen, die von Sucht und Armut betroffen sind, in allen Lebenlagen. Die Kirche, damals Gründerin des Trägervereins, setze hier ihre urchristliche Haltung in die Tat um, sagt Seelsorger Franz Zemp.

«Uns geht es um die Würde jedes einzelnen Menschen, um Gerechtigkeit und Selbstverantwortung», sagt Zemp. Das heisst zum Beispiel, ganz praktisch: In der Kontakt- und Anlaufstelle gibts Duschen und saubere Kleider. «Damit Frauen und Männer trotz Sucht und Armut einigermassen gepflegt, frisiert und gut angezogen unterwegs sein können», wie die Mitarbeiterin Angelika Wanner sagt. Oder das Paradiesgässli: Es kümmert sich um die Kinder von süchtigen oder armutsbetroffenen Eltern. Hier geht es um Verantwortung und Erziehungskompetenz, um Rechts- und Finanzfragen.

Der Barmherzige Samariter machte es vor

«Dabei entscheiden wir nicht über jemanden, sondern mit ihm», betont Franz Zemp. Der Theologe ist seit August 2015 Seelsorger «uf de Gass» und seither für die Menschen am Rand ein Boot-Schafter in vielerlei Hinsicht: er hört zu, hat Zeit, findet die Worte, wenn sie anderen fehlen. Sich einzusetzen für andere sei «eine urchristliche Aufgabe», sagt Zemp, und beruft sich dabei auf den barmherzigen Samariter aus der Bibel, der für den von Wegelagerern Ausgeraubten zu einer Herberge führt und den Wirt für Obdach und Pflege entlöhnt.

Die katholische Kirche Stadt Luzern hatte die Gassenarbeit 1985 gegründet; sie bildet bis heute mit der reformierten Stadtkirche und den drei Landeskirchen die ökumenische Trägerschaft des Vereins Kirchliche Gassenarbeit. Längst fliessen auch staatliche Gelder in die Gassenarbeit; Kirchen und Staat teilen sich die Aufgabe heute in gegenseitiger Verantwortung.

Viele Anlegestellen

Die kirchliche Gassenarbeit Luzern besteht aus fünf Betrieben: der Gassenküche, der Kontakt- und Anlaufstelle, dem Schalter 20, der aufsuchenden Sozialarbeit und der Seelsorge. Vergangenes Jahr nutzten rund 950 Klientinnen und Klienten diese Angebote (siehe Kasten).

Vertreterinnen und Vertreter der Betriebe erklären im ersten Kurzfilm, der im Jubiläumsjahr der Landeskirchen entsteht, was «Kirche kommt an» bei ihnen bedeutet. Im Verlauf des Jahres entstehen drei weitere solche Filme; Regie führt jeweils die Luzerner Filmemacherin Antonia Meile. Von weiteren Anlegestellen berichten die Kirchen in Text und Bild; alle Beiträge sind über die Website kirche-kommt-an.ch verfügbar. Unter anderem führt die Bootsfahrt im Februar zur Notfallseelsorge und am 15. März zum Wallfahrtsort Heiligkreuz.

Dominik Thali

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Praktische Hilfe im Alltag

«Wir wissen, dass es nie eine suchtfreie Gesellschaft geben wird. Die Suchtformen wie auch unser Zielklientel verändern sich indessen ständig. Uns ist es wichtig, zeitgemäss zu bleiben», sagt Franziska Reist, Geschäftsführerin des Vereins Kirchliche Gassenarbeit seit Oktober 2018. Darauf war der Verein schon immer bedacht. So führte er beispielsweise im Jahr 2000 ein damals ein in der ganzen Schweiz einzigartiges Angebot für suchtbetroffene Eltern und ihre Kinder ein – das Paradiesgässli. Dieses feiert nun im Februar 2020 sein 20-jähriges Bestehen. 

Im vergangenen Jahr (2019) nutzten insgesamt 949 Klientinnen und Klienten die Angebote des Vereins Kirchliche Gassenarbeit, durchschnittlich 80 Klientinnen und Klienten suchten täglich die GassenChuchi – Kontakt- und Anlaufstelle auf. 10‘447 Essen wurden ausgegeben, 387 Wunden behandelt. 338 Mal wurde geduscht und 572 wurden Kleider gewaschen. Die Beratungsangebote führten 90 Einkommensverwaltungen und 304 Sozialberatungen und das Paradiesgässli betreute 80 Familien mit deren 100 Kindern.

Und was hältst du von der Kirche? Wie kommt Kirche bei dir an? Im Kurzfilm, der zum Jubiläumsjahr der Luzerner Landeskirchen entsteht, lassen wir Menschen zu Wort kommen, die wir auf der Strasse getroffen haben. Erstmals zu sehen sein wird der Vierminüter anlässlich der Synoden der katholischen und reformierten Landeskirchen am 20. Mai.

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Das Ruderboot, mit dem die Luzerner Landeskirchen in ihrem Jubiläumsjahr unterwegs sind, wurde vor etwa 70 Jahren auf dem Zürichsee eingewassert. Dass es zuletzt einem reformierten Pfarrer gehört hatte – reiner Zufall. Aber passend.

Die Kirchen hatten das Boot vergangenen Sommer auf einer Auktionsplattform entdeckt und erwarben es von Bootsbauer Stefan Züst in Altnau am Bodensee. Züst hatte es vor einigen Jahren geschenkt erhalten und wartete auf einen Käufer, um es für diesen wieder seetüchtig zu machen. Für die Kirchen war das sichtbar angejahrte Schiffchen aber genau das Gesuchte: Einst von Meisterhand gefertigt, doch deutliche Altersspuren aufweisend. Unter anderem fehlte eine halbe Planke. «Wie ein Symbol für unsere Kirche, die immer wieder erneuert werden muss, die auch Makel und Risse hat», sagt die katholische Synodalratspräsidentin Renata Asal-Steger. Bischof Felix Gmür begab sich in seiner Weihnachtsbotschaft 2019 ebenfalls aufs Wasser: Es brauche Mut, immer wieder neu und voller Zuversicht die Segel des grossen Schiffes zu setzen, das wir Kirche nennen, schrieb er. «Aber es lohnt sich: Der Wind des Heiligen Geistes ist uns verheissen. Er bläst auch in die zusammengeflickten, zum Teil löchrigen Segel, das Schiff bewegt sich, wenn auch auf schlingerndem Kurs.»

Eine «ganz schöne Geschichte»

Isuf Bicaj und Abdi Besnik heissen die zwei Caritas-Transpörtler, die Mitte September für die Kirchen in die Ostschweiz fuhren, um die neue Errungenschaft der Kirchen abzuholen. Das knapp fünf Meter lange Ruderboot war einst in der Werft Kalchofner am oberen Zürichsee gebaut worden, wohl in den 40er- bis 50er-Jahren, schätzt Stefan Züst. Diese gibt es nicht mehr – wohl aber war der Schiffsausweis noch vorhanden, der auf den letzten Eigner hinwies: Martin Länger aus Thalwil. Und hier fängt die «ganz schöne Geschichte» an, wie dessen Frau Elisabeth im November am Telefon meinte, als wir uns endlich auf die Spurensuche machten. Nacherzählt werden kann diese zwar nicht, weil sich Längersche Mutmassungen nachträglich nicht verbürgen liessen. Martin Länger war zwei Wochen vor unserem Anruf mit gut 88 Jahren verstorben. Dass dieser jedoch reformierter Pfarrer in Kilchberg war und das Boot nun also gewissermassen wieder in einem kirchlichen Hafen ankert ist, ist allein schon der Erwähnung wert.

Die Fachleute von der Caritas

Zwischen Abholung und Spurensuche lagen einige Wochen, in denen das Kirchenboot in den Werkstätten der Caritas Luzern in Littau aufgefrischt wurde. Mit ebenso viel Sachkenntnis wie Liebe. Unter der Leitung von Schreiner Renato Stiz legten Nemanja Sladojevic, Haile Tesfamatiam und Mahamed Ali Nur Hand an: Sie putzten und schliffen, setzten das fehlende Plankenstück ein und versahen das Boot am Bug und Heck mit dem Jubiläumslogo.

Mit Stiz – auch das eine schöne Geschichte – leitete genau der richtige Mann die Arbeiten: Wer sonst hätte, zum Beispiel, gewusst, dass eine Schiffsplanke nicht einfach genagelt oder verschraubt werden darf, sondern mit kupfernen Nägeln befestigt werden muss, die auf der Gegenseite vernietet werden müssen? «Wenn schon, machen wir es stilecht», sagt Stiz, der – jetzt kommts – früher aktiver Segler war und den Holzbau als seine Leidenschaft bezeichnet. Man siehts dem Ergebnis an. Der «sicher aussergewöhnliche Auftrag» (Stiz) hat offensichtlich Freude gemacht. Und bereitet solche umgekehrt den Kirchen, wenn sie nun mit ihrem Boot auf Jubiläums-Kreuzfahrt gehen.

Dominik Thali

Wo das Kirchenschiffchen überall anlegt, ist offen. Interessierte können sich hier melden.

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«Kirchen haben uns Arbeit geschenkt»

Kirche kommt an – bei der Caritas schon lange. Die katholische Landeskirche war 1982 Gründerin der Caritas Luzern; seither ist sie mit «ihrem» Hilfswerk eng verbunden und unterstützt es jährlich mit 290’000 Franken. Damit ermöglicht die Caritas zum Beispiel jungen Menschen eine Ausbildung. Oder fördert die Freiwilligenarbeit.

Klar, dass die Kirchen die Caritas auch in ihrem Jubiläumsjahr ins Boot holen – wörtlich. Mitarbeiter holten dieses im September am Bodensee ab und überholten es anschliessend in der Caritas-Werkstätten in Littau (Text nebenstehend). «Die Arbeitsintegrationsprogramme der Caritas Luzern leben davon, Aufträge zu bekommen. Das haben die Landeskirche gemacht. Sie haben uns Arbeit geschenkt», freut sich Geschäftsleiter Thomas Thali. Aber nicht nur das, «sondern auch Freude», sagt Thali. Die beteiligten Menschen hätten sich über das fertige Boot gefreut, und sie freuten sich wieder, wenn sie es durchs Jahr hindurch wieder sähen. Solche guten Erfahrungen gebe es viele im Alltag der Caritas Luzern, «und damit wird Kirche spürbar», stellt Thali fest. Die Caritas Luzern verstehe sich in ihrer Arbeit als Teil der Diakonie der Kirche.

Die zwei grossen Luzerner Landeskirchen feiern 2020 das 50-jährige Bestehen gemeinsam. Die katholische und die reformierte Synodalratspräsidentin, Renata Asal-Steger und Ursula Stämmer-Horst, über die verbindende«Boot-Schaft» der beiden Kirchen.

Die katholische und reformierte Kirche des Kantons Luzern feiern 2020 ihr 50-jähriges Bestehen als Landeskirche. Was ist an dieser Errungenschaft heute noch wichtig?

Ursula Stämmer-Horst: Wir feiern die Anerkennung der katholischen und evangelischen Kirche als Landeskirchen. Die christkatholische Kirche wurde schon viel früher anerkannt, als sie im Kanton Luzern Fuss fasste, feiert aber auch mit uns. Diese Errungenschaft ist bedeutsam, da es in Luzern lediglich drei Kirchen gibt, die als Landeskirchen anerkannt sind. Die Anerkennung bringt unter anderem mit sich, dass wir Steuern einziehen dürfen und unsere Verfassung vom Kanton anerkannt wird.

Renata Asal-Steger: Für die katholische Landeskirche gibt es noch einen weiteren Punkt hervorzuheben. Wir haben eine duale Struktur und damit zwei Führungslinien, die pastorale und die staatskirchenrechtliche.  Die Anerkennung als Landeskirche bedeutet für uns, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen, also auch wir als «Laien», auf der behördlichen Seite, in diese Verantwortung eingebunden sind.  

Was möchten Sie mit dem Bild «gemeinsam in einem Boot» zum Ausdruck bringen?

Renata Asal-Steger: Das Boot ist ein urchristliches Symbol, das sich im Alten und Neuen Testament wiederfindet. Wir haben uns für ein Ruderboot entschieden, weil es nicht nur Schutz bietet und ein Verkehrsmittel ist, sondern auch die eigenen Kräfte eingesetzt werden müssen, um vorwärts zu kommen. Man kann sich zudem die Frage stellen, wohin die Reise geht und ob unterwegs Stürme auftreten könnten. Zudem nutzen wir ein gebrauchtes Boot, das wir restauriert haben.  Auch das ist ein Symbol für unsere Kirche, die immer wieder erneuert werden muss, die auch Makel und Risse hat.

Ursula Stämmer-Horst: Wir suchten lange nach einem Symbol, das bei allen Beteiligten ankommt. Es gab verschiedene Ideen, über die wir uneins waren. Wir einigten uns auf den gemeinsamen Slogan «Kirche kommt an». Dieser Slogan brachte uns zu einem Boot, das als Logo wunderbar dazu passt. Im Laufe des nächsten Jahres verwenden wir ein richtiges Ruderboot, das an vielen Veranstaltungen eingesetzt wird, begleitet von «Boot-Schafterinnen», «Boot-Schaftern» und deren Geschichten. 

Welche Feierlichkeiten sind geplant, mit welchem Ziel?

Ursula Stämmer-Horst: Wir möchten zum einen Menschen über unsere Mitglieder hinaus erreichen. Zum anderen ist es ein Prozess der Annäherung und eine Auseinandersetzung unserer zwei Kirchen. Wir haben den gleichen Auftrag, die Nachfolge Jesus Christi. Es geht um die Einheit der Christen. Nur wenn wir näher zusammenrücken, geht dieser Prozess weiter.

Renata Asal-Steger: Im Frühling veranstalten wir die Synode am selben Tag, es gibt ein gemeinsames Mitarbeiterfest, wir beteiligen uns erstmals an der «Langen Nacht der Kirchen» und zwar gleich mit mehr als 100 Pfarreien, Kirchgemeinden und Organisationen. Am Buss- und Bettag im September laden wir gemeinsam mit dem Kanton zu einer öffentlichen Feier in Willisau ein.

Wir könnten viele Projekte nicht umsetzen, wenn wir nicht mit der katholischen Kirche zusammenarbeiten würden.

Ursula Stämmer-Horst, reformierte Synodalratspräsidentin

Versuchen Sie die Gemeinsamkeiten oder die Gegensätze zwischen den zwei Landeskirchen hervorzuheben?

Renata Asal-Steger: Es ist wichtig, dass wir die Kräfte bündeln. Wir arbeiten nicht gegeneinander, sondern miteinander. Wir haben die gleiche Botschaft, das Evangelium. Ein Gegeneinander würde dieser Botschaft widersprechen. Wir haben gemeinsame Kommissionen, regelmässige Kontakttreffen, sind gemeinsam Trägerinnen von Institutionen. Und auch vor Ort funktioniert die ökumenische Zusammenarbeit sehr gut. Nur mit vereinten Kräften kann man etwas bewirken. 

Ursula Stämmer-Horst: Wir sind eine Familie. Auch wenn wir Reformierten finanziell und personell nicht so gut aufgestellt sind, wie die Katholiken. Wir könnten viele Projekte nicht umsetzen, wenn wir nicht mit der katholischen Kirche zusammenarbeiten würden, wie im Falle der Gassenküche, bei der Notfall- oder Hochschulseelsorge, oder dem Hospiz in Littau. Die Zusammenarbeit mit den Katholiken gibt uns die Chance, dass wir Wirkung erzielen können.

Es heisst, die Ökumene im Kanton Luzern sei einzigartig in der Schweiz. Ist sie das?

Ursula Stämmer-Horst: Im Kanton Luzern gibt es eine lange Tradition der Ökumene. Sie funktioniert bis weit ins Entlebuch hinein. Sie ist akzeptiert und erwünscht von allen.

Renata Asal-Steger: Ich glaube man kann durchaus sagen, dass wir im Kanton Luzern ökumenisch beispielhaft unterwegs sind.

Was sind Ihre frühen, ganz persönlichen Erlebnisse mit «den anderen»?

Renata Asal-Steger: Ich bin sehr ländlich in einem katholischen Dorf aufgewachsen. Dort gab fast es nur Katholikinnen und Katholiken. Eine einzige Schulkollegin war reformiert. Das Miteinander von Reformierten und Katholiken erlebte und erlebe ich immer als sehr respektvoll. 

Ursula Stämmer-Horst: Ich bin in einem ökumenisch geprägten Haus aufgewachsen. Als wir Kinder waren, haben wir uns gegenseitig angestachelt. Wir haben uns spasseshalber Übernamen nachgerufen, wir Protestanten waren die Brotwürst. Wir wollten immer beichten gehen, wurden in der Kirche und nicht wie die anderen im Schulhaus unterrichtet.

Ich vernehme wieder, die Kirchen sollen ihre Stimme erheben bei sozialpolitischen und ökologischen Themen. Ich meine auch, hier sollten wir mutiger sein. 

Renata Asal-Steger, katholische Synodalratspräsidentin

Ist die Erwartungshaltung gegenüber der kirchlichen Arbeit gestiegen?

Ursula Stämmer-Horst: Nicht nur die Erwartungshaltung der Gläubigen ist gestiegen, vielmehr auch jene des Staates. In der Asylarbeit etwa, die der Kanton Luzern übernommen hat, muss sich die Kirche vermehrt abgrenzen. Wir wollen helfen, können aber aus finanziellen und Ressourcen Gründen nur subsidiär tätig werden.

Renata Asal-Steger: Von den Kirchen wird heute vor allem glaubwürdiges Handeln erwartet. Sie sollen da sein für die Menschen,  die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Und sie sollen sich für die Bewahrung der Schöpfung engagieren. Auch vernehme ich immer wieder, die Kirchen sollen ihre Stimme erheben bei sozialpolitischen und ökologischen Themen. Ich meine auch, hier sollten wir mutiger sein.   

Wie stehen Sie zur Stellung der Frau in der katholischen Kirche?

Renata Asal-Steger: Die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen in der katholischen Kirche schmerzt mich. Es ist stossend, dass die katholische Kirche sich nach aussen für die gleiche Würde von Frau und Mann einsetzt, diese aber nach innen nicht verwirklicht. Gleichzeitig spüre ich, dass die katholische Kirche meine religiöse Heimat ist. Deshalb setze mich in unserer Kirche beherzt und beharrlich ein, dass sich in der Frauenfrage etwas verändert. Ich weiss, dass mit diesem Anliegen bereits viele andere, auch zahlreiche Männer, schon länger unterwegs sind. Und ich weiss auch und kann verstehen, dass viele resigniert haben und müde geworden sind. 

Ursula Stämmer-Horst: Ich bin sehr froh, in eine protestantische Familie geboren worden zu sein. Und verstehen Sie das bitte nicht falsch. Ich ärgere mich einfach darüber, dass es so viele engagierte Frauen bei den Katholiken gibt, deren Potential nicht genutzt wird. Gleichzeitig muss man relativieren. Es hat auch bei uns Protestanten sehr lange gedauert, bis erstmals eine Frau als Pfarrerin anerkannt wurde.

Wie sieht die Zukunft der Landeskirchen aus?

Ursula Stämmer-Horst: Wir werden weniger Mitglieder zählen, kleiner sein und daher mehr zusammenarbeiten müssen. Die Zukunft der Kirche liegt für mich klar in der Seelsorge. Die Kirche muss Möglichkeiten bieten für Begegnungen. Der Dialog mit den Menschen ist wichtig. Ich werde häufig von Menschen auf meine Tätigkeit in der Kirche angesprochen und ich nehme diese Chance immer gerne wahr.

Renata Asal-Steger: Eine Herausforderung heute ist die geringere Verbundenheit der Menschen mit der Kirche. Die Kirche muss hörbar, spürbar, sichtbar werden. Sie muss an den Brennpunkten des Lebens präsent sein, sich mit dem auseinandersetzen, was die Menschen beschäftigt. Wir müssen raus gehen, die Menschen müssen uns spüren. Die Kirchen sind heute nach wie vor wichtig, gerade auch für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt.

Interview: Carmen Schirm

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Hauptanlass «Lange Nacht der Kirchen»


«Kirche kommt an» heisst das Motto, unter dem die katholische und reformierte Landeskirche im Kanton Luzern 2020 gemeinsam das 50-jährige Bestehen feiern. Bild dafür ist ein Boot, das in Kirchgemeinden und Pfarreien sowie in sozialen Einrichtungen anlegt, die von den Kirchen mitgetragen werden. Dort erzählen Menschen, was ihnen die Kirche bedeutet, wie diese bei ihnen ankommt. Ihre Geschichten erzählen sie auf www.kirchen-kanton-luzern.ch, in den kirchlichen und weiteren Medien.
Hauptanlass für die Bevölkerung im Jubiläumsjahr ist die Lange Nacht der Kirchen am 5. Juni. Der Kanton Luzern nimmt erstmals daran teil – und gleich mit über 100 Mitmachenden. Am Bettag, am 20. September, laden die Kirchen gemeinsam mit dem Kanton nach Willisau zu einer gemeinsamen Feier ein.

Weitere Termine

  • 20. Mai: Premiere des Kurzfilms «Kirche kommt an» an den jeweiligen Synoden, im Anschluss gemeinsame Feier der beiden Kirchen­parlamente
  • 28. August: gemeinsames Fest der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

In einem Boot unterwegs war schon Jesus. Die Landeskirchen holen nächstes Jahr anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens ihre Boot-Schafterinnen und Boot-Schafter an Bord und lassen sie vom Schiff aus ihre frohe Boot-Schaft erzählen. Das Motto: «Kirche kommt an». In doppelter Hinsicht.

Die Kirche gibts schon 2000 Jahre, ihre kantonale, staatskirchenrechtliche Organisation, die Landeskirchen, in Luzern aber erst seit 1970. Bis dahin regelte der Kanton die Kirchgemeinden in seinem alten Gemeindegesetz selber.

Wie die Kirche ankommt. Und wo

50 Jahre katholische und reformierte Landeskirche – das wird 2020 gemeinsam gefeiert, gemeinsam auch mit der schon seit 1932 anerkannten Christkatholischen Kirchgemeinde Luzern. «Kirche kommt an» lautet das Motto, das sich durch das Jahr zieht. Was damit gemeint ist: Kirche kommt an, wenn sie bi de Lüüt ist und vo de Lüüt erlebt wird als Bereicherung im eigenen Leben und für das Leben anderer – durch Gemeinschaft, Hilfe im Alltag und Werthaltungen. Die Landeskirchen wollen deshalb im Jubiläumsjahr sichtbar machen, was Kirche will und kann, was sie vor Ort leistet und für die Gesellschaft bedeutet. Im Kanton Luzern gehören 70 Prozent der Bevölkerung einer der drei Landeskirchen an. In Erinnerung rufen wollen sich die Kirchen besonders bei jenen Menschen, die mit ihnen nur noch lose verbunden sind.

Dafür sind sie im Jubiläumsjahr unter anderem mit einem Boot unterwegs, einem alten Ruderboot, das Mitarbeitende der Caritas Luzern instand gestellt und beschriftet haben. Das Schiff ist ein altes christliches Symbol. Mit Hilfe des Kirchen-Boots erzählen Menschen als Boot-Schafterinnen und Boot-Schafter der Kirche, wie diese bei ihnen ankommt – in einem Gottesdienst, in der Gassenküche, im Sommerlager oder bei einer Beratungsstelle. Ihre Geschichte(n) wird man, aufgeschrieben, fotografiert und gefilmt, auf kirche-kommt-an.ch finden. «Geschichten und Bilder bewegen, wecken Gefühle. Die Kirche ist voll davon. Und voller authentischer Erzählerinnen und Erzähler», heisst es dazu im Konzept. Das Boot, die frohen Boot-Schaften, führen nicht nur zu wirklicher Begegnung, es wächst dadurch auch online ein Gesamtbild vom Wirken und der Bedeutung der Kirche in der Gesellschaft, das über das Jubiläumsjahr hinaus von Belang ist und ergänzt werden kann.

Hauptanlass «Lange Nacht der Kirchen»

Das Projekt «Kirche kommt an» wird von einer ökumenischen Arbeitsgruppe seit 2018 geplant und umgesetzt. Das Teilprojekt «Boot-Schafterinnen/Boot-Schafter» ist nur eines von mehreren; es wird auch einen Animationsfilm geben, eine Feier der beiden Synoden und einen grossen Bettagsanlass. Der Hauptanlass findet am 5. Juni statt: Dann nimmt der Kanton Luzern erstmals an der «Langen Nacht der Kirchen» teil.
Leinen los und Anker lichten heissts im Januar – dann gibt es gedruckt und online mehr zum Jubiläumsjahr zu erfahren.

Dominik Thali

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Wie geraten Menschen in eine ausweglose Situation der Überschuldung? Wann merken sie, dass nur noch eine professionelle Beratung von aussen hilft? Wie hilft die Luzerner Fachstelle für Schuldenfragen – mit Unterstützung der Kirche? Zwei Betroffene geben Auskunft.

Sandra R. (Namen der Betroffenen geändert) arbeitet in einer öffentlichen Verwaltung mit einer Festanstellung von 50 Prozent. Dass sie immer noch Schulden bedrücken und sie nur langsam den Weg aus der Überschuldung findet, sieht man der geschiedenen Frau nicht an. Sie möchte auch nicht, dass das alle mitbekommen, am wenigsten ihre Kinder zwischen acht und zwölf Jahren.

Die Schuldenspirale beginnt sich zu drehen

«Die Schuldenspirale begann mit der Trennung», erzählt Frau R. «Ich erhielt Alimente vom geschiedenen Mann, aber begrenzt, da er selbst schon am Existenzminium lebte. Gearbeitet habe ich zuerst einen Tag. Wegen 100 Franken zu viel Einkommen kam ich nicht in die Sozialhilfe. Zwar konnte ich dann in der Arbeit auf 50 Prozent aufstocken, aber durch das Mehreinkommen verringerten sich die Alimente. Im Endeffekt hatte ich nicht mehr, und es reichte einfach nicht.»

«Die Beratung fand auf Augenhöhe statt, sie verlief immer respektvoll.»

Die Auswirkungen zeigten sich für die alleinerziehende Mutter schnell: Rechnungen sammelten sich an, die Krankenkassenprämien konnte sie nicht mehr vollständig zahlen. Aufgrund einer Senkung der Einkommensgrenze für den Bezug von Prämienverbilligungen der Krankenkasse war sie nicht mehr bezugsberechtigt, die Mehrauslagen konnte sie kaum noch stemmen. Um die Rechnungen trotzdem begleichen zu können, nahm Sandra R. bei Privatpersonen Darlehen auf, später auch einen Bankkredit. «Aber das war natürlich erst recht keine Lösung», denkt sie heute. «Ich versuchte, den Kredit und die Darlehen abzubezahlen, verzichtete oft auf Essen, auf Hygieneartikel, aber ich war trotzdem überall nur am Abzahlen.» Langsam reifte der Entschluss, sich Hilfe zu holen. «Natürlich kostete es grosse Überwindung, zur Schuldenberatung zu gehen und alles offen zu legen, aber es hat sich gelohnt, schliesslich wollte ich auch nie in Konkurs oder Betreibung geraten.»

Nicht in Resignation versinken

Die Beratung bei Barbara Bracher, Leiterin der Fachstelle für Schuldenfragen Luzern, ergab Überraschendes. Der Bankkredit, den Sandra R. mühsam abzahlte, hätte ihr aufgrund ihrer finanziellen Lage nicht in dem Umfang gewährt werden dürfen. Eine Kreditvergabe darf nicht in eine Überschuldung führen, die Tilgungsraten waren für Frau R. nicht tragbar. Und Sandra R. lebte klar unter dem betreibungsrechtlichen Existenzminimum.

Die Schuldenberatung half Frau R. aus dem Kredit herauszukommen, so dass sie seit einem Jahr über die Dauer von 36 Monaten einen angemessenen Beitrag von monatlich 100 Franken abtragen muss. Die Fachstelle gab Tipps, wo Frau R. durch noch bessere Planung Geld einsparen konnte, und stellte für sie bei der LZ-Weihnachtsaktion einen Antrag auf Übernahme offener Zahnarzt-Rechnungen. Die wichtigste Erfahrung für die geschiedene Frau: «Die Beratung fand auf Augenhöhe statt, sie verlief immer respektvoll.» Und Barbara Bracher habe ihr sehr geholfen, nicht in Resignation zu versinken. Ein Leben mit Schulden sei sehr anstrengend, es ermüde total, wenn man kein Land mehr sehe. Mit jemand zusammen eine klare Planung machen zu können, sei schon eine erste Unterstützung gewesen.

Erleichterung setzt ein

Barbara Bracher bestätigt: «Eine erste grosse Erleichterung setzt bei den Klientinnen und Klienten zum Zeitpunkt der Planung der Rückzahlung ein, nicht erst beim erfolgreichem Abschluss. Wenn sie sehen, dass es eine Lösung gibt.»

Ähnlich hat es auch John P. erlebt. «Die Schuldenberatung hat mir in allem geholfen, beginnend damit, überhaupt einmal Ordnung in alle Rechnungen zu bringen und eine klare Budgetaufstellung zu machen.» Beim heute 34-jährigen begann der Weg in die Schuldenkrise als 18-jähriger. «Ich hatte überhaupt nicht gelernt, mit Geld umzugehen, musste plötzlich selbständig leben und war gar nicht darauf vorbereitet. Zuhause gab es mal viel Geld, dann wieder gar keines. Ich lebte oft über die eigenen Verhältnisse. Rechnungen zahlte ich nicht, auch manche Versicherung nicht. Meine Lebenseinstellung passte nicht zu den gesellschaftlichen Abläufen. Ingesamt fehlte es mir sicher an einem sozialen, stabilen Netz.»

Keine Schuld bei anderen

Aber rückblickend sucht der 34-jährige die Verantwortung nicht bei anderen: «Dass die Schulden am Ende explodierten, dafür bin ich selbst verantwortlich.» Barbara Bracher unterstreicht diese Aussage: «Oft übernehmen unsere Ratsuchenden die Verantwortung für die Entstehung der Schulden. Die meisten verschulden sich jedoch bei Lebensabschnittsveränderungen wie Trennung, Krankheit, Unfall oder auch wegen eines Arbeitsplatzverlustes.».

Bracher fügt hinzu: «Damit eine Sanierung gelingt, brauchen unsere Ratsuchenden eine hohe Motivation.» Nötig seien, wie bei Herrn P., ein geregeltes Einkommen, eine stabile Situation, viel Disziplin. «Verhandlungen mit Gläubigern betreffend teilweisen Schuldenerlass nehmen wir erst nach einer viermonatigen bis halbjährigen Probezeit auf», so die Beraterin.

John P. ist dankbar für den gesetzten Rahmen. Er habe die Sanierung nie als Unfreiheit erlebt, sondern habe einen festen Boden gebraucht. Und dann hätten auch die Gläubiger mitgemacht und im Rahmen eines Dreijahresplans auf 40 Prozent verzichtet. Barbara Bracher ist das wichtig: «Die Gläubiger haben Vertrauen in unsere Schuldenberatung». Ein Schuldenerlass sei meist eine Voraussetzung, damit überschuldete Menschen wieder eine Perspektive auf eine schuldenfreie Zukunft erhalten dürfen. Denn bereits mit der Bedienung hoher Zinsen, Betreibungs- und Zusatzkosten kämen nicht wenige der Ratsuchenden gar nicht mehr zur Tilgung der eigentlichen Schuld. Wenn der Lohn vom Betreibungsamt gepfändet wird, können Betroffene zudem die laufenden Steuern nicht mehr bezahlen, da dieser Betrag im betreibungsrechtlichen Existenzminimum nicht eingerechnet wird. Dies führt zu einer Neuverschuldung. Die Betreibungen im Kanton Luzern nahmen in jüngerer Vergangenheit zu, 2017 waren fast 97‘000 Zahlungsbefehle registriert.

Frühe Warnsignale

Welche Anzeichen haben Sandra R. und John P. als frühe Warnsignale erlebt? Frau R. sagt: «Als sich Rechnungen und Mahnungen sammelten, und wenn ich am Ende des Monats kein Essen mehr kaufen konnte. Ich merkte auch, wie dünnhäutig ich wurde und dass ich nicht mehr schlafen konnte. Ich hätte viel früher zur Schuldenberatung gehen sollen, dann hätte ich schon früher klar gesehen, dass ich unter dem betreibungsrechtlichen Existenzminimum lebe, und einen besseren Umgang damit gefunden.»

Herr P. schlägt in die gleiche Kerbe: «Wenn Rechnungen und Mahnungen kommen, auf keinen Fall denken, das regelt sich von selbst, sondern die Dinge angehen.» Die Schuldenberatung haben beide als wirkliche Unterstützung erlebt.

Andreas Wissmiller

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Kirche unterstützt Fachstelle

Die Fachstelle für Schuldenfragen Luzern berät kostenlos und vertraulich überschuldete Personen. Diese sollen in einer finanziellen Situation, die ihnen über den Kopf wächst, Ordnung finden und Lösungen angehen können. Die Fachstelle wird finanziert über Prokopfbeiträge aller Gemeinden im Kanton Luzern, Beiträge von Kirchgemeinden im Kanton sowie private Spenden und Mitgliederbeiträge.

  • Fachstelle für Schuldenfragen Luzern, Weinmarkt 20, 6004 Luzern,
  • Mo-Do von 9-12 Uhr
  • 041 211 00 18 | info@schuldenberatung-luzern.ch |www.schuldenberatung-luzern.ch
  • Spendenmöglichkeit: IBAN CH39 0077 8188 2355 9200 1

Wie klingt Leben? In allen Tönen und Tonarten. Der kantonale katholische Seelsorgerat lud am Samstag (26. Oktober 2019) dazu ein, auf unterschiedliche Lebensmelodien zu lauschen. 70 Frauen und Männer liessen sich in Baldegg davon ermutigen.

Sie spüre «ganz viel Energie», sagte eine Teilnehmerin in der Schlussrunde, ein gemeinsames Getragen-sein im Glauben. Sie nehme den Mut mit nach Hause, «etwas anzugehen», meinte eine andere. 70 Frauen und Männer sassen im Kreis in der Klosterherberge und liessen die Töne dieses Tages nachklingen: Takte von Lebensmelodien, zu denen sie selbst neue Noten gesetzt hatten.

«Leben zum Klingen bringen»: Dieses Thema hatte der Katholische Seelsorgerat Luzern (KSRL, siehe Kasten) für seinen Glaubens- und Begegnungstag gewählt, der alle zwei Jahre stattfindet. Er lud neun Frauen und Männer ein, ihre Erfahrung zu teilen, wie Leben klingen kann. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer brachten sich in diese Lebensgeschichten ein, sangen und spielten mit oder horchten miteinander in die Stille.

Den ersten Schritt gehen

Etwa bei Hildegard Aepli, Initiantin des Projekts «Kirche mit* den Frauen». Mit ihr hatten vor drei Jahren 1600 Gleichgesinnte ihre gemeinsame Sehnsucht nach einer offeneren Kirche zu Fuss nach Rom, zum Papst, getragen. «Mein Leben kommt dann zum Klingen, wenn ich bereit bin, einen Schritt in die Richtung zu gehen, die mich lockt», sagte Hildegard Aepli. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, einen solchen Schritt zu tun, wie die Theologin und Musiktherapeutin Judith von Ah erfahrbar machte. Ihr Grundsatz: «Es gibt keine falschen Töne.»

Die Theologin und Schriftstellerin Jacqueline Keune wiederum befasste sich mit dem Wohl- und Missklang von Sprache. Kantonsrat Roger Zurbriggen verglich die Politik mit einem Harfenspiel. Ursula und Stefan Hüsler schilderten, was ihnen trotz Schicksalsschlägen in der Familie («zwischendurch reisst eine Saite») Kraft gibt, «mit dem Du und Ich wieder auf den Weg zu gehen».

Oder Vreni und Alois Eberli: Geprägt vom Verlust eines Sohnes, berichteten sie davon, wie sie in ihrem Schmiedeatelier persönliche Grabmäler schaffen, die zur verstorbenen Person passen. Da kann ein Stein, eingefasst von einem metallenen Strahlenkranz, zu einem Geschichtenbuch werden, in dem sich in Gedanken blättern lässt

Steine lehren Beharrlichkeit

«Klingen denn Steine?», fragte Thomas Villiger von der Vorbereitungsgruppe. «Vielleicht», antwortete er selbst. «Sie lehren uns jedenfalls, an etwas dran zu bleiben. Steine, Lebenssteine, spielten eine wichtige Rolle an dem Tag. Sie gingen von Hand zu Hand, bildeten einen Haufen in der Mitte und wurden zu einem grossen «Du» am Boden gelegt. «Du und ich bringen Leben zum Klingen», sagte Sr. Beatrice Kohler. Seelsorgeratspräsidentin Franzisca Ebener knüpfte hier an: «Leben in Fülle klingt in Gemeinschaft nachhaltiger.»

Dominik Thali

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Die «Stimme aus dem Volk Gottes»

Der Katholische Seelsorgerat des Kantons Luzern (KSRL) berät zusammen mit dem Bischofsvikariat St. Viktor (der Vertretung des Bischofs) und der Landeskirche pastorale Themen und Anliegen und versteht sich als eine «Stimme aus dem Volk Gottes». Er ist – auf kantonaler Ebene – vergleichbar mit einem Pfarrei- oder Pastoralraumrat. In den Leitsätzen des KSRl heisst es:

  • Wir setzen uns ein für eine zeitgemässe Pastoral und für eine dialogfreundliche Kirche, die sich immer wieder aufs Neue an der biblischen Botschaft orientiert und die «Zeichen der Zeit» im Licht des Evangeliums deutet.
  • In der gegenwärtigen innerkirchlichen Situation lassen wir uns leiten von dem Grundsatz: Man kann nicht allein und auch nicht gegen andere, sondern nur miteinander katholisch sein.
  • Wir sind solidarisch mit Institutionen, die sich für die Menschenrechte, für gesellschaftliche und globale Gerechtigkeit, für Frieden und Versöhnung sowie die Bewahrung der Schöpfung engagieren.

Der Glaubens- und Begegnungstag, offen für alle Interessierten, findet alle zwei Jahre statt. Den Tag 2019 vorbereitet hatten Beatrice Furrer, Sr. Beatrice Kohler, Franzisca Ebener, Sr. Karin Zurbriggen, Madeleine Strebel und Thomas Villiger.

Der Seelsorgerat wird seit 2018 präsidiert von Franzisca Ebener (Rothenburg).

«TheaterFlucht» ist ein spielerisches Inklusionsprojekt, das Kinder aus Migrationsfamilien und Schweizer Kinder zusammen auf die Bühne bringt. Es ist eines von mehreren Projekten von «Trau fremdem», einer Idee, mit der die beiden Landeskirchen Themen rund um Flucht, Migration, Asyl, Fremdsein usw. den Menschen im Kanton Luzern näher bringen und so dazu beitragen wollen, dass die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund als Bereicherung für das Zusammenleben stattfinden kann.

In den Herbstferien dieses Jahres wurde «TheaterFlucht» zum achten Mal in Luzern durchgeführt. Das Thema diesmal: Suchen und finden. Suchen mussten die 25 Kinder und die internationalen Freiwilligen des SCI (Service Civil International) Schweiz nicht lange. Sie fanden schon am ersten Tag der Projektwoche eine gemeinsame Sprache, auch wenn es keine verbale war. So wurde eine Woche lang getanzt, gesungen, musiziert, gemalt und gelacht. Es wurde mit Kartonkisten experimentiert und Geschichten erzählt. So entstand eine szenische Arbeit, welche die Kinder selbst entwickelten und Ende der Woche einem Publikum zeigten. Es entstanden aber auch Freundschaften zwischen Kindern, diesich sonst wohl nicht begegnet wären. «TheaterFlucht» ist ein spielerisches Inklusionsprojekt, das nicht auf Worte angewiesen ist. In dem Kinder suchen, forschen, sich ausprobieren dürfen und dadurch Gemeinsamkeiten finden.

«TheaterFlucht» wird an verschiedenen Orten in der Schweiz auf unterschiedliche Art und Weise durchgeführt. Die Reformierte Kirche Kanton Luzern hat das Projekt in der Stadt Luzern mitinitiiert und unterstützt es auch finanziell.

Anna Gallati, Projektleiterin, und Oliver Merz, Leiter Fachstelle OeME der ref. Landeskirche

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Essen wegwerfen? Foodwaste? Geht gar nicht. An der Gemeinschaftsaktion «Luzern tischt auf» am 31. August rund um die Matthäuskirche in Luzern beteiligten sich deshalb die reformierte und katholische Kirche, zusammen mit dem Verein Foodwaste, der Oekonomischen Gemeinnützigen Gesellschaft Bern (OGG) Bern, Kanton und Stadt Luzern, der Köchlin-Stiftung und den «Powergirls» der Diakonie. Sie kochten und servieren zusammen ein riesiges, köstliches Gemüse-Curry aus überzähligem Gemüse. Grosse Töpfe waren nötig und viele Köchinnen und Köche, grosse und kleine. Am Vorabend waren über 300 Kilo an gespendetem Gemüse im Rahmen eine Schnippelparty gerüstet worden, gleich vor dem Hotel Schweizerhof, das die Aktion unterstützte. Was sich zeigte: Junge Menschen finden zunehmend Gehör, wenn sie für den Erhalt der Umwelt öffentlich eintreten. Sparsamer Umgang mit Lebensmitteln gehört zu den Kernthemen, die nicht mehr hingenommen werden. Das gegenseitige Verständnis und Interesse wächst spürbar.

Alexander von der Marwitz

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So verbindet Kirche Menschen: Am Fest der Nationen in Nebikon erfüllte ein vielfarbiges Stimmengewirr den Kirchplatz, begleitet von Essensdüften aus aller Welt. Das Dorf begab sich am Sonntag (18. August 2019) zum zweiten Mal «Mit dem Gaumen auf Kulturreise».

«Wir haben verschiedene Religionen, und trotzdem seid ihr heute alle hier», begrüsst Pfarreileiter Markus Müller die Kirchenbesucherinnen und -besucher. Es ist Sonntagmorgen, 10 Uhr – wie gewöhnlich. Doch heute ist alles etwas anders, bunter und lauter: Nebikerinnen und Nebiker mit albanischer, russischer oder schweizerischer Abstammung treffen sich zur interreligiösen Wortfeier. Klein und Gross, Jung und Alt – sie alle haben in den hölzernen Kirchbänken Platz gefunden. Tragen ihre Wünsche und Hoffnungen in sieben verschiedenen Sprachen vor Gott. Lachen, singen, klatschen und basteln. Die Kinder kleben mit Hilfe einiger Jublaleiterinnen selbstgemalte Stoffstücke zu einem grossen Tuch zusammen, das nun den Altar schmückt. Ein kunstvolles Ganzes aus vielen kleinen Teilen, symbolisch für den Anlass selbst: «Es ist genauso vielfarbig und bunt wie unsere Gemeinschaft», meint Markus Müller.

Bananenbällchen und Pfannkuchen aus Russland

Die Feierlichkeiten werden anschliessend nach draussen verschoben, auf den Kirchplatz unter der Linde. Dort spendet der grosse Baum willkommenen Schatten, während zehn Essensstände mit verführerischen Düften locken. «Mit dem Gaumen auf Kulturreise» heisst das grosse Fest der Nationen. Da gibt es Frühlingsrollen, frittierte Bananenbällchen und Chügelipastetli zu probieren. Dem siebenjährigen Andrin haben es die russischen Pfannkuchen besonders angetan: Bereits zum dritten Mal wartet er mit seinem Vater auf Nachschlag. «Als Familie schätzen wir das Engagement für solche Feste sehr», meint Lukas Koller.

«So macht Kirche Freude»

Worte wie diese freuen OK-Mitglied und Pfarreirätin Ursula Grob. Vor zwei Jahren rief der Pfarreirat das Fest der Nationen ins Leben. «Wir wollten die Kirche raus- und die Leute in die Kirche bringen», erklärt Ursula Grob. Die Mission scheint geglückt: «So macht Kirche Freude», bekam das Organisationsteam häufig zu hören. Heute ist «Mit dem Gaumen auf Kulturreise» ein gemeinschaftliches Projekt mit dem Elternrat, der Kontaktnetzgruppe und der Jubla Nebikon. Ein wahrer Genuss, findet Ursula Grob: «Unglaublich viele Menschen helfen motiviert mit.»

Eine dieser Helferinnen ist Maria Dias. Vor 29 Jahren kam sie von Portugal in die Schweiz – ohne Deutschkenntnisse oder Ansprechpersonen. Doch Maria Dias besuchte einen Deutschkurs, suchte den Kontakt. Mittlerweile ist sie Mitglied des Pfarreirats und gestaltet den Nebiker Kirchenalltag aktiv mit. «Das Zusammensein und der Austausch im Rat tun mir gut. Hier fühle ich mich zuhause.» Ihr altes Zuhause teilt Maria Dias am Fest der Nationen mit anderen; mithilfe von guten Worten, viel Lachen und köstlichen Kokosküchlein.

«Die Kirche macht sehr viel fürs Dorf»

Während die älteren Generationen noch beim Dessert sitzen, vergnügen sich die Jüngeren beim Königsschach oder Frisbee-Spielen mit den Leiterinnen und Leitern der Jubla Nebikon. Diese haben bereits die Essensstände fürs Fest aufgestellt und helfen nun bei der Kinderbetreuung. «Die Kirche macht sehr viel fürs Dorf», meint Scharleiter Reto Burri: «Da sind wir gerne mit dabei.» Dann wendet er sich wieder dem Königsschach zu. Die Sonne scheint, die Stimmung ist gut, der Hunger gestillt; vor dem Aufräumen liegt bestimmt noch die eine oder andere Partie drin.

Anna Mirjam Graf

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